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Absturz vor Radom Air Show - die Unglücksmaschine

Die gestern in Radom abgestürzte F-16C Block 52, "4056" - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Der gestrige Absturz von Major Maciej “SLAB” Krakowian beim Training zur mittlerweile abgesagten Radom Air Show hat Fachwelt und Airshowfans schockiert. Es war zugleich der erste Absturz einer F-16 der polnischen Luftstreitkräfte. Die Suche nach der Unglücksursache - technisches Versagen oder Pilotenfehler - läuft auf Hochtouren.

Major Maciej “SLAB” Krakowian war der Kommandant des  Tiger Demo Teams der polnischen Luftstreitkräfte. Das Team fliegt mit dem modernen westlichen Kampfjet F-16, genauer gesagt mit der F-16C Block 52. Die gestern verunglückte Maschine trug die Seriennummer 4056 und die msn JC-17. Mit exakt diesem Flugzeug war Pilot Major Maciej “SLAB” Krakowian beim heurigen RIAT in Fairford geflogen. Die 4056 hatte zuvor bereits zahlreiche andere Airshow-Auftritte im In- und Ausland absolviert, unter anderem beim Slovak International Air Fest in Sliac.

Polen beschaffte ab dem Jahr 2002 knapp 50 F16 Block 52, darunter 12 voll kampftaugliche F-16D Doppelsitzer, als Ergänzung und Ersatz für ihre noch aus Sowejtzeiten stammenden MiG 29. Die polnischen F-16 sind mit dem Pratt and Whitney F-100-229 Triebwerk, dem APG-68(V)9 Radar sowie der ALQ-211(V)4 electronic warfare suite ausgerüstet. Die Flugzeuge können außerdem mit modernsten US-amerikanischen Waffensystemen bestückt werden.

Der Absturz vom 28. August 2025 - übrigens exakt der 37. Jahrestag der Flugtagkatastrophe von Ramstein, bei der mindestens 70 Menschen starben - war der erste Absturz einer F-16 der polnischen Luftstreitkräfte. Die polnischen Piloten gelten als hervorragend qualifiziert.

Dennoch ist und bleibt die militärische Hochleitungsfliegerei mit Risiken behaftet, die deutlich über den regulären zivilen Flugbetrieb hinausgehen. Dank umfassender Sicherheitsstandards bei Flugschauen (und dem Training dazu), die nach dem verheerenden Flugtagunglück von Ramstein 1988 eingeführt wurden, wurde das Risiko für Zuschauer erheblich minimiert.

In Radom läuft indes die Suche nach der Absturzursache auf Hochtouren, wird jedoch durch den hohen Zerstöungsgrad des Wracks erschwert. Möglich sind sowohl ein technisches Problem als auch menschliches Versagen.

Die F-16 ab Block 40 können mit einem System Namens "AutoGCAS" ausgerüstet werden. Das verhindert grundsätzlich Flüge in den Boden, in der Fachsprache Controlle Flight into Terrain, kurz CFIT, genannt, indem es dem Piloten die Kontrolle entzieht und - wenn erforderlich - selbstständig rechtzeitig ein Abfang- bzw. Ausweichmanöver einleitet. "Falls die polnischen F-16 Block50 damit ausgestattet sind, war es zur Durchführung des Display-Fluges ausgeschaltet", so die Einschätzung des internationalen Militärluftfahrtexperten Martin Rosenkranz, Gründer des Militärluftfahrtmagazins "Airpower.at".

Text & Foto: Patrick Huber