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ANA mit Verlust im ersten Quartal

Die japanische ANA schloss das zurückliegende erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres (1. April 2013 bis 31. März 2014) mit Verlust ab. Einem operativen Ertrag von umgerechnet etwa 2,79 Milliarden Euro standen operative Kosten von 2,83 Milliarden Euro gegenüber. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von umgerechnet etwa 51,3 Millionen Euro. Für das gesamte Jahr bleibt ANA dennoch optimistisch und prognostiziert unverändert einen Jahresgewinn von umgerechnet etwa 350 Millionen Euro.

Die Gründe für den Quartalsverlust liegen nach Angaben des Unternehmens bei gestiegenen Treibstoffkosten, einem schwächelnden japanischen Yen und in der Stilllegung der 787-Dreamliner-Flotte während fast des gesamten Berichtsquartals. Trotz der Währungsschwankungen sieht das Unternehmen Anzeichen für eine weitere Verbesserung der Situation der japanischen Wirtschaft: Die Menschen geben wieder mehr Geld für Konsum aus, und die Zurückhaltung bei Kapitalinvestments schwindet langsam. Auch zeigen die Bemühungen des japanischen Staates zur Wiederbelebung der Wirtschaft vom Ende des vergangenen Jahres Wirkung und stützen die Erholungstendenzen.

Im Fluggeschäft konnte ANA zum 1. Juni 2013 endlich wieder ihre Dreamliner-Flotte in Betrieb nehmen, nachdem die Modifikationen des Batteriesystems abgeschlossen waren und die Behörden ihr Einverständnis gegeben hatten. ANA arbeitet weiterhin an der kontinuierlichen Verbesserung der Servicestandards vor und während des Fluges. Als Anerkennung dieser Bemühungen erhielt das Unternehmen vor wenigen Wochen den begehrten fünf-Sterne-Status von Skytrax, den mit ANA nur die weltweit sieben besten Fluggesellschaften innehaben. Zudem führt die Airline in den beiden Kategorien World’s Best Airport Services und Best Cabin Cleanliness das weltweite Skytrax-Ranking an.

Im Inlandsgeschäft konnte der japanische Marktführer die Passagierzahl um zwei Prozent steigern und beförderte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 9,7 Millionen Passagiere bei einer Auslastung von 57 Prozent. Trotz der Stilllegung der 787-Flotte stieg vor allem die Nachfrage im Privatreisebereich an. Allerdings sanken die Umsätze in diesem Geschäftsbereich als Folge des harten Wettbewerbs und des damit verbundenen Drucks auf die Stückpreise um 1,3 Prozent. Die Airline hat weiter an ihrem Streckennetz gearbeitet und neue Routen eingeführt – zum Beispiel zwischen Akita und Sapporo oder Tokio/Narita und Hiroshima. Zudem wurden für den Sommer die Flugverbindungen zwischen Tokio/Haneda und Ishigaki sowie Nagasaki/Kumamoto und Okinawa wieder aufgenommen. Als erste japanische Airline hat ANA auch ihr „Million Miler Program” für die Statuskunden aufgelegt, das auf der Kumulation aller zurückgelegten Flugmeilen beruht.

Im internationalen Geschäft war die Nachfrage im Geschäfts- und im Privatreisebereich bei Flügen nach Europa und Nordamerika stabil – mit Ausnahme der Reisen in das benachbarte China, wo noch immer antijapanische Demonstrationen stattfinden. Der Umsatz aus dem Passagiergeschäft stieg um 7,5 Prozent, vor allem durch die Steigerung der Stückpreise und ein erfolgreiches Yieldmanagement. Die Verbindungen zwischen Tokio und Seattle sowie San Jose in Kalifornien waren aufgrund des 787-Groundings zwischenzeitlich eingestellt worden und wurden am 1. Juni wieder aufgenommen, was das Netzwerk der Airline nach Nordamerika weiter gestärkt hat. Ein Ausbau der Lounges in Tokio-Narita und eine Aufwertung des Bordprodukts unterstützten die positiven Tendenzen im internationalen Passagiergeschäft weiter.

Im Frachtsektor fielen Umsätze und Stückpreise auf dem Heimatmarkt im Vergleich mit dem vorangegangenen Jahr. Grund ist der starke Wettbewerb in Japan, auch durch Unternehmen, die Fracht über Land transportieren. Diese Situation wirkt sich besonders auf den Transport von Frischegütern aus Hokkaido, Kyushu und Okinawa aus. Im internationalen Frachtgeschäft hingegen konnte ANA von ihren verstärkten Aktivitäten bei der Frachtakquise profitieren, hier wächst die Nachfrage nach Transportkapazitäten zwischen Asien – im Besonderen China – und Europa sowie Nordamerika stetig. ANA kann in diesem Bereich auch von ihrem gut ausgebauten Frachtdrehkreuz auf Okinawa profitieren. In Zahlen ausgedrückt, stiegen die Frachtumsätze im internationalen Geschäft um 14 Prozent, im nationalen Geschäft sanken sie um 6,3 Prozent.

In den weiteren Geschäftsbereichen der ANA stiegen die Umsätze zum Beispiel durch neue Wartungsverträge für andere Airlines und die Vertriebsaktivitäten für AirAsia Japan um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Joint Venture AirAsia Japan hatte im Berichtszeitraum 144.000 Passagiere auf seinen Inlandsrouten und erreichte dort einen Sitzladefaktor von 55,5 Prozent. Auf den internationalen Strecken wurden 39.000 Passagiere befördert – mit einem Sitzladefaktor von 52,1 Prozent. Ende Juni hatte ANA das bisherige Joint Venture mit der AirAsia Gruppe komplett übernommen.

Obwohl die globale wirtschaftliche Situation aus japanischer Sicht weiterhin unsicher bleibt und die Währungsschwankungen des Yen einen großen Einfluss auf das Geschäft von ANA haben, ist das Unternehmen aufgrund der Stabilisierungsbemühungen der japanischen Regierung für die heimische Wirtschaft in seinem Ausblick weiterhin optimistisch. Der Star Alliance Partner erwartet weitere positive Effekte durch anhaltend strenges Kostenmanagement und die Verschlankung der Verwaltungsstrukturen. Außerdem soll der Mittelfristplan, der auf einer Multibrand-Strategie und der weiteren Diversifikation des Luftfahrtgeschäfts basiert, weiterhin konsequent umgesetzt werden. Investitionen sind vor allem in Asien vorgesehen. ANA erwartet für das komplette Geschäftsjahr weiterhin einen Umsatz von umgerechnet gut 12,5 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von etwa 350 Millionen Euro.

(red / ANA / Titelbild: ANA - All Nippon Airways Boeing 777-300ER, Symbolbild - Foto: Chris Jilli)