Reportagen

Fotoreporage: Die Jäger der letzten Boeing 707

Eine 707 sieht man nicht alle Tage - ob sie wiederkommt, das ist die große Frage ... - alle Fotos: www.der-rasende-reporter.info

Einst revolutionierte die Boeing 707 den Flugverkehr wie kaum ein anderes Flugzeug. Sie war der Aufbruch ins Jet-Zeitalter und über viele Jahrzehnte dominierte der elegante Vierstrahler den weltweiten Flugverkehr. Ab 1969 flog sogar die AUA ein Exemplar, wenig später ging die private österreichische Montana Austria (siehe auch mein Buch "Montana Austria: Österreichs vergessener Langstrecken-Pionier) mit drei 707 an den Start. Heute ist dieses ikonische Flugzeug beinahe vom Himmel verschwunden. Nur noch wenige Exemplare fliegen als Militärmaschinen. Wo immer sie auftauchen, versammeln sich besonders enthusiastische Planespotter. Sie sind die Jäger der letzten Boeing 707.

Mit bis zu 9 Exemplaren sind die israelischen Verteidigungskräfte heute wohl der weltweit größte Betreiber der "klassischen" Boeing 707, sieht man von der ebenfalls auf der 707 basierenden US-Tankerflotte (KC-135) und den E-3 Sentry (AWACS) der NATO einmal ab. Wie viele der israelischen Boeing 707 (allesamt Maschinen der Baureihe -300, ausgestattet mit JT3D-Triebwerken) tatsächlich flugklar sind, ist unbekannt. Ihre Tage sind jedenfalls gezählt, denn der Ersatz in Form der Boeing KC-46A (basiert auf der Boeing 767-200) befindet sich bereits im Zulauf. Israel nutzt seine Boeing 707 vielfältig und es sind die letzten strahlgetriebenen Flugzeuge in Israel auf denen noch ein Flugingenieur benötigt wird - ein mittlerweile beinahe ausgestorbener Berufsstand. Die Flugzeuge kommen für Fracht- und Mannschaftstransporte (wobei in Israel auch für Frauen eine Wehrpflicht gilt - absolute Gleichberechtigung bei Rechten und Pflichten) sowie als Tanker zum Einsatz. In der jüngeren Vergangenheit besuchten immer wieder 707 der israelischen Luftwaffe die slowakische Hauptstadt - siehe dazu auch mein Buch "Besuch einer Luftfahrt-Ikone - Israelische Boeing 707 in Pressburg/Bratislava", ISBN 9783565533862, das grundsätzlich über jede Buchhandlung in Österreich und Deutschland bezogen werden kann. Online kann man es (unverbindlicher Hinweis, keine bezahlte Werbung) unter anderem hier (Österreich) oder hier (Deutschland) rasch bestellen.

Das Buch "Besuch einer Luftfahrt-Ikone - Israelische Boeing 707 in Pressburg/Bratislava" gibt spannende Einblicke in die Historie der israelischen Boeing 707 - zivil und militärisch.

Kürzlich war es wieder soweit. Die Boeing 707-300C mit der militärischen Kennung "272" (diese Maschine war unter anderem 2024 schon einmal auf dem Airport der slowakischen Hauptstadt zu Besuch) verließ Israel und nahm Kurs auf die Slowakei. Sie ist mittlerweile mehr als 51 Jahre alt und wurde 1996 gebraucht von den israelischen Verteidigungskräften beschafft.

Die Nachricht vom bevorstehenden Besuch der 707 verbreitete sich in Windeseile innerhalb der europäischen Planespotter-Szene. Nicht nur die slowakische Community pilgerte in Scharen zum Stefanik-Airport in der slowakischen Hauptstadt Pressburg/Bratislava, nein auch Fotografen und Luftfahrtfans - darunter viele junge Menschen - aus Österreich, Ungarn und sogar Deutschland setzten sich in ihre Autos oder auf ihre Motorräder/Motorroller und fuhren nach Pressburg/Bratislava. Denn eine Boeing 707 im Jahr 2026 in "freier Wildbahn" zu sehen und zu hören (der Sound der originalen Pratt & Whitney JT3D ist ein Genuss für jeden wahrhaften Luftfahrt-Aficionado) ist fast wie ein Sechser im Lotto. Der Flughafen Stefanik ist besonders spotterfreundlich. Es gibt Fotolöcher im Zaun, man kann und darf - anders als in Wien - mit dem eigenen Fahrzeug direkt bis zum Zaun fahren und sogar eine eigene Spotterplattform mit Sitzgelegenheit und Mülleimern ist vorhanden. Vorbildlich.

Keine Sorge, hier brennt nichts. Die 707 raucht immer so. Nur ist man diesen Anblick von den heutigen, besonders umweltfreundlichen, Verkehrsflugzeugen einfach nicht mehr gewohnt.

Und so standen an diesem Tag gegen 14 Uhr Dutzende Fotografen an verschiedenen Stellen des Flughafenzauns positioniert und schauten in den Himmel.

Der Anflug erfolgte auf die Piste 22.

Rauch am Himmel
"There she is, smoke!", erschallte der erste Ruf um 14:10 Uhr. Tatsächlich, in der Ferne - man sah noch kein Flugzeug - waren schwarze Rauchwolken am blauen Himmel zu sehen. Dies war ein untrügbares Zeichen, das die bevorstehende Ankunft der ikonischen 707 ankündigte. Etwa 30 bis 40 Sekunden später war dann auch ihre Silhouette zu erkennen - unverändert elegant, seit Jahrzehnten. Majestätisch schwebte die Maschine ein und setzte auf der Piste 22 des Stefanik-Flughafens auf. Kameras klickten.  

Nach der Landung aktivierte die Cockpitbesatzung die Schubumkehr (Reverser), wie auf dieser Aufnahme gut zu erkennen ist.
Im Hintergrund ein A321neo der Wizz Air.

Die Schubumkehr der vier JT3D-Triebwerke heulten auf. Grinsen in den Gesichtern der Spotter. Oder, wie es ein österreichischer Fotograf in einem Online-Forum ausdrückte: Es war ein wahrer OHRgasmus für die Fliegerfans. Dann verließ die 707 die Piste und rollte zu ihrer Parkposition. Aufgrund der restriktiven Migrationspolitik der Slowakei gibt es im Land fast keinen Antisemitismus und auch die Bedrohung durch islamistischen Terror ist - ganz anders als in Österreich - gleich Null. Die Slowakei gilt deshalb nach wie vor - ganz anders als Österreich - als sicheres Land für Juden und Israelis. Das merkt man auch bei den Besuchen der israelischen Boeing 707. Keine Polizeihubschrauber, die um den Airport kreisen, keine schwer bewaffneten Polizisten, kein privates Sicherheitspersonal, das Spotter drangsaliert oder kontrolliert. Es ist stets tiefenentspannt, man kann sogar aus nächster Nähe durch/über den Flughafenzaun "Close-ups" von der 707 machen - ohne von Polizei oder Sicherheitskräften behelligt zu werden. Denn die Israelis wissen: Hier, in der Slowakei, sind sie sicher. Während in Österreich und Deutschland seit dem 7. Oktober 2023, jenem Tag an dem die Hamas einen Völkermord an Israelis versuchte, die Zahl der antisemitischen Straftaten förmlich explodiert ist und die Täter häufig Migrationshintergrund haben und/oder aus islamisch geprägten Ländern stammen, gab/gibt es in der Slowakei nichts dergleichen. Folglich sind auch die Sicherheitskräfte sehr relaxed, wenn israelische Maschinen landen - sogar wenn es sich um militärische Luftfahrzeuge handelt. 

Was für ein Anblick - er lässt Spotterherzen (natürlich sind die Damen hier mitgemeint) höher schlagen.
Klassisch und zeitlos elegant.
Das JT3D wurde von Pratt & Whitney 1958 entwickelt. Mehr als 8.000 Exemplare dieses Turbojet-Triebwerks wurden produziert.
Das Hauptfahrwerk mit geöffneten Fahrwerksschachtklappen.

Nachdem die Maschine ihre Parkposition erreicht hatte, geschah erst einmal - nichts. Die geplante Abflugzeit von 16 Uhr verstrich und die 707 stand immer noch auf ihrer Parkposition. Die Luftfahrtfans sahen immer wieder durch ihre Teleobjektive und Feldstecher. Doch es sah so gar nicht nach einem baldigen Start aus. Dann, es war schon 17 Uhr vorbei, wurde die Frachtluke endlich geschlossen. Wenig später rief einer der Spotter: "She's moving!". Die 707 setzte sich in Bewegung und rollte zur Piste 13.

Erst nach 17 Uhr setzte sich die 707 wieder in Bewegung.
Ganze Familien waren zum BTS gepilgert, um einmal eine 707 zu sehen.
Line up RWY 13.
Take off power set!

Einige der Spotter erbaten sich freundlich Ruhe, weil sie filmen wollten. Als die vier Triebwerke der 707 aufheulten und sie gegen 17:27 Uhr ihren Startlauf auf der Piste 13 begann, hätte man eine Stecknadel fallen gehört.

Rotate!
Vergleicht man den (sichtbaren) Schadstoffausstoß der Boeing 707 mit dem moderner Verkehrsflugzeuge, so wird auch für den Laien auf den ersten Blick deutlich wie umweltfreundlich zeitgemäße Triebwerke im Vergleich zu den Antrieben aus dem Beginn des Jet-Zeitalters sind.

Jedenfalls so lange bis das Klicken der Kameras einsetzte. Um 17:28 Uhr hob sich zuerst das Bugrad von der Piste, Sekunden später war die 707 in der Luft. Das Fahrwerk wurde eingefahren und regelrecht "aufgehängt" an ihren vier Abgasstrahlen stieg sie in den strahlend blauen Himmel über der slowakischen Hauptstadt ...

Text & Fotos: Patrick Huber