Benno Beran und Franz List - zwei wie Pech und Schwefel, hochkompetente Piloten sowie Instruktoren mit einer Flugstundenanzahl, dass einem schwindlig werden kann. Sie sind Lebensfreunde. Herzliche Menschen. Technikbegeistert. Vor allem aber Flieger aus Leidenschaft. Im Alter von 16 Jahren wurde der Grundstein für diese mehr als produktive Lebensfreundschaft gelegt, als beide am legendären Flugplatz Spitzerberg ihre Segelflugausbildung absolvierten. Beran machte zu dieser Zeit gerade bei der AUA eine Lehre zum Flugzeugmechaniker, List besuchte eine Handelsakademie.





Doch beide Männer wollten hoch hinaus und so erweiterten sie unabhängig voneinander sukzessive ihre Piloten-Lizenzen - Franz List auf dem ikonischen Flugplatz Aspern (LOWA), der 1977 geschlossen wurde und auf dessen Areal später die Seestadt Aspern errichtet wurde, Benno Beran weiter auf dem Spitzerberg. Beruflich trafen sie sich zufällig wieder als sie 1980 gemeinsam das Type-Rating für die Swearingen Metro (SW-4) bei Austrian Air Service (AAS, formal Österreichische Inlandsflugdienst GmbH), der damaligen Regionalflugtochter von Austrian Airlines, erwarben. Was folgte, war eine berufliche Bilderbuchkarriere, die Jahrzehnte später auf der Fokker 70/100 von Austrian endete. Seither fliegen die zwei Himmelsstürmer ausschließlich privat.





Abseits der "großen" Fliegerei begeisterten sich List und Beran aber immer schon für klassische, kleine Flugzeuge - gerne auch historische Maschinen. Der Wunsch, in diesem Bereich etwas Bleibendes zu schaffen, wuchs unaufhaltsam in den beiden. Es sollte darum gehen, lebendige Luftfahrtgeschichte zu bewahren, ein Museum zu schaffen, das auch flugfähige Maschinen unterhält. Sie tüftelten, erarbeiteten Konzepte, entwarfen ein Logo - und 1996 wurde schließlich das Austrian Aviation Museum, kurz AAM, offiziell als Verein geboren.
Erste "Homebase" war eine denkmalgeschützte Generatorhalle der Brauerei Schwechat. Dort wurde die bestehende kleine Sammlung im stilvollen Ambiente den interessierten Besuchern gezeigt, während gleichzeitig mit den Arbeiten begonnen wurde, um eine Boeing Stearman wieder in einen flugfähigen Zustand zu restaurieren. Als sich (vermeintlich, denn in der Luftfahrt kommt es bekannterweise immer anders als man denkt) abzeichnete, dass die erste Maschine bald so weit sein würde, wurde ein Flugplatz als neuer Standort gesucht. Denn vom Brauerei-Gelände aus war kein Flugbetrieb möglich und der nahe internationale Airport Schwechat kam aus verständlichen Gründen nicht in Frage.
Dank einiger glücklicher Umstände fiel die Wahl schließlich auf den Flugplatz Bad Vöslau. Dort konnte sich der Verein in einen alten Bunkerhangar einmieten, in dem während des Zweiten Weltkrieges die Bordkanonen von Jagdflugzeugen des Typs Me-109 eingeschossen wurden. Sukzessive wurde die gesamte Sammlung von Schwechat nach Bad Vöslau übersiedelt und der Standort Schwechat aufgegeben. Eine Mammutaufgabe, die von den Vereinsmitgliedern mit viel Herzblut und persönlichem Einsatz bewältigt wurde. Fotografisch begleitet auch Anton Wildberger, "The Flying Photographer" das AAM seit vielen Jahrzehnten. Er ist gewissermaßen der Bildchronist des AAM.





Als erstes Flugzeug brachte das AAM allerdings nicht - wie Anfang der 2000er Jahre noch geplant - seine Boeing Stearman in die Luft, sondern eine Piper Cub, mit der - wie könnte es anders sein - passenden Kennung OE-CUB. Das war 2015. Parallel liefen die Arbeiten an der Stearman weiter und 2016 - rechtzeitig zum 20. Jubiläum - wurde eine zweite Boeing Stearman beschafft, die schon flugfähig war. Diese Maschine fliegt seither unter dem Kennzeichen OE-CBM und ist einer der Stars auf der jährlichen Airshow am Flugsportzentrum Spitzerberg.
Kurz vor dem 30. Geburtstag konnte dann die ursprünglich erste Boeing Stearman nach gut 20 Jahren fertig restauriert und in die Luft gebracht werden. Sie steht mittlerweile im Eigentum von Andreas Doblhoff-Dier, einem erfahrenen Oldtimer-Piloten und Instruktor (er flog u. a. anlässlich "100 Jahre Segelflug in Stockerau" jenen SG 38, der aktuell an der an der Decke des AAM-Museumshangars hängt), der Mitglied des AAM ist. Ihr Kennzeichen: OE-ABS, Insider sagen scherzhaft, das stehe für "A Boeing Stearman" oder "Andreas Boeing Stearman" ...





Die Super Cub (OE-CUB) dagegen befindet sich seit einiger Zeit in einer Art Grundüberholung, wird völlig neu aufgebaut und soll danach wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen. Zusätzlich laufen die Arbeiten, eine North American T-6 Texan, ein einmotoriges US-Trainingsflugzeug (gebaut von 1939 bis 1944) wieder in die Luft zu bekommen. Langweilig wird dem Team um Franz List und Benno Beran damit ganz bestimmt nicht.
Am Samstag wurde aber erst einmal das 30-jährige Bestehen zünftig mit einem Oldtimer Fly-In und einer herrlichen Torte gefeiert. Der Autor gratuliert zum runden Jubiläum. Auf die nächsten 30 Jahre AAM!
Weitere Fotoimpressionen











































Text & Fotos: Patrick Huber