Reportagen

Fotoreportage: Oldtimer Fly-In anlässlich 30 Jahre Austrian Aviation Museum

Zwei Boeing Stearman, eine Bücker Jungmann sowie mehrere weitere klassische Flugzeuge und auch Fahrzeuge säumten am Samstag das Vorfeld des Flugplatzes Bad Vöslau - alle Fotos: www.der-rasende-reporter.info (bitte beachten Sie, dass die Aufnahmen urheberrechtlich geschützt sind und ausschließlich mit schriftlicher Erlaubnis des Fotografen genutzt werden dürfen)

Im Rahmen echter Fliegerkameradschaft wurde am Samstag (22. August 2026) auf dem Flugplatz Bad Vöslau gefeiert. Der Anlass: Vor 30 Jahren riefen die beiden Lebensfreunde und leidenschaftlichen Flieger Benno Beran und Franz List das Austrian Aviation Museum ins Leben, das seit 2016 auf dem Flugplatz Bad Vöslau ansässig ist. Zum Jubiläum gab's ein Oldtimer Fly-In und Museumshangarführungen. Eine Fotoreportage von Patrick Huber / www.der-rasende-reporter.info für Austrian Wings.

Benno Beran und Franz List - zwei wie Pech und Schwefel, hochkompetente Piloten sowie Instruktoren mit einer Flugstundenanzahl, dass einem schwindlig werden kann. Sie sind Lebensfreunde. Herzliche Menschen. Technikbegeistert. Vor allem aber Flieger aus Leidenschaft. Im Alter von 16 Jahren wurde der Grundstein für diese mehr als produktive Lebensfreundschaft gelegt, als beide am legendären Flugplatz Spitzerberg ihre Segelflugausbildung absolvierten. Beran machte zu dieser Zeit gerade bei der AUA eine Lehre zum Flugzeugmechaniker, List besuchte eine Handelsakademie.

Interessierte Besucher konnten die Flugzeuge aus nächster Nähe bestaunen -fachkundige Erklärung durch die AAM-Crew selbstverständlich inklusive.
Die Steen Skybolt ist ein kunstflugtauglicher Doppeldecker aus den 1970er Jahren.
"Rasende" (humorvoll, nicht wörtlich gemeint) AAM-Mitarbeiter im Einsatz.
Classic meets Classic ...
Bücker Jungmann, OE-AKD.

Doch beide Männer wollten hoch hinaus und so erweiterten sie unabhängig voneinander sukzessive ihre Piloten-Lizenzen - Franz List auf dem ikonischen Flugplatz Aspern (LOWA), der 1977 geschlossen wurde und auf dessen Areal später die Seestadt Aspern errichtet wurde, Benno Beran weiter auf dem Spitzerberg. Beruflich trafen sie sich zufällig wieder als sie 1980 gemeinsam das Type-Rating für die Swearingen Metro (SW-4) bei Austrian Air Service (AAS, formal Österreichische Inlandsflugdienst GmbH), der damaligen Regionalflugtochter von Austrian Airlines, erwarben. Was folgte, war eine berufliche Bilderbuchkarriere, die Jahrzehnte später auf der Fokker 70/100 von Austrian endete. Seither fliegen die zwei Himmelsstürmer ausschließlich privat.

Flugkapitän, Instruktor, DJ, Fotograf, mehrfacher Buchautor - auch die lebende Luftfahrtlegende Gerhard Gruber war nach Bad Vöslau gekommen.
Auf dem Flugplatz Bad Vöslau wurde österreichische Geschichte geschrieben. Von hier startete 1955 die österreichische Delegation nach Moskau, um die Staatsvertragsverhandlungen zu führen.

Abseits der "großen" Fliegerei begeisterten sich List und Beran aber immer schon für klassische, kleine Flugzeuge - gerne auch historische Maschinen. Der Wunsch, in diesem Bereich etwas Bleibendes zu schaffen, wuchs unaufhaltsam in den beiden. Es sollte darum gehen, lebendige Luftfahrtgeschichte zu bewahren, ein Museum zu schaffen, das auch flugfähige Maschinen unterhält. Sie tüftelten, erarbeiteten Konzepte, entwarfen ein Logo - und 1996 wurde schließlich das Austrian Aviation Museum, kurz AAM, offiziell als Verein geboren.

Erste "Homebase" war eine denkmalgeschützte Generatorhalle der Brauerei Schwechat. Dort wurde die bestehende kleine Sammlung im stilvollen Ambiente den interessierten Besuchern gezeigt, während gleichzeitig mit den Arbeiten begonnen wurde, um eine Boeing Stearman wieder in einen flugfähigen Zustand zu restaurieren. Als sich (vermeintlich, denn in der Luftfahrt kommt es bekannterweise immer anders als man denkt) abzeichnete, dass die erste Maschine bald so weit sein würde, wurde ein Flugplatz als neuer Standort gesucht. Denn vom Brauerei-Gelände aus war kein Flugbetrieb möglich und der nahe internationale Airport Schwechat kam aus verständlichen Gründen nicht in Frage.

Dank einiger glücklicher Umstände fiel die Wahl schließlich auf den Flugplatz Bad Vöslau. Dort konnte sich der Verein in einen alten Bunkerhangar einmieten, in dem während des Zweiten Weltkrieges die Bordkanonen von Jagdflugzeugen des Typs Me-109 eingeschossen wurden. Sukzessive wurde die gesamte Sammlung von Schwechat nach Bad Vöslau übersiedelt und der Standort Schwechat aufgegeben. Eine Mammutaufgabe, die von den Vereinsmitgliedern mit viel Herzblut und persönlichem Einsatz bewältigt wurde. Fotografisch begleitet auch Anton Wildberger, "The Flying Photographer" das AAM seit vielen Jahrzehnten. Er ist gewissermaßen der Bildchronist des AAM.

Die Piper Super Cub OE-APE war vom Flugplatz Wiener Neustadt West (LOXN) angereist.
Was für eine Flightline ...
Cockpit der Boeing Stearman OE-CBM. Mehr braucht es eigentlich nicht ...

Als erstes Flugzeug brachte das AAM allerdings nicht - wie Anfang der 2000er Jahre noch geplant - seine Boeing Stearman in die Luft, sondern eine Piper Cub, mit der - wie könnte es anders sein - passenden Kennung OE-CUB. Das war 2015. Parallel liefen die Arbeiten an der Stearman weiter und 2016 - rechtzeitig zum 20. Jubiläum - wurde eine zweite Boeing Stearman beschafft, die schon flugfähig war. Diese Maschine fliegt seither unter dem Kennzeichen OE-CBM und ist einer der Stars auf der jährlichen Airshow am Flugsportzentrum Spitzerberg.

Kurz vor dem 30. Geburtstag konnte dann die ursprünglich erste Boeing Stearman nach gut 20 Jahren fertig restauriert und in die Luft gebracht werden. Sie steht mittlerweile im Eigentum von Andreas Doblhoff-Dier, einem erfahrenen Oldtimer-Piloten und Instruktor (er flog u. a. anlässlich "100 Jahre Segelflug in Stockerau" jenen SG 38, der aktuell an der an der Decke des AAM-Museumshangars hängt), der Mitglied des AAM ist. Ihr Kennzeichen: OE-ABS, Insider sagen scherzhaft, das stehe für "A Boeing Stearman" oder "Andreas Boeing Stearman" ...

Benno Beran (rechts) im Gespräch mit Besuchern.
Die nächste Generation von Oldtimer-Interessierten steht schon in den Startlöchern ...

Die Super Cub (OE-CUB) dagegen befindet sich seit einiger Zeit in einer Art Grundüberholung, wird völlig neu aufgebaut und soll danach wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen. Zusätzlich laufen die Arbeiten, eine North American T-6 Texan, ein einmotoriges US-Trainingsflugzeug (gebaut von 1939 bis 1944) wieder in die Luft zu bekommen. Langweilig wird dem Team um Franz List und Benno Beran damit ganz bestimmt nicht.

Am Samstag wurde aber erst einmal das 30-jährige Bestehen zünftig mit einem Oldtimer Fly-In und einer herrlichen Torte gefeiert. Der Autor gratuliert zum runden Jubiläum. Auf die nächsten 30 Jahre AAM!

Weitere Fotoimpressionen

Gyrocopter mit Rotax-Motor.
Das Cockpit des Tragschraubers.
Ein sichtlich gut gelaunter AAM-Präsident Franz List. List kann auf mehr als 29.000 Flugstunden Erfahrung auf unzähligen Typen - vom Segelflugzeug bis zum großen Jet - zurückblicken.
Die "heiligen Hallen" des AAM - der Bunkerhangar. Hier fanden den ganzen Tag über regelmäßig Führungen für Besucher statt.
Das Stahlrohrgerüst einer Zlin Z-226 Trener. Dieses Flugzeug aus tschechoslowakischer Produktion flog als OE-BUS viele Jahre in den Diensten der Bundessportschule Spitzerberg.
Analoges Instrumentenbrett eine Europa Classic
Flugfähiger und zugelassener Schulgleiter SG-38.
Benno Beran ...
... und Franz List. Die Gründerväter des AAM.
Kurzweilig, humorvoll und dennoch voller spannender technischer Details waren die Ausführungen von Benno Beran bei den Führungen durch das Museum.
Dieser französische Nachbau der ikonischen Messerschmitt Me 108, eines viersitzigen Reiseflugzeugs mit Einziehfahrwerk, stand einst auf dem Besucherdeck des Flughafens Wien. Eine Restaurierung in flugfähigem Zustand ist leider aufgrund des hohen Kostenaufwandes, der damit verbunden wäre, nicht mehr möglich. Dank dem AAM wurde dieses Stück Luftfahrtgeschichte vor dem "Zerfall" gerettet.
"Cockpit" eines Fokker 70/100-Simulators. Er stand früher in der Aviation Academy Austria in Neusiedl am See. List und Beran haben auch unzählige Stunden auf exakt diesem Simulator verbracht.
Detailaufnahme des Europa Classic Instrumentenbretts
Diese Yak-18a kam vom Westplatz in Wiener Neustadt eingeflogen und gab sich die Ehre.
Politisch unkorrekter Sticker auf einem der anwesenden klassischen Fahrzeuge. Er sorgte für viele verschmitzte Grinser unter den Besuchern (auch bei den Damen).
Stilvoller konnte die Torte kaum sein, die am Nachmittag angeschnitten wurde.
Das erste flugfähige Luftfahrzeug des AAM, die Piper Cub OE-CUB, wird derzeit generalüberholt.
Historisches Instrumentenbrett.
Auf dem linken oberen Bildrand sind die Bordküchen (Galleys) eines A320 zu sehen.
Blick ins Innere des Fokker-Simulators.
Klassik trifft Moderne ...

Text & Fotos: Patrick Huber