Punktlandung –

Fly Dubai 1073 - warum konnte ein Islamist überhaupt im Cockpit sitzen?

Fly Dubai ließ offenbar einen Islamisten ans Steuer - und teilte ihn dann auch noch für einen Flug nach Israel ein. Die Fluggesellschaft muss sich deshalb Kritik gefallen lassen, Symbolbild - Foto: GF / Austrian Wings Media Crew

Die Fakten sind bekannt. Der Omani Hamam Al Hammami, ein 29-jähriger Mann muslimischen Glaubens, - Sohn einer syrischen Mutter und eines gebürtigen Omanis - attackierte am 30. 9. dieses Jahres den indischen Kapitän (Smit Machchhar) von Fly Dubai 1073 und wollte die Maschine zum Absturz bringen. Selbst die Vereinigten Arabischen Emirate bestätigten nach Tagen des Zögerns offiziell, dass der Anschlag ein Akt des Terrorismus war. Jetzt kam außerdem noch mehr heraus: Wegen islamistischer Tendenzen hatte sein früherer Arbeitgeber Oman Air den Ersten Offizier gefeuert. Wie konnte es sein, dass Fly Dubai einen als Gefährder bekannten Mann mit Sympathien für islamistischen Terrorismus ins Cockpit setzte? Und: Fliegen bei dieser Airline womöglich noch weitere Islamisten als Piloten oder Flugbegleiter? Diese Fragen sollte schonungslos aufgeklärt werden. Fly Dubai muss handeln. Das ist unbestreitbar.

Wenn Passagiere ein Flugzeug besteigen, so sollten sie sich darauf verlassen können, dass im Cockpit fachlich gut ausgebildete und psychisch stabile Menschen sitzen. Die gute Nachricht zuerst - in aller Regel ist das auch so. Tragische Ausnahmen - wie etwa der Fall Andreas Lubitz, der vor 11 Jahren aufgrund seiner psychischen Probleme eine Germanwings-Maschine abstürzen ließ und so 149 Unschuldige tötete - bestätigen leider diese Regel. Erweiterte Piloten-Suizide infolge psychischer Probleme kamen weltweit immer wieder vor. Sie sind aber zum Glück sehr selten, wirkliche Einzelfälle. Weltweit einzigartig dürfte dagegen der aktuelle Fall von Fly Dubai 1073 sein. Hier saß - nach allem, was wir bisher wissen - ein Terrorist, ein Islamist, im Cockpit, der zuerst versuchte, seinen Kapitän, einen Helden namens Smit Machchhar, zu ermorden, um dann das Flugzeug voller Israelis vorsätzlich zum Absturz bringen - aus reinem Judenhass. 

Schon kurz nach dem durch den Kapitän und mehrere mutige Passagiere verhinderten islamistischen Terroranschlag kam heraus, dass der Erste Offizier im Kollegenkreis von Fly Dubai als "religiöser Fanatiker" bekannt war, der "ständig betete" und "Frauen aus religiösen Gründen nicht die Hand gab". Schon hier hätte Fly Dubai hellhörig werden und den Mann genauer unter die Lupe nehmen müssen. Aber offenbar geschah - nichts.

Auch die Entscheidung der Fly Dubai Dienstplanung, einen derartigen religiösen Fanatiker ausgerechnet auf einem Flug nach Israel einzusetzen, mutet befremdlich an. Denn omanische Staatsbürger hätten auf den Flügen nach Israel grundsätzlich nicht als Piloten fliegen dürfen, wie israelische Medien berichteten. Der Hintergrund dieser Regelung ist, dass Israel keine offiziellen freundschaftlichen Beziehungen zum Oman unterhält. Fly Dubai hätte demnach lediglich Piloten für die Israel-Flüge einteilen dürfen, die aus Ländern stammen, zu denen Israel gute Beziehung unterhält. Das interessierte Fly Dubai aber offenbar eben so wenig wie der Umstand, dass der Erste Offizier im Internet Mordphantasien äußerte und davon sprach, Juden töten zu wollen. Diese Kritikpunkte muss sich Fly Dubai - eine Schwestergesellschaft von Emirates - schon jetzt vorhalten lassen.

Doch es kommt noch schlimmer. Mittlerweile wurde nämlich bekannt, dass der frühere Arbeitgeber des Terroristen, Oman Air, den Mann wegen islamistischer Tendenzen als "Sicherheitsrisiko" eingestuft habe. Er durfte deshalb nicht mehr fliegen, verlor später seinen Job.

Fly Dubai stellte den heute 29-Jährigen dennoch ein. Welche Sicherheitsüberprüfungen führte Fly Dubai durch? Die Airline muss sich jetzt die durchaus unangenehme aber mehr als berechtigte Frage gefallen lassen, nach welchen Kriterien sie ihre Piloten eigentlich auswählt und wie intensiv die Hintergrundchecks sind.

Viele Menschen fragen sich mittlerweile außerdem: Kann es sein, dass bei Fly Dubai noch mehr mutmaßliche Islamisten, die zu Terroranschlägen bereit sind, in den Cockpits sitzen oder als Flugbegleiter (die ja Zutritt zum Cockpit haben) arbeiten?

Die Frage ist berechtigt, das Vertrauen in Fly Dubai schwer erschüttert. Schon 2016 nach dem Absturz einer Boeing 737-800 in Rostov am Don mit 62 Toten wegen eines Pilotenfehlers war die Airline in die Kritik geraten. Der Vorwurf in Fachkreisen damals - Dienstpläne, die zur Übermüdung der Crews führen. Formal war die Airline an dem Crash aber schuldlos. Vier Jahre später hatte es beinahe einen ähnlichen Unfall mit einer Fly Dubai Maschine gegeben.

Eine schonungslose Aufarbeitung der Causa Fly Dubai 1073 tut jedenfalls dringend Not - auch wenn sie am Ende zu Kündigungen von Piloten und/oder Flugbegleitern führen sollte. Die Frage ist nur, ob Fly Dubai dazu bereit ist, sich dieser unangenehmen Situation zu stellen. Wenn Fly Dubai ihre - derzeit ausgesetzten - Flüge nach Israel aber wieder aufnehmen will, so muss sie in jedem Fall sicherstellen, dass nur noch über jeden Zweifel erhabene Männer und Frauen zu den Besatzungen dieser Flüge gehören. Und Israel wird ebenfalls peinlich genau darauf achten, dass Fly Dubai das auch einhält. Noch ist eine Wiederaufnahme der Flüge aber nicht in Sicht. Das Image von Fly Dubai ist im Moment ziemlich ramponiert.

Ein Absturz, ein Beinahe-Absturz und ein Terroranschlag durch einen Islamisten am Steuer. Und das alles innerhalb von nur 10 Jahren - ich ganz persönlich würde bis auf Weiteres jedenfalls keine Maschine dieser Fluglinie besteigen.

Text: Patrick Huber

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.