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Foto- und Videoreportage: AUA sagt nach 22 Jahren "Bye, bye" zum X-Large-Fokker-Jet

Die letzte im Dienst befindliche Fokker mit der Kennung OE-LVE trägt eine Good bye, Fokker Sonderbeklebung - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew

Bereits von 1988 bis 1994 flog ein AUA-Tochterunternehmen Maschinen aus dem Hause Fokker, den zweimotorigen Turboprop Fokker 50. Im Jänner 1995 bestellte Austrian Airlines dann schließlich zunächst vier Fokker 70. Im Oktober des gleichen Jahres traf die erste Maschinen dieses von der AUA-Marketingabteilung als X-Large-Fokker-Jet bezeichneten Typs in Schwechat ein. IN den kommenden Jahren wurde die Fokker-Flotte um weitere Fokker 70 sowie die große Schwester Fokker 100 erweitert, sodass die AUA am Ende (inklusive der von Tyrolean übernommenen Fokker 70) insgesamt 27 Fokker-Jets besaß, von denen bis zu 24 gleichzeitig im Einsatz standen. Jetzt endete die Ära der eleganten Niederländerin bei Austrian Airlines nach rund 22 Jahren offiziell. Austrian Wings begleitete den Abschiedsflug und blickt zurück auf 22 Jahre Fokker 70/100 bei dem rot-weiß-roten Traditionsunternehmen.

Austrian Airlines flottet ihre Fokker 70/100 Jets aus und lud zum zum Abschiedsflug - Austrian Wings war mit dabei. - Video: V-I-P.tv

Fast 30 Jahre lang flogen bei der rot-weiß-roten Traditionsairline Maschinen des niederländischen Herstellers Fokker, 22 Jahre davon waren es Fokker-Jets. Ab 1988 standen zweimotorige Turboprops des Typs Fokker 50 der Austrian Air Services (AAS), die offiziell als Österreichischer Inlands- und Regionalflugdienst GesmbH firmierte im Einsatz. Als die AUA Tyrolean Airways übernahm, kam im Jahr 1994 das Aus für die AAS und die Fokker 50.

Von 1988 bis 1994 nutzte die AUA-Tochter Austrian Air Services (AAS) die Fokker 50 im Regionalverkehr; die hier abgebildete OE-LFB flog nach ihrer Ausmusterung für Palestinian Airlines und Air Memphis; der letzte Betreiber war Niger Airlines; seit dem Vorjahr ist die Maschine scheinbar in Maastricht abgestellt - Foto: JetPix via Wikipedia GNU 1.2

Im Jänner 1995 beschloss der Aufsichtsrat der Austrian Airlines die Beschaffung von vier zweistrahligen Jets des Typs Fokker 70, zudem genehmigte das Gremium eine Option auf vier weitere Maschinen dieses Typs. "Damals galt dieser Typ als modern, leise, kraftstoffsparend", so ein Sprecher. Der Stückpreis betrug rund 260 Millionen Schilling. Unabhängig von dieser Bestellung der Konzernmutter AUA, flottete die Tochter Tyrolean Airways ab Juni 1995 zuvor noch in Eigenregie bestellte Fokker 70 ein. Die erste Tyrolean-Maschine war die OE-LFG.

Dazu der frühere AUA-Vorstand und heutige Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes, Mario Rehulka, gegenüber Austrian Wings: ""Als Vorstandsdirektor habe ich mit Herbert Bammer im Jahre 1995 die neuesten Fokker 70-Jets bei Tyrolean und Austrian Airliones eingefuehrt. Das waren damals die wirtschaftlichsten Kurzstreckenjets, die als X-Large-Jets gegenueber den kleinen Lauda Air Canadair CRJ bezeichnet wurden. Die Fokker-Flotte hat maßgeblich zum Ausbau des Streckennetzes in Zentral- und Osteuropa beigetragen - zuverlässige Flugzeuge mit niedrigen Betriebskosten und gutem Passagierkomfort - und dies 22 Jahre."

Präsentation der ersten AUA-Fokker 70 im Oktober 1995 - Foto: Archiv AUA
Die erste Fokker 70 der AUA hörte auf den Namen Wiener Neustadt - eine Wiege der österreichischen Luftfahrt - Foto: Ingrid Muhr
Poster und Werbeaufnahme des X-Large-Fokker-Jets - Foto: Archiv AUA
Mit der Fokker 70 wurde Mitte der 1990er Jahre ein neues Design eingeführt; im Rahmen einer Präsentation vor geladenen Gästen wurden die Hintergründe des Farbschemas erläutert - Foto: Ingrid Muhr
Die AUA-Vorstände Mario Rehulka und Herbert Bammer bei der Auslieferung der ersten Fokker 70 - Foto: Archiv AUA

Am 11. Oktober präsentierte die ihre erste eigene Fokker 70 der Öffentlichkeit. Der kleine mit maximal 80 Plätzen bestuhlte Jet (die AUA baute ursprünglich 75 Sitze ein, Tyrolean 80) wurde von der Marketingabteilung "X-Large-Jet" genannt, obwohl er damals das kleinste Flugzeug der AUA-Flotte war, was die Kabarettgruppe "Aerospott" rund um Bodenbetriebsratschef Alf Junghans zu ihrem humorvollen Song "Fokker X-Large-Jet" inspirierte. Die von Landeshauptmann Erwin Pröll auf den Namen „Wiener Neustadt“ getaufte OE-LFO war übrigens die erste Maschine, die im damals neuen Corporte Design erstrahlte – neun Jahre später musste der Jet nach einem doppelten Triebwerksausfall durch Vereisungsprobleme auf einem Feld bei München notlanden.

Die erste Fokker 70 der AUA musste 2004 in einem Feld in München notlanden - Foto: Archiv AUA

Der fliegerischen Meisterleistung der Piloten Jan Kurka und Markus Türk war es zu verdanken, dass es keine Verletzten gab. Die Fokker wurde von Austrian ausgeschieden, repariert und fliegt heute noch in Südafrika.

Foto: Archiv AUA
Die OE-LFK hörte auf den Namen "Stadt Wien"
Die AUA-Tochter Tyrolean erhielt ihre erste Fokker 70 sogar noch vor der AUA - Foto: Archiv AUA

In den Folgejahren wurden weitere Fokker 70 beschafft, die auf Strecken mit geringer Auslastung sowie zu kleineren Flugplätzen zum Einsatz kamen.

Die sprichwörtliche "Blumenwiese" in der Kabine war für viele Crews und Passagiere gewöhnungsbedürftig - Foto: Austrian Wings Media Crew

Weil sich der elegante niederländische Jet bewährte, beschloss die AUA im Jahr 2004 die Beschaffung zusätzlicher Maschinen aus dem Hause Fokker.

Die Fokker wird noch mit einem klassischen Steuerhorn geflogen - der Traum vieler Piloten und im Zeitalter von Fly by wire immer seltener anzutreffen - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Im Gegensatz zu den meisten Verkehrsflugzeugen verfügt die Fokker 70/100 nicht über Vorflügel (Slats); auch ist sie regulär für Starts mit eingefahrenen Landeklappen zugelassen, eine Seltenheit - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Flugkapitän a. D. Benno Beran, ehemaliger technischer Pilot Fokker 70/100 bei der AUA, hat über 15.000 Stunden im Cockpit verbracht. Er schwärmt noch heute von seiner Fokker: "Sie wahr sehr pilotenfreundlich vom Handling im Cockpit her, aber auch von der fliegerischen Seite war sie einfach angenehm. Man hat sich wirklich mit dem Flugzeug verbunden gefühlt. Sie war ihrer Zeit weit voraus, verfügte über CAT III-Autoland und man konnte mit ihr problemlos auch zu kleinen Plätzen operieren. Die Aerodynamik am Flügel war exzellent." - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Aus den USA wurden in Summe 15 Fokker 100, die zuvor bei American Airlines im Einsatz standen, gebraucht beschafft. Die Fokker 100 wurden bei Austrian Airlines zunächst mit 105 Sitzplätzen ausgestattet, was jedoch auf jedem Flug mindestens drei Flugbegleiter (die so genannte Minimum Crew, pro angefangenen 50 Sitzplätzen muss ein Flugbegleiter vorhanden sein) erforderte. Um Personal zu sparen, wurde später eine Sitzreihe ausgebaut und die Kapazität auf 100 Sitze reduziert, wodurch die Maschine mit zwei Flugbegleitern operiert werden konnte. Lediglich auf Ausbildungsflügen befand sich eine dritte Flugbegleiterin / ein dritter Flugbegleiter an Bord. Für die Cabin Crew gab es vier Jump Seats, zwei im vorderen Bereich der Kabine, zwei im hinteren.

Das Overhead-Panel im Fokker 70/100-Cockpit - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Ein Bild aus vergangenen Tagen - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew

Mit Mitte Juni 2005 standen bei Austrian Airlines drei Fokker 70 im Einsatz (die in München notgelandete OE-LFO wurde, wie eingangs erwähnt, ausgeschieden), weitere sechs Fokker 70 und neun Fokker 100 flogen unter der operationellen Verantwortung der Tochter Tyrolean Airways, die nach außen hin in AUA-Farben mit dem Schriftzug „Austrian arrows operated by Tyrolean“ auftrat.

Blick in der Abenddämmerung auf das Autopiloten-Panel - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Die Fokker 70/100 lösten schließlich auch die MD-87 (107 Sitzplätze) bei Austrian Airlines ab. Die größeren MD-81/82/83 hatten die Flotte davor bereits verlassen.

Fokker 70 auf dem Flughafen Innsbruck - Foto: Ingrid Muhr
Fokker 100 mit Austrian arrows (operated by Tyrolean) Schriftzug - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew
Die Beschriftung der Flugzeuge der AUA-Tochter Tyrolean Airways trieb bisweilen seltsame Blüten: "Austrian arrows operated by Tyrolean Member of Austrian Airlines Group" ... ;-) - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Fokker 70 in AUA-Farben mit dem Schriftzug "Austrian arrows operated by Tyrolean" - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Anders als im Airbus bewegen sich die Schubhebel in der Fokker bei Leistungsänderungen durch das Autothrust-System; ein Feature, das von vielen Piloten geschätzt wird - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Der Höhepunkt der "Fokker-Mania" war im Oktober 2008 erreicht. Damals flogen 15 Fokker 100 sowie neun Fokker 70 (OE-LFG, OE-LFH, OE-LFI, OE-LFJ, OE-LFK, OE-LFL, OE-LFP, OE-LFQ, OE-LFR) für die AUA (inklusive Tyrolean / Austrian arrows) und bewährten sich bestens im Alltagsbetrieb.

Doch 2014/2015 begann die Suche nach einem Nachfolger für die Fokker 70/100 und im November 2015 unterzeichnete die AUA einen Vertrag, wonach die gesamte verbliebene Fokker-Flotte an die australische Alliance Aviation verkauft wurde. Ein Teil der Maschinen wurde bereits nach Down under überstellt, einige stehen noch auf dem Flughafen Pressburg, wo in der Werft der Austrian Technik Bratislava auch künftig die Wartung der Maschinen erfolgen wird.

Abendliche Pilotenromantik - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Als Fokker-Nachfolger war ursprünglich die Bombardier CSeries vorgesehen (so stand es bereits im Kollektivvertrag für das fliegende Personal), schlussendlich wurden es dann doch gebrauchte E195 von Lufthansa Cityline, die ab Jänner 2016 eingeflottet wurden.

Es gab kaum eine Destination, die nicht von Fokker-Jets bedient wurde: Ob Berlin, Innsbruck, Warschau, Wilnius, Moskau, Temeschburg, Sarajevo, Pristina, München, Brüssel, Odessa, Riga, Tripolis, Athen oder London, um nur einige zu nennen: Die Fokker 70 und Fokker 100 erwiesen sich als äußerst zuverlässige Arbeitstiere, die im gesamten Streckennetz der AUA zum Einsatz kamen. Im Jahr 2007 wurden Fokker 70 zum Aufbau der Flugverbindung nach London City benutzt.

Der Anflug auf London City stellte die Fokker-Crews vor spezielle Herausforderungen - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Die beengten Platzverhältnisse erinnern an Hong Kong Kai Tak - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

"London City hat einen ungewöhnlich steilen Anflug, der mit 5,5° sehr stark von den gewohnten 3° abweicht. Es herrscht hohes Verkehrsaufkommen wegen der Nähe zum Flughafen Heathrow, starker Seitenwind und lang anhaltende Nebelperioden", schilderte der heutige Fokker-Flottenchef und Sen. Typerating Examiner Martin Gneist damals.

Cleared for Take off Runway 28, landing lights on, here we go! Für den Start auf der kurzen Piste wurde zunächst bei angezogenen Bremsen auf beiden Triebwerken Startleistung gesetzt. Danach lösten die Piloten die Bremsen und die Maschine setzte sich mit enormer Beschleunigung in Bewegung - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

"Es wurde entschieden, dass vorerst nur Fluglehrer die neue Destination anfliegen und die Landung ausschließlich vom Kapitän durchgeführt werden darf."

Beim Abflug wurde der Null-Meridian überflogen - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Die praktischen Trainingsflüge der Crews wurden auf dem Fliegerhorst Zeltweg durchgeführt, der Autopilot und das Fahrwerk der Fokker 70 mussten für die Operation nach London City modifiziert werden.

Doch schon Mitte 2008 stellte die AUA ihre Flüge nach London City wieder ein. Gneist nach Beendigung der Operation: "Obwohl es auch wetterbedingt nicht immer einfach war London City anzufliegen, so sind wir doch stolz auf das Privileg dort gewesen zu sein."

Patina am Steuerhorn - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Bei Piloten und Passagieren erfreuten sich die Fokker-Jets großer Beliebtheit. So verlieh allein schon das anachronistisch anmutende Design mit T-Leitwerk und Hecktriebwerken den Maschinen einen einzigartigen exklusiven Charakter.

T-Leitwerk und Hecktriebwerke wie einst bei der legendären DC-9/MD-80 und Boeing 727; dieses elegante Flugzeugdesign ist bei neu entwickelten Passagierflugzeugen mittlerweile ausgestorben - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

In der Kabine wurde die Sitzanordnung 2+3 sehr geschätzt, die in der Business Class mit der Belegung 1+2 einen für Kurzstreckenmaschinen beachtlichen Komfort mit sich brachte. Cockpit und Passagierkabine waren – mit Ausnahme des hinteren Bereiches – aufgrund der Hecktriebwerke ausgesprochen leise, was besonders die Geschäftsreisenden im vorderen Teil des Flugzeuges zu schätzen wussten.

AUA-Kapitän und Fluglehrer Thomas Herger, ebenfalls voll des Lobes für "seine" Fokker fallen nur zwei Minuspunkte ein, wie er im Gespräch mit Austrian Wings schildert: "Es gibt nur eine Einstiegstüre. Beim turn around staut sich alles bei der Cockpittür. Alles müssen gleichzeitig im Bereich der Galley vorbei. Das Catering und Reinigungspersonal ebenso wie unsere Flugbegleiter, die die Kabine für den nächsten Umlauf vorbereiten. Und wir Piloten müssen auch mal raus."

Ein weiteres Manko ist für den erfahrenen Kapitän (15.000 Stunden Gesamtflugerfahrung, davon knapp 8.000 auf der Fokker + 900 Fokker-Simulatorstunden) die Anordnung der beiden Toiletten im Heck: "Für die Crew war das ein absoluter Nachteil. Man musste als Pilot immer durch die ganze Kabine durch, und sich dann noch anstellen. Deswegen ist kaum einer von uns im Flug nach hinten gegangen, was in der Tat auf lange Frist gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Das ist aber kein Fokker-spezifisches Problem, sondern dieses Interior wurde von manchen Airlines so als praktisch empfunden und so bestellt. Der Flieger hatte ursprünglich eine Toilette vorne. Es macht sich halt niemand vom Bodenpersonal Gedanken darüber, was es für Piloten bedeutet, auf einen 3 Stunden Flug die Toiletten nur hinten zu haben, und dann im Anflug vielleicht noch in die Warteschleife geschickt zu werden ..."

Blick in die Kabine der Fokker 100 - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Blick in die Galley - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Flugbegleiter-Jumpseats - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Blick aus einem der charakteristischen Fenster - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Ein Anblick, den es schon in wenigen Wochen nicht mehr geben wird ... - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Ein Bild aus vergangenen Tagen - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Die "Victor Oscar" beim Start auf der der 29 am VIE - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Pushback! - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Nächtliche Eindrücke - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Aufgrund des speziellen Tragflächenprofils muss der Flügel der Fokker 70/100 ganz besonders gründlich enteist werden - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Engine start up einer Fokker 100 der AUA - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Das überwiegend von Bildschirmen dominierte Cockpit war zu seiner Markteinführung äußerst fortschrittlich und kombinierte analoge Elemente, etwa die hydraulisch betätigten Steuerflächen, die über ein klassisches Steuerhorn angesteuert wurden, mit modernster Computertechnik und einem fortschrittlichen Autopiloten, der vollautomatische Landungen ermöglichte.

"Die Fokker ist wunderbar zu fliegen, reagiert unmittelbar auf Steuereingaben und macht einfach Spaß", unterstreicht ein anderer Kapitän, der mit Ausscheiden der letzten Fokker Ende dieses Jahres seinen Ruhestand antreten wird.

Die OE-LVG trug Star Alliance Farben - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew

Und Thomas Herger, seines Zeichens technischer Pilot und Mitglied der Besatzung des heutigen Abschiedsfluges, bestätigt ebenfalls: "Die Fokker 70/100 war ein herrliches, zuverlässiges, logisch aufgebautes Flugzeug. Es war seiner Zeit weit voraus. Von der Arbeitsweise käme man nie auf den Gedanken, dass es im Moment alt ist, es sei denn man schaut auf die Fuel flow Anzeigen der Triebwerke. Sie braucht halt schon viel Kerosin."

Rolls Royce Tay Triebwerk am Heck einer Fokker der AUA - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Dabei galten die Rolls Royce Tay Mk 650-15 (Fokker 100) beziehungsweise Rolls-Royce Tay Mk 620-15 (Fokker 70) bei ihrer Markteinführung als besonders leise und kraftstoffsparend. So ändern sich die Zeiten ...

Die Wartung der Maschinen erfolgte bei der AUA-Technik in Wien - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew
Nächtlicher Blick ins Cockpit; Bei Start und Landung ist Fokkerfliegen "Handarbeit und das reinste Vergnügen", so ein erfahrener Pilot - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Unorthodox auch die Luftbremse. Während die meisten anderen Typen zur Reduktion der Geschwindigkeit in der Luft über Spoiler an Tragflächen verfügen, ist die Fokker 70/100 mit Klappen am Rumpfheck ausgestattet. Der Vorteil: Die Maschine kann dadurch rasch Geschwindigkeit abbauen, hohe Sinkraten erzielen und liegt dabei „stabil wie ein Brett“ in der Luft.

Closeup der Luftbremse am Heck - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew
Landung mit ausgefahrenen Bremsklappen - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew

Die meisten Piloten wechselten mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Embraer, dessen Technik natürlich deutlich fortschrittlicher als die der Fokker ist.  So verbraucht der Embraer E195 nach Angaben der AUA um 18 Prozent weniger Treibstoff als die Fokker und durch die Sitzannordnung 2+2 wurde der Reisekomfort für die Passagiere noch einmal erhöht.

AUA-CEO Kay Kratky anlässlich des heutigen Abschiedsfluges an Bord der OE-LVE: "Die Fokker-Flugzeuge der Typen Fokker 50, Fokker 70 und Fokker 100  waren ein treuer Begleiter in den letzten 29 Jahren. Vor allem die Fokker 70 und die Fokker 100 haben maßgeblich zum Ausbau unseres dichten Streckennetzes in Zentral- und Osteuropa beigetragen. Doch die Jets sind in die Jahre gekommen und heute wollten wir der großen Fangemeinde unserer Fokker-Jets die Gelegenheit geben, zum Abschied leise Servus zu sagen."

Fokker-Operation in Zahlen
Laut AUA beförderte die Fokker-Flotte in bisher rund 46 Millionen Passagiere und führte 800.000 Starts und Landungen durch. Dabei legten die Maschinen 230.000.000 Flugmeilen zurück, was rund 11.000 Erdumrundungen entspricht. Die Zuverlässigkeitsrate der Fokker 70/100 lag in den vergangenen fünf Jahren bei 98,6 Prozent. Insgesamt wurden an den Fahrwerken der Flugzeuge 15.000 Räder getauscht. Aufeinander gestapelt würden sie 4.260 Meter in die Höhe ragen und wären damit deutlich höher als der Großglockner mit seinen 3.798 Metern.

Die Fokker 100 hatte eine Reichweite von rund 2.000 Kilometern und ein maximales Abfluggewicht von 44,5 Tonnen, die Rumpflänge betrug 35,3 Meter. Die kleinere Fokker 70 konnte etwa 1.700 Kilometer weit fliegen, es gab allerdings einige Maschinen, die eine durch Zusatztanks erhöhte Reichweite hatten. Das maximale Abfluggewicht der Fokker 70 lag 38 Tonnen, die Rumpflänge bei 30,9 Metern. Die Spannweite war bei beiden Modellen mit 28,1 Metern gleich. Äußerlich waren sie auch für Laien leicht zu unterscheiden: Aufgrund des kürzeren Rumpfes und der geringeren Passagierkapazität verfügte die Fokker 70 auf jeder Seite nur über einen Overwing-Exit, während die Fokker 100 zwei hatte.

Außer Dienst gestellte und neutralisierte Fokker 70 (OE-LFL) auf dem Flughafen Wien - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew
Alt und Neu: Die Fokker wird bei der AUA durch den E195 (Hintergrund) abgelöst - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew

Für alle Freunde des klassischen Jets mit dem charakteristischen T-Leitwerk gibt es noch eine Gnadenfrist: Denn die "Victor Echo" wird bis Ende Dezember im Einsatz bleiben und vorwiegend nach Genf und Chisinau verkehren. Anfang 2018 heißt es dann aber wohl wirklich für immer: Bye, bye, AUA-Fokker …

Der heutige Abschiedsflug
Die für den heutigen Abschiedsflug OS 1100 eingesetzte Fokker mit der Kennung OE-LVE war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Unter den geladenen Gästen befanden sich viele aktive und ehemalige AUA-Mitarbeiter, etwa die Ex-Vorstände Mario Rehulka und Peter Malanik, sowie der frühere technische Pilot der Fokker-Flotte, Cpt. Benno Beran. Darüber hinaus waren auch Vertreter von Fokker sowie der australischen Alliance Aviation (Käufer der AUA-Fokker-Flotte) und natürlich AUA-CEO Kay Kratky an Bord.

Check-In - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Auch mehrere Kinder hatten die Ehre, an Bord des Fokker-Abschiedsfluges mit dabei zu sein - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Fotos: Huber / Austrian Wings Media Crew
Flottenchef Martin Gneist hielt noch am Gate F01 eine kurze Ansprache und stellte seine Crew vor - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Mehr als die Hälfte der Plätze war jedoch von Mitgliedern der Flughafenfreunde Wien belegt. Dem unermüdlichen Einsatz ihres Obmannes Martin Dichler verdankten es die Luftfahrtenthusiasten, dass sie auf diesem Flug dabei sein konnten.

"Vor rund eineinhalb Jahren sind die ersten Mitglieder an mich herangetreten, mit der Frage, ob es möglich ist, zum Ausscheiden der Fokker einen Rundflug zu organisieren. Ich habe dann an die Pressestelle der Austrian Airlines kontaktiert und dank unserer langen und guten Zusammenarbeit haben wir schließlich ein Kontingent von 54 Plätzen auf dem Abschiedsflug bekommen", sagt Martin Dichler, Präisdent der Flughafenfreunde Wien, und ergänzt: "Die Fokker ist ein Stück österreichischer Luftfahrtgeschichte. Allein deshalb musste ich alles daran setzen, die Teilnahme unseres Vereins zu ermöglichen." - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Nicht weniger Einsatz zeigte der Flughafen Wien, der eine Spottertour organisiert und die Plätze über das Internet verlost hatte. Nicht nur, dass die Spotter Gelegenheit hatten, Start und Landung aus nächster Nähe mitverfolgen konnten, es gab auch noch kostenlosen Eintritt zum Besucherdeck.

Kay Kratky in Begleitung von zwei "Ladies in Red" am Gate - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Always at your service! - Foto: Christoph Zamazal
Die Maschine am Gate - Foto: Austrian Wings Media Crew
Vom Gate aus gesehen - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Das Boarding ...
... beginnt - Fotos (2) Huber / Austrian Wings Media Crew

Die "Victor Echo" selbst erhob sich - pilotiert von Flottenchef Kapitän Martin Gneist, dem technischen Piloten Kapitän Thomas Herger und First Officer Paul Benoist (übrigens ein waschechter Niederländer) auf dem Jump Seat - nach einem kurzen De-Icing von der Piste 29 in den trüben regnerischen Himmel. Um das Wohl der Passagiere kümmerten sich die drei "Senior"-Flugbegleiter Martina Lehner, Alexandra Kirnbauer und Nadine Vetter, die ebenso wie die Passagiere bester Laune waren.

Zunächst steuerte die Fokker gen Süden, drehte dann nach Norden ab und kehrte schließlich zum Flughafen Wien zurück, um dort auf der Piste 16 aufzusetzen. Während des etwas mehr als einstündigen Fluges erfuhren die Reisenden an Bord viele interessante Details von der Cockpitcrew.

Nach der Landung rollte die Maschine in die Nähe des AUA-Hangars, wo es für die AUA-Mitarbeiter anschließend noch ein rauschendes Fest zum Abschied der Fokker gab.

Weitere Fotoimpressionen:

Da die Fokker über Nacht im Freien stand und das Tragflächenprofil besonders kritisch bei Eis wird, durchlief die Maschine vor dem Weg zur Piste eine De-Icing-Prozedur - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Safety Demo - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Take off! - Foto: Austrian Wings Media Crew
Der Start erfolgte bei "grauer Suppe"
Fotos: Huber / Austrian Wings Media Crew
Anachronismus im Zeitalter der Nichtraucher-Flüge: Aschenbecher in der Türe der Bordtoilette; allerdings ist laut EASA - unabhängig vom Rauchverbot - das Vorhandensein mindestens eines Aschenbechers an Bord noch immer vorgeschrieben - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Traumhafte Ausblicke aus einem legendären Flugzeug - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Auch die hochprofessionelle Kabinenbesatzung war bester Laune - Foto: Huber Austrian Wings Media Crew
Foto: Huber Austrian Wings Media Crew
In der Galley herrschte Hochbetrieb: Ständig wurden Getränke nachgefüllt - Foto: Huber Austrian Wings Media Crew
So macht Fliegen für Crew und Passagiere Spaß - Foto: Huber Austrian Wings Media Crew
We fly for your smile - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
AUA-CEO Kay Kratky im Gespräch mit den Gästen an Bord - Foto: Huber Austrian Wings Media Crew
Der scheidende AUA-CFO Heinz Lachinger (links) und Ex-Vorstand Peter Malanik saßen in der ersten Reihe - Foto: Huber Austrian Wings Media Crew
Final approach RWY 16
Fotos (5): Austrian Wings Media Crew
Flugkapitän Thomas Herger lobte die Fokker im Austrian Wings Interview als hocheffizientes Flugzeug, das seiner Zeit bei Markteinführung "weit voraus" war - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Nach Erreichen der Parkposition hisste Kommandant Martin Gneist die Flagge von Austrian Airlines und jene des Herstellers Fokker - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Beste Laune auch im Cockpit - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Blick ins Cockpit - selbst nach heutigen Maßstäben wirkt es noch modern - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Bye, bye ... - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Viele Fotos mit Passagieren, Freunden und Familie wurden heute auf dem Vorfeld gemacht; Fliegen ist und bleibt auch im Zeitalter von Technik und Billigfliegern für viele Menschen noch immer Emotion pur - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
In die Luftfahrtgeschichte eingegangen als letzte im Regelbetrieb befindliche AUA-Fokker: OE-LVE - Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew
Bye, bye, Fokker ... anschließend wurde gefeiert - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew
Foto: Ulrich Lehner / Austrian Wings Media Crew

Text: P. Huber

Übersicht über alle jemals bei AUA und Tyrolean im Einsatz befindlichen Fokker 50/70/100

Fokker 50 

Registrierung

Erstzulassung

OE-LFA

03.06.1988

OE-LFB

13.06.1988

OE-LFC

10.01.1989

OE-LFD

16.01.1989

OE-LFE

23.08.1991

OE-LFF

25.09.1992

OE-LFX

01.01.1991

OE-LFW

04.03.1993

OE-LFY

15.03.1988

OE-LFZ

25.03.1988

 

Fokker 70

Registrierung

Name

Erstzulassung

OE-LFG

Innsbruck

31.03.1995

OE-LFH    

Stadt Salzburg

11.08.1995

OE-LFI      

Klagenfurt

14.10.1998

OE-LFJ     

Graz

12.05.1998

OE-LFK    

Krems

30.08.1995

OE-LFL     

Linz

10.08.1997

OE-LFO    

Wr. Neustadt

29.09.1995

OE-LFP    

Wels

17.10.1995

OE-LFQ    

Dornbirn

03.04.1996

OE-LFR    

Steyr

25.04.1996

OE-LFS    

Schwechat

16.09.1997

OE-LFT    

Tulln

10.10.1997

 

Fokker 100

 

Registrierung

Name

Erstzulassung

OE-LVA    

Riga

07.07.2004

OE-LVB    

Vilnius

11.08.2004

OE-LVC    

Tirana

03.09.2004

OE-LVD    

Skopje

20.10.2004

OE-LVE    

Zagreb

12.11.2004

OE-LVF    

Yerevan

24.12.2004

OE-LVG   

Krakow

02.02.2005

OE-LVH    

Minsk

06.04.2005

OE-LVI     

Praque

30.04.2005

OE-LVJ    

Bratislava

05.12.2005

OE-LVK    

Timisoara

09.06.2006

OE-LVL    

Odessa

20.09.2006

OE-LVM   

Krasnodar

21.03.2007

OE-LVN    

Dnepropetrovsk

20.06.2007

OE-LVO   

Chisinau         

29.10.2008

Wir danken: Austrian Airlines Konzernkommunikation, Flughafen Wien Pressestelle sowie allen Piloten, Flugbegleitern und sonstigen Austrian/Tyrolean-Mitarbeitern, die Austrian Wings bei der Erstellung dieser Reportage unterstützt haben.