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Nach 10 Jahren: Prozess um Absturz von Germanwings 9525

A320 von Germanwings, Symbolbild

Mehr als 10 Jahre nachdem der psychisch offenbar schwer kranke Erste Offizier Andreas Lubitz einen A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen zum Absturz brachte, wird jetzt in Braunschweig (D) über zusätzlichen Schadenersatz/Schmerzensgeld für einige der Hinterbliebenen verhandelt. Neben dem Täter Andreas Lubitz starben bei dem vorsätzlich herbeigeführten Crash auch alle 149 unschuldigen Menschen an Bord des A320. Der Prozess findet am Freitag, 28. August 2026 statt.

Grundsätzlich hatte Lufthansa nach dem Absturz bereits Entschädigungszahlungen an die Familien der Opfer geleistet - allerdings war Lufthansa dabei sehr knausrig vorgegangen, wie sich unter anderem aus dem für mein Buch "Germanwings Flug 9525 - Absturz in den französischen Alpen" geführten Interview mit einem der Anwälte klar ableiten lässt.

In meinem Buch zeichne ich den Fall Germanwings 9525 lückenlos nach und widerlege die dazu kursierenden wirren Verschwörungstheorien.

Laut früheren offiziellen Verlautbarungen speiste der Kranich die nächsten Angehörigen mit 10.000 Euro ab, außerdem sollen 25.000 Euro als "vererbbares Schmerzensgeld" überwiesen worden sein. Schon 2016 hatten Opfervertreter das Verhalten der Lufthansa scharf kritisiert und sogar als "unterirdisch" bezeichnet.

In dem neuen Verfahren geht es konkret darum, dass 30 Hinterbliebene der 149 Opfer von Andreas Lubitz zusätzliche Ansprüche von bis zu 110.000 Euro gestellt haben. Die Grundlage der Klage bildet die Überzeugung der Kläger, dass die Flugtauglichkeit des Ersten Offiziers Andreas Lubitz seitens der zuständigen Stellen nicht ausreichend überwacht worden sei. Lubitz war bereits vor der Tötung von 149 Menschen durch seinen erweiterten Suizid psychisch auffällig gewesen, hatte seine Ausbildung zum Verkehrspiloten sogar wegen Suizid-Tendenzen unterbrechen müssen. Trotzdem bescheinigten ihm die Fliegerärzte später eine vollständige Genesung. Am 24. März 2015 sperrte er schließlich seinen Kapitän, Patrick Sondenheimer, aus dem Cockpit aus und brachte den A320 mit insgesamt 150 Menschen an Bord vorsätzlich zum Absturz. Es gab keine Überlebenden.

Ursprünglich wollten die Angehörigen Lufthansa dafür haftbar machen, doch damals entschieden Richter, dass die Fliegerärzte der Lufthansa im Auftrag des Staates handelten. Wenn überhaupt, dann sei der Staat und nicht das Unternehmen haftbar. Genau darum geht es im aktuellen Prozess n Braunschweig.

Das Luftfahrtbundesamt (hat seinen Sitz in Braunschweig, daher findet der Prozess dort statt) und auch das deutsche Verkehrsministerium wollten sich auf Nachfrage der "Deutschen Presse Agentur" nicht zu dem Fall äußern.

Wirre Verschwörungstheorien als zusätzliche Belastung für die Opfer von Andreas Lubitz
Doch nicht nur die lange Verfahrensdauer - mittlerweile sind 10 Jahre seit dem Absturz vergangenen - belastet die Angehörigen. Immer wieder müssen Sie erdulden, dass seitens der Familie des Täters Andreas Lubitz öffentlich dessen Handlung bestritten wird und auch von anderen "Wirrköpfen" diverse Verschwörungstheorien zum Absturzhergang in die Welt gesetzt werden. In meinem bereits erwähnten Buch "Germanwings Flug 9525 - Absturz in den französischen Alpen" (erschienen 2015) widerlege ich sämtliche dieser haltlosen kruden Theorien durch harte Fakten und forensische Analysen. Eine Rezension finden Sie hier.

Auch der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa sieht die Verantwortung von Andreas Lubitz für den Absturz und den Tod von 149 unschuldigen Menschen als erwiesen an, wie er im Februar 2025 im großen Austrian Wings Interview schilderte.

Text & Foto: Patrick Huber