95 Menschen befanden sich an Bord von Air France Flug 1611, als die Caravelle am 11. September 1968 von Korsica mit dem Ziel Nizza abhob. Aber ihre Destination erreichte die Caravelle (F-BOHB) nie. Sie stürzte vor der Côte d'Azur ins Meer, nachdem die Piloten ein Feuer an Bord gemeldet hatten. Die 6 Besatzungsmitglieder und 89 Passagiere starben. Von November 1968 bis April 1971 lief eine große Bergeaktion, bei der das Wrack eingehend fotografiert und teilweise an die Oberfläche gebracht wurde. Die offizielle Unfallursache wurde 1972 bekannt gegeben. Sie lautete, dass die Piloten die Kontrolle verloren hätten, nachdem in der hinteren Toilette ein Feuer ausgebrochen sei.
Doch schon früh kamen Vermutungen auf, das Passagierflugzeug könnte versehentlich von einer Rakete abgeschossen worden sein. Die Route führte nur wenige Kilometer an einem Raketen-Testgelände der französischen Armee vorbei. Beweisen ließ sich das allerdings nicht und blieb die offizielle Unglücksursache das Feuer in der Toilette.
Ab 2011 gab es dann mehrere Medienberichte, die das Thema eines möglichen Raketenabschusses erneut aufgriffen und durch Recherchen untermauerten. Nachweislich wurden nach dem Absturz Unterlagen (Logbücher von Militärschiffen) vernichtet. 2019 schaltete sich sogar der damalige französische Präsident Macron ein und schrieb an die Opferfamilien, dass er hoffe, dass bislang geheimgehaltene Unterlagen endlich freigegeben werden.
2024 bzw. 2025 wurde eine offizielle neue Untersuchung beschlossen, das Wrack wurde im Oktober 2025 unter Wasser lokalisiert. In Fachkreisen gilt es heute als sehr wahrscheinlich, dass Flug AF 1611 nicht durch ein Feuer, sondern durch einen Abschuss zum Absturz gebracht wurde.
Der Fall weist damit einige Parallelen zu Malev 240 auf. Die Tupolev 154 der ungarischen Staatsairline verschwand im September 1975 kurz vor der Landung in Beirut. Das Wrack wurde nie geborgen, ein Abschuss durch eine am libanesischen Bürgerkrieg beteiligte Partei gilt als so gut wie sicher. Austrian Wings Stammautor Patrick Huber hat (siehe Links oberhalb) dazu ein medial viel beachtetes Buch verfasst, das auf Deutsch und Englisch erschienen ist.
(red TT, CvD)