"Entührungsalarm" gab es um den heutigen Flug FZ 1073 der arabischen Billigfluggesellschaft Fly Dubai. Die Boeing 737 MAX befand sich auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv als sie in Saudi Arabien eine Notlandung machte - wir berichteten. Fast stündlich werden neue Details zu dem Beinahe-Absturz bekannt. Was wir bisher wissen und was nicht.
Um 02:57 Uhr UTC rollte die Boeing 737 MAX, A6-FKF, der Fly Dubai (eine Tochtergesellschaft von Emirates) auf dem Flughafen Dubai in Richtung Startbahn. Dieser Vorgang dauerte sechs Minuten. Um 03:03 Uhr UTC setzten die Piloten Startleistung und begannen, auf der Piste 30R zu beschleunigen. Nach dem Abheben steuerte die Boeing 737 MAX im Steigflug nach Westen und flog über das Rote Meer. Auf Höhe von Bahrain hatte die Maschine eine Reiseflughöhe von 32.000 Fuß erreicht. Es war 03:43 Uhr UTC, 40 Minuten nach Beginn des Startvorgangs. Um 04:08 Uhr erhielten die Piloten von der saudischen Flugsicherung die Freigabe auf 34.000 Fuß zu steigen. Diese Flughöhe wurde um 04:12 Uhr UTC erreicht. Die Boeing 737 setzte ihren Reiseflug in Richtung Nordwest fort. Bisher verlief der Flug ohne Auffälligkeiten, soweit sich das aufgrund der verfügbaren Aufzeichnungen sagen lässt.
Beinahe tödlicher Sturzflug
Doch um 05:21 Uhr UTC - 3 Stunden und 18 Minuten nach dem Start - lief Flug FZ 1073 im wahrsten Sinn des Wortes aus dem Ruder. Die Boeing 737 ging in einen steilen Sturzflug über, verlor innerhalb kürzester Zeit fast 20.000 Fuß (etwa 6.000 Meter) an Höhe. Online verfügbare ADS-B Radardaten legen nahe, dass die Maschine dabei eine Sinkrate von 28.000 bis 30.000 Fuß pro Minute erreichte. Zum Vergleich: Ein regulärer Sinkflug wird mit 1.500 bis 3.000 Fuß pro Minute geflogen, selbst ein Notsinkflug im Fall eines rapiden Kabinendruckverlustes erfolgt mit nicht mehr als 5.000 bis 6.000 Fuß pro Minute. Alles darüber ist unüblich und gefährlich. Bei Werten von 20.000 bis 30.000 Fuß pro Minute kann man umgangssprachlich durchaus von einem "freien Fall" sprechen.
Blutiger Kampf im Cockpit
Weshalb es genau zu dem Sturzflug kam ist noch Gegenstand von Untersuchungen. Als gesichert kann aber schon jetzt gelten, dass es im Cockpit zu einem blutigen Kampf zwischen den beiden Piloten kam. Warum, das ist unklar. Israelische Quellen berichten davon, dass möglicherweise einer der beiden Piloten das Flugzeug abstürzen lassen wollte und nur mit Hilfe von Passagieren überwältigt werden konnte. Passagiere beschrieben die Situation an Bord gegenüber israelischen Medien als "chaotisch". Es habe "Schreie und einen Kampf" gegeben, im Cockpit sei "Blut geklebt". Fotos in Sozialen Medien zeigen Passagieren mit blutbefleckter Kleidung. Zwischenzeitlich wurde aus dem Cockpit zunächst das Notfallsignal "7500" (Transponder-Code für eine Entführung), später der allgemeine Notfallcode "7700" über den Transponder gesendet.
Nationalitäten der Piloten unklar
Unbestätigten Meldungen zufolge soll der Kapitän versucht haben, das Flugzeug abstürzen zu lassen, sein Erster Offizie habe dagegen angekämpft und dabei Unterstützung von Passagieren erhalten. Außer Dienst an Bord befindliche Piloten hätten schließlich das Steuer übernommen, so israelische Medien. Deutsche Medien berichten unter Berufung auf eine Bestätigung aus Israel und durch die Fluggesellschaft, dass die beiden Piloten tatsächlich aus der Ukraine beziehungsweise Russland stammten. Sollte das zutreffen, müsste sich die Fluglinie die Frage gefallen lassen, wie intelligent ein solcher Crew-Mix angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine ist und ob er nicht grundsätzlich ein Problem für die Flugsicherheit darstellen kann. Allerdings wurde diese angeblich "bestätigte" Information kurz darauf wieder aus den betreffenden Beiträgen gelöscht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine offizielle Auskunft über die Nationalität der beiden Piloten. Israelische Medien schrieben zuletzt, dass der Co-Pilot, ein Omani, den Kapitän, einen Emirati, angegriffen haben soll. Die einzig gesicherte Information zum gegenwärtigen Zeitpunkt (30. September 2026, 12:15 Uhr) ist, dass es im Cockpit definitiv einen Kampf gab.
Notlandung in Saudi Arabien eingeleitet
Um 05:51 Uhr UTC drehte die Maschine an der Grenze zu Jordanien in einer Höhe von 14.900 Fuß nach Süden um und nahm Kurs auf den Flughafen Tabuk (Saudi Arabien), wo sie schließlich sicher landete. Der gesamte Fall wird nun unter den Argusaugen der internationalen Luftverkehrsbranche untersucht.
Die Airline
Fly Dubai ist eine Billigflugtochter von Emirates. Sie betreibt rund 100 Flugzeuge der Boeing 737-Familie (Boeing 737-800 und Boeing 737 MAX). Weil es nicht genügend einheimische Piloten gibt, sitzen viele internationale Luftfahrzeugführer in den Cockpits von Fly Dubai. Vor 10 Jahren war Fly Dubai Flug 981 nach mehreren missglückten Landemanövern in Rostov am Don abgestürzt. Niemand überlebte. Die Fluggesellschaft war daraufhin wegen wegen ihrer Dienstplangestaltung in die Kritik geraten. Es hatte auch immer wieder Vorwürfe gegeben, die Airline würde ihre Piloten unter Druck setzen.
Text: Patrick Huber