Punktlandung

Kommentar - Keine Evakuierung von Österreichern durch Bundesheer: "Gewöhnt Euch daran ..."

Archivaufnahme Hercules des Bundesheeres - Foto: Martin Rosenkranz

Weil verantwortungslose österreichische Politiker (hier ist vor allem die SPÖ zu nennen, aber auch die ÖVP) das Bundesheer über Jahrzehnte kaputt gespart haben, steht im aktuellen Ernstfall (Iran-Krieg) - wieder einmal - kein militärisches Transportflugzeug zur Verfügung, um Österreicher aus dem Krisengebiet Nahost zu evakuieren. Es ist ein weiteres Armutszeugnis für die Republik Österreich. Der Militärexperte Martin Rosenkranz hat für Austrian Wings einen Kommentar zu der Situation verfasst.

Das Bundesheer kann keine Transportflugzeuge für die Heimholung von Österreichern aus Krisengebieten aufbieten. Und wer jetzt überrascht ist, der muss sich fragen lassen, wo er denn war die letzten Jahrzehnte?

Die noch zwei Tranportmaschinen des Bundesheeres wurden 2002 gekauft. Es waren Stand damals drei Maschinen, je 34 Jahre alt. Heuer werden sie 58 Jahre alt. Gekostet hat das damals Herr und Frau Österreicher unfassbare 40 Millionen Euro.

Und Fakt ist, das war schon damals im Jahr 2002 unfassbares dritte Welt Niveau. Denn hier in Europa fliegt keine Airline ihre Passagiere mit so überaltertem Flottenmaterial.

Österreich hat sich bewusst und gewollt ein Bundesheer geleistet, dass den gesetzlichen Ansprüchen – das ist das was es laut Bundes-Verfassungsgesetz und Wehrgesetz leisten können soll – bei weitem nicht gerecht wurde.

Aktuell gibt es zwei Maschinen. Eine steht in Portugal in einem Millionen teuren Wartungsereignis. Das Bundesheer hätte sich das gerne erspart. Es ging sich halt nicht aus. Die Maschine muss noch einmal so rund zweieinhalb Jahre fliegen, bevor sie in den Ruhestand gehen kann. Und die eine noch verfügbare Maschine, die ist ausgelastet mit der Anschlussversorgung Österreichischer Soldaten im Auslandseinsatz. Und mehr Kapazität gibt es derzeit nicht. Punkt. Gewöhnt euch daran...

2027 bis 2029 kommen vier neue C-390. Und wenn sich genug junge Burschen und Mädchen finden, die im militärischen Alltag ihre Berufung finden mit Frachtflugzeugen zu fliegen und an diesen zu schrauben und die Republik Österreich auch dauerhaft das Geld für den Vollbetrieb lockermacht, dann wird mehr verfügbar sein. Die militärische Kapazität ein ganzes Netz und an zivilen Airlines und dessen Kapazitäten zu ersetzen wird es nie geben. Gewöhnt euch daran...

Bleiben wir beim Lufttransport. Das Bundesheer beschafft auch neue Hubschrauber. Es ist geradezu eine Flut was da kommt. Gepaart mit allen Herausforderungen die man sich nur vorstellen kann. Veraltete Infrastruktur, zu wenig Personal, eine permanent an der Auslastungsgrenze arbeitenden Luftfahrt- und Rüstungsindustrie. Nicht zu vergessen, die Qualitätsprobleme bei einem der weltgrößten Turbinenhersteller, die zumindest mittelbar durch Lieferprobleme Auswirkungen auf alles haben was fliegt oder fliegen soll, egal ob zivil oder militärisch. Und das noch länger. Schneller geht es nicht. Gewöhnt euch daran...

Zurück zur Hubschrauber-Flut. Die Bundesheer-Beschaffungen der letzten 50 Jahre. 1976: 12 x OH-58...fliegen noch. 1980: 24 x AB-212...fliegen noch. 22 Jahre nix. 2002: 9 x Black Hawk...werden noch lange fliegen. 21 Jahre nix. Seit 2023 Zulauf von 36 AW169 als Ersatz für die Alouette III (1967-2023) und die OH-58 (bis 2028). Und geplant bis 2031 werden noch weitere 15 bestellte Black Hawk eintreffen. Und wenn sich genug junge Burschen und Mädchen finden, die im militärischen Alltag ihre Berufung finden mit Hubschraubern zu fliegen und an diesen zu schrauben und die Republik Österreich auch dauerhaft das Geld für den Vollbetrieb lockermacht, dann wird wieder mehr verfügbar sein. Aktuell sind die Kapazitäten sehr überschaubar. Gewöhnt euch daran ...

Bleibt noch zu erwähnen, die allgemeine Sicherheitslage. In Europa und Global. Die ist in ein Wort zusammengefasst BESCHEIDEN. Die relativ stabilen Rahmenbedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg, resultierend aus den einigermaßen handlungsfähigen Vereinten Nationen, der Ost/West-Blockbildung und einer Vielzahl an Rüstungskontrollen und -beschränkungen gibt es nicht mehr. US-Präsident Trump entsendet seine Laufsteg-Model-Frau Melania, um eine Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen zu leiten. Selbst hat er sich mit dem Board of Peace eine Ansammlung von Autokraten, Diktatoren und sonstigen Machthabern geschaffen, die eher nicht demokratisch-rechtstaatlichen Werte hochhalten. Das kann laut Trumps Aussage „machen kann was immer es will“. Das Risikobild des Bundesheers geht davon aus, dass es absehbar nicht besser wird. Gewöhnt euch daran ...

Text & Foto: Martin Rosenkranz

Über den Autor
Luftfahrtexperte Martin Rosenkranz ist Gründer und Chefredakteur des Militärluftfahrtmagazins "Airpower.at" und hat sich in den vielen Jahren der Eurofighter-Ausschreibung, Beschaffung und den Nachwehen intensiv mit diesen Vorgängen beschäftigt. Er war auch im Untersuchungsausschuss live dabei und gilt als einer der international am besten informierten Experten auf diesem Gebiet. Aktuell schreibt er unter anderem für das Militärmagazin "Militär aktuell".

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.