Punktlandung –

Analyse: Warum von Bombendrohungen betroffene Flüge von Kampfjets eskortiert werden

In Bulgarien stiegen MiG 29 auf (Symbolbild) - Foto: Wolfgang Jarisch

Im Laufe des heutigen Tages sprachen unbekannte Täter Bombendrohungen gegen 20 Flüge aus, die im europäischen Luftraum unterwegs waren. Die Maschinen landeten so rasch wie möglich und wurden dabei in mehreren Fällen von Kampfjets begleitet. Warum das so ist, hat Patrick Huber / www.der-rasende-reporter.info für Austrian Wings recherchiert.

Gegen mindestens 20 Flüge verschiedener Airlines gingen am 5. November 2026 Bombendrohungen ein. Betroffen waren unter anderem die Gesellschaften Aer Lingus, Wizz Air, Finnair, Jettime, Ryanair oder LOT - Polish Airlines. Alle Flugzeuge konnten sicher landen (einige von ihnen auf dem Flughafen Wien Schwechat) und bei den anschließenden Durchsuchungen der Luftfahrzeuge durch behördliche Spezialkräfte wurden keine Explosivstoffe gefunden. Die staatlichen Strafverfolgungsinstitutionen ermitteln mit Hochdruck. Einige Experten vermuten eine koordinierte Aktion Russlands hinter den Drohungen. Sollte diese Annahme zutreffend sein, ließe sich das erstens nur schwer beweisen und zweitens wäre dann nicht mit Gerichtsprozessen gegen die tatsächlichen Verantwortlichen zu rechnen.

Warum aber steigen in einem solchen Fall routinemäßig Kampfjets auf, um die bedrohten Flüge bis zur Landung zu eskortieren? Das hat mehrere Gründe. Die Piloten der Kampfflugzeuge (klassische “Abfangjäger” im Sinne der ursprünglichen Definition gibt es schon lange nicht mehr; alle modernen “Abfangjäger” sind vielmehr Mehrzweckkampfflugzeuge - ein bedeutsamer Unterschied) sind Augenzeugen des Geschehens. Sie können mögliche Abweichungen von zugewiesenen Flugstrecken melden - zum Beispiel falls die Crew des Verkehrsflugzeuges keine Funkverbindung mehr hat oder sich abzeichnen sollte, dass sich ein Terrorist an Bord befindet, der womöglich wie bei 9/11, die Kontrolle übernommen hat. Als ultima ration steht der Politik dann auch der Abschuss des Passagierflugzeuges durch Kampfjets zur Verfügung. Als ein Islamist am 30. September dieses Jahres den Flug Fly Dubai 1073 in seine Gewalt gebracht hatte, um ihn in den Flughafen Ben Gurion stürzen zu lassen, waren in Israel bereits Kampfjets aufgestiegen, die die Boeing 737 gegebenenfalls auch in der Luft zerstört hätten, bevor der Terrorist seinen Plan hätte ausführen können. Doch zurück zu den aktuellen Vorkommnissen von heute.

 Wenn das eskortierte Passagierflugzeug beschädigt ist, können die begleitenden Kampfpiloten die Schäden inspizieren und die Besatzung mit Informationen versorgen. Das gilt auch - und insbesondere dann - wenn es tatsächlich zu einer Explosion an Bord gekommen sein sollte. Eine solche Detonation führt nämlich nicht zwangsläufig in allen Fällen zum Absturz eines Flugzeuges, wie mehrere Beispiele in der Geschichte der Luftfahrt zeigen - unter anderem der Fall einer Daallo Airlines Maschine im Jahr 2016. Zudem kann die Anwesenheit von Kampfflugzeugen auf die Crew und (besonnene) Passagiere auch einen beruhigenden psychologischen Effekt haben.

Und im absoluten “worst case” - einer Bombenexplosion mit anschließendem Absturz - können die eskortierenden Militärpiloten im Nachgang als Zeugen der Ereignisse womöglich wichtige Hinweise - zum Beispiel darauf, wo sich die Explosion ereignet hat (Passagierkabine, Frachtraum, vorderer oder hinterer Bereich, etc …) - auf die letzten Sekunden des abgestürzten Fluges liefern.

Überschallschnelle Militärflugzeuge sind - auch für Österreich - unverzichtbar
Die Entsendung von Kampfflugzeugen zur Eskorte von Flügen, gegen die eine Bombendrohung eingelangt ist, hat in jedem Fall ihre Berechtigung und ist ausgesprochen sinnvoll. Die Durchführung dieser Maßnahme ist jedoch nur dann möglich, wenn eine Nation dafür über Kampfflugzeuge mit Überschallfähigkeit verfügt, die im Alarmfall umgehend starten und das abzufangende Luftfahrzeug innerhalb weniger Minuten erreichen können. Zum Glück hat Österreich solche Flugzeuge - zwar nur 15 “technisch kastrierte” Eurofighter der Tranche 1 (für das technische Downgrade der Jets war der damalige SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos verantwortlich; ich empfehlen dazu die Artikelserie “Geht der Dornröschenschlaf des Eurofighters zu Ende?” von Martin Rosenkranz), aber das ist immer noch besser als nichts. Ginge es nämlich nach den Grünen, hätte Österreich überhaupt keine solchen Kampfjets. Die meinten nämlich allen Ernstes noch vor wenigen Jahren, dass es keinerlei aktive Komponente der Luftraumüberwachung für Österreich brauche - Radar alleine sei ausreichend, so die Grünen. Ihre dahingehende absolute Inkompetenz und Kurzsichtigkeit unterstrich die Grüne Ulrike Lunacek vollmundig und selbstbewusst mit ihren Ausführungen: “Die Luftraumüberwachung funktioniert durch zivile und militärische Radarüberwachung in Österreich gut. Wir brauchen keine Abfangjäger.” Ohne Worte.

In Österreich stiegen Eurofighter auf. Ginge es nach den Vorstellungen manch grüner Politiker, könnten Österreichs Fluglotsen in Fällen wie heute nur hilf- und tatenlos vor dem Radarschirm sitzen und zusehen. Denn dann hätte unser Land wahrscheinlich keine überschallfähigen Mehrzweckkampfflugzeuge - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Zum Glück gab und gibt es andere Politiker, die sich ihre Verantwortung gegenüber Österreich bewusst sind und auch über wesentlich mehr Fachkompetenz in dieser Frage verfügen als Ulrike Lunacek, die übrigens schon 2013 mit hanebüchenen Aussagen zum Konflikt ihre Syrien ihre offensichtliche Ahnungslosigkeit in militärischen Belangen unter Beweis gestellt hatte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, über die das Team von “Airpower.at” ausführlich berichtet hatte.

Text: Patrick Huber

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.