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AUA hat Ausrüstung der Flotte mit Defis (fast) abgeschlossen

Austrian Airlines hat die Ausstattung ihrer gesamten Flotte mit halbautomatischen Defibrillatoren nahezu vollständig abgeschlossen.

Wie berichtet, waren ursprünglich lediglich die Boeing 767, Boeing 777 und Flugzeuge der Airbus A320-Familie mit diesen lebensrettenden Geräten ausgerüstet. Auf der von der früheren Tyrolean übernommenen Q400- und der Fokker-Flotte fehlten sie dagegen.

Nachdem Austrian Wings und eine große österreichische Tageszeitung im Vorjahr wiederholt auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hatten, entschied der damals neue AUA-CEO Kay Kratky, dass auch die restlichen Flugzeuge Defibrillatoren erhalten sollen und korrigierte damit engagiert Versäumnisse seiner Management-Vorgänger.

AUA-CEO Kay Kratky präsentiert eines der Geräte an Bord einer Q400: "Ich bedanke mich bei dem verantwortlichen Projektteam, dass die Ausstattung der Maschinen mit Defis in Rekordzeit gelungen ist."
AUA-CEO Kay Kratky präsentiert eines der Geräte an Bord einer Q400: "Ich bedanke mich bei dem verantwortlichen Projektteam, dass die Ausstattung der Maschinen mit Defis in Rekordzeit gelungen ist."

Mittlerweile wurde dieses Projekt fast abgeschlossen. "Alle Q400 sowie jeder Embraer verfügen bereits über Defibrillatoren", erklärte eine Sprecherin gegenüber Austrian Wings. Einzig auf einigen Maschinen der Fokker-Flotte seien sie noch nicht vorhanden. Doch in den nächsten Tagen werde auch diese Lücke geschlossen, versichert man bei der rot-weiß-roten Airline.

Insgesamt zählt die AUA nun 102 Defibrillatoren, konkret 54 vom Typ "Heartstart FR2" und 48 "Heartstart FR3". Seitens der Airline heißt es: "Auf jedem Flugzeug ist ein Gerät vorhanden, dazu kommen circa 20 Ersatzgeräte im Lager."

In der Q400 befindet sich der Defi rechts hinten in der Passagierkabine. Sein Aufbewahrungsort ist durch ein weißes Herz auf grünem Grund gekennzeichnet.
In der Q400 befindet sich der Defi rechts hinten in der Passagierkabine. Sein Aufbewahrungsort ist durch ein weißes Herz auf grünem Grund mit dem Schriftzug "AED" gekennzeichnet.

Obwohl die Geräte von jedem Laien auch ohne spezielle Einweisung bedient werden dürfen und können, schult die AUA ihre Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zusätzlich: "Im First Aid Teil des jährlichen Recurrent Trainings wurden alle Flugbegleiter seit 2015 mit dem Gerät vertraut gemacht, inklusive einer Reanimationsübung mit einem speziell programmierten Testgerät."

Sämtliche Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Austrian Airlines werden für die Reanimation unter Verwendung von Defis geschult.
Sämtliche Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Austrian Airlines werden für die Reanimation unter Verwendung von Defis geschult.

Hintergrund

Halbautomatische Defibrillatoren, so genannte AED, entfalten ihre volle Wirksamkeit bei beobachteten Herz-Kreislauf-Stillständen, wenn sie sofort zum Einsatz gebracht werden. Dann nämlich können sie die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Patienten auf rund 70 Prozent erhöhen, wohingegen ohne derartige suffiziente Hilfsmaßnahmen die Chance auf erfolgreiche Wiederbelebung fast verschwindend gering ist, wie Dr. Mario Krammel vom Verein Puls ausführt:

"Einen Defibrillator an Bord eines Verkehrsflugzeuges zu haben, halten wir vom Verein Puls für absolut sinnvoll. Bei einem leblosen Patienten nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Erste Hilfe Maßnahmen pro Minute um etwa zehn Prozent ab. Daher ist es unumgänglich, dass bereits der Ersthelfer mit der Wiederbelebung beginnt. Durch kräftigen Druck in der Mitte des Brustkorbes und den raschen Einsatz eines Laien-Defibrillators innerhalb der ersten zwei bis drei Minuten können Zeugen effizient Erste Hilfe leisten und so die Überlebenswahrscheinlichkeit von durchschnittlich 5 Prozent auf bis zu über 70 Prozent erhöhen. Außerdem bietet ein Defibrillator an Bord auch für die Mannschaft ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, um schnell und kompetent handeln zu können."

Aktuell fährt der Verein Puls eine einprägsame Aufklärungskampagne über die Wichtigkeit von Laien-Defibrillatoren.

Auch der europäische Rat für Wiederbelebung spricht sich laut Krammel in den aktuell veröffentlichten Guidelines eindeutig für die Vorhaltung von AED-Geräten, also halbautomatischen Defibrillatoren, in Verkehrsflugzeugen aus. Er zitiert: "Programme für AED sollen vorrangig im außerklinischen Bereich etabliert werden. Gemeint sind hier öffentliche Plätze wie Flughäfen, Sportanlagen, Büros, Kasinos und Flugzeuge. An diesen Orten werden vorkommende Kreislaufstillstände üblicherweise beobachtet, und ausgebildete Ersthelfer sind schnell zur Stelle. In Laienhelfer-AED-Programmen mit sehr schnellen Reaktionszeiten und in unkontrollierten Studien mit Polizeibeamten als Ersthelfer wurden Überlebensraten in Höhe von 49 bis 74 Prozent erreicht."

(red / Titelbild: AED auf dem Sitz einer Q400 der AUA - durch ihre kompakte Größe können diese lebensrettenden Geräte platzsparend an Bord untergebracht werden - alle Fotos: Huber / Austrian Wings Media Crew)