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Vereinigung Cockpit: "Brauchen wir erst Flugunfallopfer in Europa?"

Anlässlich des dritten Jahrestags des Flugzeugabsturzes der Colgan Air in Buffalo/USA (Austrian Wings berichtete) gedenkt die Vereinigung Cockpit der Opfer der Katastrophe. Die Erschöpfung der Cockpitcrew trug zu diesem Unfall maßgeblich bei, so die Interessensvertretung der Piloten.

"Der Unfall brachte das Fass zum Überlaufen und löste in den Vereinigten Staaten eine lang geforderte Neuregelung der Flugdienst- und Ruhezeitregelungen aus. Diese wurden inzwischen verabschiedet und deutlich verschärft. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden Bestimmungen erschaffen, die sicherstellen sollen, dass der Mensch die von ihm abverlangte Leistung biologisch überhaupt erbringen kann. Danach wurde überlegt, welche Flexibilisierungen zugunsten wirtschaftlicher Interessen vertretbar sind und wie man deren Auswirkungen minimieren kann, um effektiv eine Gefährdung des Flugverkehrs durch Erschöpfung der Flugbesatzungen zu verhindern", erklärte ein Sprecher der VC.

In Europa würden die Flugdienstzeit-Bestimmungen derzeit ebenfalls überarbeitet. Doch hier würden wissenschaftliche Forschungsergebnisse, die deutliche Beschränkungen fordern, inklusive der eigens von der EU in Auftrag gegebenen Studien, weitgehend ignoriert, so der Vorwurf der Pilotenvereinigung.

"Es gibt zunehmend mehr gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, was ein Mensch biologisch leisten kann, doch darüber setzt sich die europäische Flugsicherheitsagentur in wesentlichen Punkten hinweg und gefährdet das Leben von Passagieren und Besatzungen", warnt Flugkapitän Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit. "Muss es erst zu einem Unfall wie dem der Colgan Air mit 50 Toten kommen, bevor man auch hier aufwacht?“

Da es um die Sicherheit der Passagiere geht, hat die Vereinigung Cockpit eine Initiative ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit "wachzurütteln", wie es heißt. Auf der Internetseite www.flugdienstzeiten.de wurde eine Online-Unterschriftenaktion gestartet, in der "alle Bürger aufgerufen werden, sich für ihre Sicherheit einzusetzen". Gefordert wird, dass die neuen Flugdienstzeitregelungen in Europa auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, damit sich jeder Passagier darauf verlassen kann, dass sein Pilot auch wach genug ist, um wieder sicher zu landen.

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Links:

Online-Unterschriftenaktion - Flugdienstzeiten

(Vereinigung Cockpit / red CP)