Österreich –

Flughafen Wien: Erste Kündigungen bei AAS, Joint Sky Services hat noch immer keine Zusage für Personal gegeben

AAS in Wien hat schon einige Mitarbeiter gekündigt und etliche weitere dürften folgen. Von der Joint Sky Service hat das Unternehmen bislang noch immer keine schriftliche Bestätigung, dass die Belegschaft übernommen wird.

Vollmundig hatte der neu gegründete Bodenabfertiger Joint Sky Services aus Eisenstadt vor wenigen Wochen verkündet, dass das Unternehmen die Beschäftigten des bisherigen Dienstleisters AAS am Flughafen Wien übernehmen wolle. Doch bis jetzt gibt es keine schriftliche Zusage dafür. Die Folge: AAS hat mit den Kündigungen von Beschäftigten begonnen und es werden nicht die letzten gewesen sein. Es ist eine Katastrophe, denn zu Weihnachten könnten mehrere hundert Mitarbeiter der AAS ohne Jobs dastehen.

Lesern von Austrian Wings - Österreichs Luftfahrtmagazin ist die mehr als fragwürdige Vorgeschichte in diesem Fall bestens bekannt. Die Bodenabfertigung für den Flughafen Wien war neu ausgeschrieben worden. Wenige Tage vor dem Ende der Ausschreibungsfrist war die Firma Joint Sky Services neu gegründet wurden und erhielt prompt den Zuschlag. Damit war klar: Joint Sky Services würde den bisherigen Anbieter, Airline Assistance Switzerland oder AAS, mit Ende Oktober ablösen. Im Juli hatte Geschäftsführer Martin Stift in einer E-Mail an Austrian Wings erklärt, dass "geplant" sei, die Mitarbeiter von AAS "zu übernehmen". Auf irgendein Schriftstück, das ihnen das bestätigte warteten die Mitarbeiter von AAS aber vergeblich.

Noch Mitte August mutete die Joint Sky Services auf Außenstehende jedenfalls optisch wie eine "Briefkastenfirma" an. Ende August musste AAS vorsorglich alle Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung anmelden, weil es durch die Joint Sky Services noch immer keine rechtsverbindliche schriftliche Zusage gab, die Belegschaft von AAS zu übernehmen. Stattdessen suchte Joint Sky Services auf der Homepage nach eigenen neuen Mitarbeitern.

Um den 10. September herum sah es dann nach einem Happy End aus. Austrian Wings berichtete darüber, dass Joint Sky Services die AAS als Subunternehmer beauftragen wolle und die meisten Jobs bei AAS so erhalten bleiben. Die Joint Sky Services bestätigte das offiziell gegenüber der "Austria Presse Agentur" (APA). Die Meldung ging an die Medien und wurde auch vom ORF veröffentlicht. "Damit bleibt für die Passagemitarbeiter der AAS alles wie gehabt", schrieb Joint Sky Services mit Firmensitz in einer Wohnung in Eisenstadt laut der "APA". Dadurch könne man "einen friktionslosen Übergang der Rampendienstleistungen auf uns sicherstellen" und werde die AAS-Mitarbeiter "mit allen Rechten und Vordienstzeiten" übernehmen.

AAS-Mitarbeiter werden jetzt reihenweise gekündigt
Den Ankündigungen ließ Joint Sky Services (Firmenbuchnummer 672352d, Geschäftsführer Martin Stift und Florian Samsinger) allerdings keine Taten folgen. Bis heute warten die AAS-Mitarbeiter auf eine schriftliche Zusage, dass sie von der Joint Sky Services übernommen werden. Weil die nicht erfolgt ist, hat AAS mit der Kündigung der Belegschaft begonnen, wie sowohl die Betriebsratsvorsitzende von AAS als auch AAS-Chef Dieter R. Streuli persönlich gegenüber "Austrian Wings" bestätigten.

"Eine rechtsverbindliche Bestätigung von Joint Sky gegenüber AAS bzw. den einzelnen Mitarbeitenden über einen Betriebsübergang (AVRAG) mit Übernahme des bestehenden Personals liegt uns bislang leider nicht vor."
Dieter R. Streuli

Gleichzeitig betonte Streuli, dass es ihm wichtig sei, die Arbeitsplätze zu erhalten. Die bereits ausgesprochenen Kündigungen seien notwendig gewesen, um "arbeitsrechtliche Fristen" einzuhalten.

"Nach unserem derzeitigen Informationsstand können wir bestätigen, dass für die Arbeitnehmer nach wie vor keine schriftliche und verbindliche Zusage von Joint Sky Services über eine Übernahme der bestehenden Arbeitsverhältnisse vorliegt."
Die Betriebsratsvorsitzende von AAS in Österreich gegenüber unserer Redaktion

Die Betriebsratsvorsitzende bestätigte ausdrücklich, dass es schon zu Kündigungen bei der Belegschaft gekommen sei.

"Ebenso wurden mittlerweile erste Kündigungen durch AAS ausgesprochen. Weitere personelle Maßnahmen wurden angekündigt, wobei sich deren konkreter Umfang derzeit noch verändert."
Die Betriebsratsvorsitzende von AAS in Österreich auf "Austrian Wings" Anfrage 

Die von betroffenen AAS-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in zum Teil persönlichen Gesprächen wiederholt gegenüber "Austrian Wings" geäußerte Belastung durch die Situation konnte auch die Betriebsrätin bestätigen. Sie sagte: "Besonders belastend ist für die Belegschaft, dass bis zum bevorstehenden Wechsel mittlerweile weniger als ein Monat verbleibt und viele Mitarbeiter nach wie vor nicht wissen, ob und unter welchen Bedingungen es für sie weitergehen wird." Zur Erinnerung: Bereits mit 25. Oktober 2026 soll die Joint Sky Services die Abfertigung am Flughafen Wien von AAS übernehmen. Das ist in etwas mehr als 3 Wochen.

In Richtung Joint Sky Services äußerte die Betriebsratsvorsitzende klare Worte: "Für uns als Betriebsrat ist insbesondere problematisch, dass einerseits öffentlich von einer Übernahme von Mitarbeitern gesprochen wird, andererseits bislang keine verbindliche Klarheit darüber besteht, in welcher Form und zu welchen rechtlichen Bedingungen eine solche Übernahme tatsächlich erfolgen soll. Auch die Frage eines möglichen Betriebs- beziehungsweise Teilbetriebsübergangs ist aus unserer Sicht weiterhin nicht abschließend geklärt."

Das "Hauptaugenmerk" der Personalvertretung liege derzeit darauf, "die bestehenden Rechte und Ansprüche unserer Kollegen bestmöglich zu sichern und dafür Sorge zu tragen, dass in dieser weiterhin ungeklärten Situation keine Entscheidungen zulasten der Beschäftigten getroffen werden."

Bei bisherigen Wechseln im Bereich der Bodenabfertigung am Flughafen Wien war die Übernahme der Belegschaft stets völlig problemlos erfolgt und zeitgerecht klar kommuniziert worden. Das Austroport-Personal wechselte großteils zu Fraport. Die Fraport-Belegschaft wurde im Wesentlichen nahtlos von Celebi übernommen und die Celebi-Angestellten wiederum von der AAS. 

Die Probleme beim Wechsel Ende Oktober von AAS zu Joint Sky Services scheinen damit einzigartig zu sein und sie bescheren den AAS-Beschäftigten seit Monaten schlaflose Nächte und Existenzängste.

(red TT / MT / CvD)