International

Britische Flugrettungssanitäter erhalten "Piloten-Crashkurs"

Ein Hubschrauber von Great North Air Ambulance, Symbolbild - Foto: GNAA

Beim britischen Great North Air Ambulance Service (GNAAS) wurden die Sanitäter in einem Schnellkurs mit diversen Piloten-Skills vertraut gemacht. Sie sollen nötigenfalls eingreifen können, käme es zur unwahrscheinlichen Situation eines Piloten-Ausfalls.

Während etwa in der britischen Metropole London von vornherein mit zwei Piloten geflogen wird, siehe hierzu auch unsere Reportage, gibt es bei GNAAS zwar ein Doppelsteuer in den Helikoptern vom Typ Eurocopter Dauphin AS365, an Bord befindet sich jedoch nur ein Pilot - so wie übrigens bei der Mehrzahl an Rettungshubschraubern weltweit.

Zum GNAAS-Hubschrauberteam gehören auch jeweils Arzt und Sanitäter. Letztere erhielten nun im Simulator einen Schnellkurs, der sie mit diversem fliegerischen Grundwissen vertraut machen soll. Tim West, einer der Flugrettungssanitäter, erklärt: "Sollte, aus welchem Grund auch immer, der Pilot einmal handlungsunfähig werden, können wir übernehmen und versuchen, eine weitgehend kontrollierte Crash-Landung durchzuführen." Gleichzeitig räumt er jedoch ein: "Wenngleich die Chancen dafür minimal ausfallen, kann es sich bezahlt machen, vorbereitet zu sein."

Ein Flugrettungssanitäter von Great North Air Ambulance beim Simulator-Training - Foto/Screenshot: GNAA via Social Media

Nicht zuletzt die zunehmende Anzahl an Drohnen stellt für die Rettungsflieger eine ernst zu nehmende Gefahr im Luftraum dar. Durchschlägt ein solches ferngesteuertes Fluggerät die Cockpitscheibe, könne dies einen Piloten im schlimmsten Fall außer Gefecht setzen, betont man bei GNAAS. Weitere Gründe, die einen Pilotenausfall verursachen könnten, seien etwa ein Kreislaufkollaps oder Schwächeanfall, skizziert Flugrettungssanitäter West mögliche Worst-Case-Szenarien.

Sein Kollege Jamie Walsh ergänzt, dass man einzelne Fortbildungstage stets zum Training neuer Verfahren und Methoden, sowohl im medizinischen als auch operativen Bereich, heranzieht: "Das Simulatortraining war eine gute Erfahrung, und ich war beeindruckt, wie realitätsgetreu sich der Simulator im Vergleich zum echten Helikopter verhält!"

In Pilotenkreisen fallen die Meinungen zu dieser Vorgehensweise tendenziell eher kritisch aus. Der Großteil hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass ein Sanitäter nach einer einfachen Kurzunterweisung im Simulator tatsächlich dazu in der Lage sein sollte, einen Helikopter sicher zu landen, wenn es zum Ausfall des Piloten kommen sollte. Andere hingegen finden, dass ein solches Training keinen Schaden anrichten kann, da im Ernstfall dann zumindest eine minimale Chance besteht, dass die Maschine nicht unkontrolliert abstürzt. Dennoch: gerade das sichere Landen zählt beim Hubschrauber zu den sensibelsten Fertigkeiten, die ein Pilot beherrschen muss.

Der Leiter der Austrian Wings Media Crew, Gerald Aigner, beim Selbstversuch im Bell 206 JetRanger Simulator - Foto: M. Schwarz

Austrian Wings hat den stellvertretenden Chefredakteur, Gerald Aigner, unter der Supervision eines Fluglehrers am Steuer eines Bell 206 JetRanger-Simulators Platz nehmen und typische Routine-Flugmanöver ausprobieren lassen. Sein Fazit: "Der richtige und kontrollierte Einsatz aller Steuerelemente - Pitch, Stick und Pedale - ist nichts, was man ohne intensives Training schnell einmal aus dem Ärmel schüttelt. Besonders bei Start und Landung ist das eine Herausforderung!"

(red Aig)