Mit bis zu 9 Exemplaren sind die israelischen Verteidigungskräfte heute wohl der weltweit größte Betreiber der "klassischen" Boeing 707, sieht man von der ebenfalls auf der 707 basierenden US-Tankerflotte (KC-135) und den E-3 Sentry (AWACS) der NATO einmal ab. Wie viele der israelischen Boeing 707 (allesamt Maschinen der Baureihe -300, ausgestattet mit JT3D-Triebwerken) tatsächlich flugklar sind, ist unbekannt. Ihre Tage sind jedenfalls gezählt, denn der Ersatz in Form der Boeing KC-46A (basiert auf der Boeing 767-200) befindet sich bereits im Zulauf. Israel nutzt seine Boeing 707 vielfältig und es sind die letzten strahlgetriebenen Flugzeuge in Israel auf denen noch ein Flugingenieur benötigt wird - ein mittlerweile beinahe ausgestorbener Berufsstand. Die Flugzeuge kommen für Fracht- und Mannschaftstransporte (wobei in Israel auch für Frauen eine Wehrpflicht gilt - absolute Gleichberechtigung bei Rechten und Pflichten) sowie als Tanker zum Einsatz. In der jüngeren Vergangenheit besuchten immer wieder 707 der israelischen Luftwaffe die slowakische Hauptstadt - siehe dazu auch mein Buch "Besuch einer Luftfahrt-Ikone - Israelische Boeing 707 in Pressburg/Bratislava", ISBN 9783565533862, das grundsätzlich über jede Buchhandlung in Österreich und Deutschland bezogen werden kann. Online kann man es (unverbindlicher Hinweis, keine bezahlte Werbung) unter anderem hier (Österreich) oder hier (Deutschland) rasch bestellen.

Kürzlich war es wieder soweit. Die Boeing 707-300C mit der militärischen Kennung "272" (diese Maschine war unter anderem 2024 schon einmal auf dem Airport der slowakischen Hauptstadt zu Besuch) verließ Israel und nahm Kurs auf die Slowakei. Sie ist mittlerweile mehr als 51 Jahre alt und wurde 1996 gebraucht von den israelischen Verteidigungskräften beschafft.
Die Nachricht vom bevorstehenden Besuch der 707 verbreitete sich in Windeseile innerhalb der europäischen Planespotter-Szene. Nicht nur die slowakische Community pilgerte in Scharen zum Stefanik-Airport in der slowakischen Hauptstadt Pressburg/Bratislava, nein auch Fotografen und Luftfahrtfans - darunter viele junge Menschen - aus Österreich, Ungarn und sogar Deutschland setzten sich in ihre Autos oder auf ihre Motorräder/Motorroller und fuhren nach Pressburg/Bratislava. Denn eine Boeing 707 im Jahr 2026 in "freier Wildbahn" zu sehen und zu hören (der Sound der originalen Pratt & Whitney JT3D ist ein Genuss für jeden wahrhaften Luftfahrt-Aficionado) ist fast wie ein Sechser im Lotto. Der Flughafen Stefanik ist besonders spotterfreundlich. Es gibt Fotolöcher im Zaun, man kann und darf - anders als in Wien - mit dem eigenen Fahrzeug direkt bis zum Zaun fahren und sogar eine eigene Spotterplattform mit Sitzgelegenheit und Mülleimern ist vorhanden. Vorbildlich.

Und so standen an diesem Tag gegen 14 Uhr Dutzende Fotografen an verschiedenen Stellen des Flughafenzauns positioniert und schauten in den Himmel.

Rauch am Himmel
"There she is, smoke!", erschallte der erste Ruf um 14:10 Uhr. Tatsächlich, in der Ferne - man sah noch kein Flugzeug - waren schwarze Rauchwolken am blauen Himmel zu sehen. Dies war ein untrügbares Zeichen, das die bevorstehende Ankunft der ikonischen 707 ankündigte. Etwa 30 bis 40 Sekunden später war dann auch ihre Silhouette zu erkennen - unverändert elegant, seit Jahrzehnten. Majestätisch schwebte die Maschine ein und setzte auf der Piste 22 des Stefanik-Flughafens auf. Kameras klickten.




Die Schubumkehr der vier JT3D-Triebwerke heulten auf. Grinsen in den Gesichtern der Spotter. Oder, wie es ein österreichischer Fotograf in einem Online-Forum ausdrückte: Es war ein wahrer OHRgasmus für die Fliegerfans. Dann verließ die 707 die Piste und rollte zu ihrer Parkposition. Aufgrund der restriktiven Migrationspolitik der Slowakei gibt es im Land fast keinen Antisemitismus und auch die Bedrohung durch islamistischen Terror ist - ganz anders als in Österreich - gleich Null. Die Slowakei gilt deshalb nach wie vor - ganz anders als Österreich - als sicheres Land für Juden und Israelis. Das merkt man auch bei den Besuchen der israelischen Boeing 707. Keine Polizeihubschrauber, die um den Airport kreisen, keine schwer bewaffneten Polizisten, kein privates Sicherheitspersonal, das Spotter drangsaliert oder kontrolliert. Es ist stets tiefenentspannt, man kann sogar aus nächster Nähe durch/über den Flughafenzaun "Close-ups" von der 707 machen - ohne von Polizei oder Sicherheitskräften behelligt zu werden. Denn die Israelis wissen: Hier, in der Slowakei, sind sie sicher. Während in Österreich und Deutschland seit dem 7. Oktober 2023, jenem Tag an dem die Hamas einen Völkermord an Israelis versuchte, die Zahl der antisemitischen Straftaten förmlich explodiert ist und die Täter häufig Migrationshintergrund haben und/oder aus islamisch geprägten Ländern stammen, gab/gibt es in der Slowakei nichts dergleichen. Folglich sind auch die Sicherheitskräfte sehr relaxed, wenn israelische Maschinen landen - sogar wenn es sich um militärische Luftfahrzeuge handelt.





Nachdem die Maschine ihre Parkposition erreicht hatte, geschah erst einmal - nichts. Die geplante Abflugzeit von 16 Uhr verstrich und die 707 stand immer noch auf ihrer Parkposition. Die Luftfahrtfans sahen immer wieder durch ihre Teleobjektive und Feldstecher. Doch es sah so gar nicht nach einem baldigen Start aus. Dann, es war schon 17 Uhr vorbei, wurde die Frachtluke endlich geschlossen. Wenig später rief einer der Spotter: "She's moving!". Die 707 setzte sich in Bewegung und rollte zur Piste 13.





Einige der Spotter erbaten sich freundlich Ruhe, weil sie filmen wollten. Als die vier Triebwerke der 707 aufheulten und sie gegen 17:27 Uhr ihren Startlauf auf der Piste 13 begann, hätte man eine Stecknadel fallen gehört.















Jedenfalls so lange bis das Klicken der Kameras einsetzte. Um 17:28 Uhr hob sich zuerst das Bugrad von der Piste, Sekunden später war die 707 in der Luft. Das Fahrwerk wurde eingefahren und regelrecht "aufgehängt" an ihren vier Abgasstrahlen stieg sie in den strahlend blauen Himmel über der slowakischen Hauptstadt ...
Text & Fotos: Patrick Huber