Der Airbus A310 war der kleine Bruder des Airbus A300. Der Typ hob 1982 erstmals ab. Auf das Basismodell A310-200 (niedrigeres Startgewicht, geringere Reichweite, keine Winglets) folgte bald der A310-300, der zum Standardmodell wurde. Die AUA beschaffte ab 1988 insgesamt vier Maschinen (drei A310-324, einen A310-325) und stieg damit ins Langstreckengeschäft ein. Bis zum Jahr 1988 verließen insgesamt 255 Airbus A310 die Produktionsstätten. Die AUA musterte ihren letzten A310 im Jahr 2000 aus - zum Abschied gab's eine Draken-Eskorte.
Die letzte Maschine wurde im Juni 1988 an Uzbekistan Airways ausgeliefert. Ab Beginn der 2000er Jahre verschwand der A310 zunehmend aus dem Passagierverkehr. Er wurde primär durch den größeren und wirtschaftlicheren A330 abgelöst, der bereits über das volldigitale Fly by Wire System des A320 samt Sidestick-Steuerung verfügte. Etliche A310 (auch der Baureihe -200) wurden schließlich nach ihrer Zeit als Passagiermaschinen zu Frachtflugzeugen umgerüstet beziehungsweise dienten später dann als Militär- und Regierungsflugzeuge, unter anderem in Deutschland. Anfang des vergangenen Jahres gab es weltweit nur noch 11 Betreiber des A310, die das Modell A310-300 einsetzen: Al-Atheer Aviation in Saudi Arabien (1), die afghanische Ariana Afghan Airlines (3), die iranischen Fluglinien Ava Airlines (1), Iran Air (1), Iran Air Tour (4) und Yazd Airways (2), die spanische Luftwaffe (2), die kanadische Luftwaffe (4), Novespace in Frankreich (1), die Parabelflüge für wissenschaftliche Zwecke und zahlungskräftige Privatkunden durchführt, sowie die türkische ULS Cargo (3). Vom A310-200 fliegt dagegen kein einziges Exemplar mehr. Die letzte Passagiermaschine dieses Typs wurde 2012 außer Betrieb genommen, der letzte Frachter im Jahr 2016.
Einer der drei A310-300 von ULS Cargo kam am vergangenen Samstag für Turkish AIrlines auf einer abendlichen Frachtrotation nach Wien zum Einsatz. Kurz vor 17:30 schwebte der seltene Besucher elegant in der schönsten Abendsonne auf die Piste 34 ein. Das Flugzeug mit der Kennung TC-VEL wurde im Jahr 1992 als Passagierflugzeug an die russische Aeroflot ausgeliefert und trug dort die Registrierung F-OGQT. Aeroflot setzte die Maschine auch nach Wien ein, wie diese Aufnahme aus dem Jahr 2003 belegt.
Im Jahr 2005 stellte Aeroflot diesen A310 außer Dienst und verkaufte ihn an Emirates Sky Cargo. Von März 2005 bis Jänner 2006 erfolgte bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden die Umrüstung zum Frachtflugzeug. Die markantesten Modifikationen waren der Einbau einer großen seitlichen Frachtluke auf der linken Rumpfseite sowie der Austausch der Fenster gegen Metallblenden.
Ab 2006 flog das Flugzeug dann unter der Kennung A6-EFC für die Frachttochter von Emirates. Auch dabei kam sie nach Wien, wie eine Aufnahme des Planespotters Andreas Lötsch vom April 2008 zeigt.
Drei Jahre später, 2009, trennte sich Emirates von dem Frachter und verkaufte ihn an die türkische Kuzu Airlines Cargo, die sich noch im gleichen Jahr in ULS Cargo umbenannte.






Übrigens, das Muster A310-300 war auch der unfreiwillige Protagonist eines aufsehenerregenden Flugunfalls im Jahr 2000 - wegen Treibstoffmangels erfolgte damals eine Bruchlandung eines A310 von Hapag Lloyd in Wien. Aber das ist eine andere Geschichte, die unter anderem hier nachzulesen ist.
Text & Fotos: Patrick Huber