Diese Reportage ist in dankbarer Erinnerung dem langjährigen Obmann des Flugsportzentrums Spitzerberg, Rudolf "Zirkusdirektor" Wenighofer gewidmet, der im Vorjahr überraschend verstorben ist.
Das Flugsportzentrum Spitzerberg ist eines der traditionsreichsten Flugfelder des Landes. Seit rund 100 Jahren wird hier, unmittelbar an der österreichisch-slowakischen Grenze Flugsport betrieben. Alles begann 1924 mit den ersten Gleitflügen auf dem benachbarten Hundsheimer Kogel, seit 1929 befindet sich das Flugfeld an seiner heutigen Stelle. Die Flugplatzfeste - es gibt sie seit Jahrzehnten - haben längst Kultcharakter. Diese Veranstaltungen ziehen nicht nur Luftfahrtfans aus Nah und Fern an, sondern haben vielmehr Volksfest- oder Kirtagcharakter. Ein Volksfest mit Airshow-Einlage könnte man sie auch nennen.
Denn den Spitzerberger Piloten (die Damen sind in diesem Begriff selbstverständlich eingeschlossen), ist es ein Anliegen, der breiten Öffentlichkeit ihren Sport näherzubringen und Vorurteile ("Das sind doch alles nur reiche Säcke, die uns mit ihrem Lärm terrorisieren") gegenüber der Fliegerei abzubauen. Tatsächlich stammen die Flieger aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten - vom Bauarbeiter bis zum Herzchirurgen. Sie alle eint die Leidenschaft für die Luftfahrt, die ohne (Flieger-)Kameradschaft nicht möglich wäre. Das gilt besonders für den lautlosen und besonders umweltfreundlichen Segelflug, der hier am Spitzerberg - wie erwähnt - eine über 100-jährige Tradition hat.
Beim Motorflug wurden spezielle Verfahren für die Platzrunde entwickelt, mit denen das Überfliegen dichtbesiedelter Gebiete bestmöglich vermieden wird. Eine gute Nachbarschaft ist den Damen und Herren Fliegern vom Spitzerberg sehr wichtig - und das schätzen die Anrainer. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Flugplatzfeste regelrecht gestürmt werden. Auch 2026 bildete hier keine Ausnahme.


Bei grundsätzlich freiem Eintritt (wobei eine Spende erbeten war, denn das Team des Spitzerberg engagiert diese Flugplatzfeste ehrenamtlich in der Freizeit, manche Flieger nehmen sich sogar extra Urlaub, weil der Aufwand sonst nicht zu bewältigen wäre) erwartete die Besucher ein großartiges Angebot: Oldtimer-Autos, Motorräder, Beiwagen-Gespanne und historische Traktoren im Static Display. Unter den Oldtimern befanden sich mehrere VW T2-Busse sowie VW-Käfer. Die Entwicklung des VW-Käfers wird dem weltbekannten Professor Ferdinand Porsche zugeschrieben. Porsche - geboren unter der Regentschaft Kaiser Franz Josephs - war übrigens ein deutsch-böhmischer Altösterreicher und stammte aus Maffersdorf bei Reichenberg (Tschechisch: Liberec). In seinem Geburtshaus haben die Tschechen ein Museum eingerichtet, an der ehemaligen Staatsgewerbeschule Reichenberg (gegründet 1876), die Porsche in jungen Jahren besuchte, befindet sich heute eine zweisprachige Gedenktafel zu Ehren des berühmten früheren Schülers - siehe dazu auch das Buch "Von Reichenberg bis Sydney - Erinnerungen eines Altösterreichers aus Böhmen an Krieg und Frieden". An dem Gebäude prangt heute noch der k.u.k. Doppeladler und der Wahlspruch von Kaiser Franz Joseph I.: "Viribus unitis". Tatsächlich war die Entwicklung des Käfers aber komplexer. Schon 1925 hatte der in Hirtenberg geborene Béla Barényi als junger Student Pläne für einen "Volkswagen" im Stil des VW Käfers entworfen, doch Porsche war es, der Jahre später die eigentliche Konstruktion entwickelte. Doch genug des historischen Exkurses, zurück zum Spitzerberg.


Für die Kleinsten gab es eine Ninja Warrior Hüpfburg, die wohl auch so manchen Vater begeisterte und ein mittelalterliches Holzkarussell war der "heimliche Star" vieler Kinder. Am Stand des Besitzers gab es handgeschnitztes Holzspielzeug zu erwerben - vom Flugzeug bis zum Ritterschwert. Der Künstler ist ein gewisser Herr Frantisek und stammt - wie einige der Aussteller und viele der Besucher - aus der angrenzenden Slowakei. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist in dieser Region in vielen Bereichen gelebter Alltag und so verwundert es nicht, dass neben Deutsch und Englisch (internationale Fliegersprache) am Spitzerberg auch Slowakisch und Ungarisch als "Amtssprachen" anzutreffen sind. Irgendwie verständigt man sich immer.


Erstmals war heuer auch der "Austrian Air Force Shop" von Hubschrauber-Pilot Stefan Auer aus Zeltweg beim Flugplatzfest am Spitzerberg vertreten. Auer bietet ein umfangreiches Sortiment an "Fliegerkleidung" an - von klassischen Pilotenjacken über T-Shirts bis hin zu Remove before Flight Anhängern. Wer wollte, konnte dort viel Geld liegen lassen und sich komplett neu einkleiden. Der Shop führt übrigens auch das Buch "Saab Draken in Österreich - eine besondere Geschichte" des ehemaligen Bundesheer-Technikers Bernd Karner.


Viennaflight war mit einem Hubschraubersimulator vor Ort und die Spitzerberger selbst ermöglichten es Buben und Mädchen, in einem Segelflugsimulator erste fliegerische Erfahrungen zu sammeln - und wer weiß, vielleicht meldet sich ja der eine oder andere dieser jungen Besucher in ein paar Jahren zum Segelflugzeugführer-Lehrgang an. Das Unternehmen "Sierra Mike", das Sprachtests für Piloten anbietet, gewährte Interessierten ebenfalls einen Einblick in seine Arbeit.
Zusätzlich zu diesem "Static display" von Fahrzeugen und den Informationsständen der Aussteller gab es den ganzen Tag über Rundflüge mit modernen ein- und zweimotorigen Maschinen, Trag- und Hubschraubern sowie Oldtimern wie der Boeing Stearman. Zwei Boeing Stearman des Austrian Aviation Museum waren am Spitzerberg vertreten. Außerdem bot das Team des "Spitz" Hangarführungen an.
Die Flugpolizei war mit einem H135 (OE-BXA am Samstag und OE-BXP am Sonntag) an beiden Tagen vertreten, der ÖAMTC am Samstag mit einem Notarzthubschrauber des Typs H135. Beide Helikopter wurden von den Kindern regelrecht gestürmt und die Crews beantworteten alle Fragen der jungen Besucher geduldig und kompetent.
Modellflugvereine präsentierten sich und ihre Flugzeuge und natürlich konnten auch die Segel- und Motorflugzeuge des Flugsportzentrums Spitzerberg unter fachkundiger Anleitung genau in Augenschein genommen werden - darunter die Neuzugänge "Bristell" OE-AZD und "Perkoz".
Für das leibliche Wohl sorgte das Team von Katarina und Gabriel Mehes, die vor Ort seit vielen Jahren das Flugplatzrestaurant Icarus betreiben, das sich aufgrund seiner fantastischen bodenständigen Küche nicht nur als beliebtes Flugplatzrestaurant, sondern auch als Ersatz für die vielerorts geschlossenen Dorfgasthäuser etabliert hat. Rund um den Hangar 1 und im Inneren des Gebäudes hatte das Icarus-Team mehrere Gastrostationen aufgebaut und verwöhnte die Besucher mit Schmankerl - auch für Menschen, die lieber fleischlos essen war etwas im Angebot. Und wir sprechen hier nicht nur von "Würstel und Langos", sondern von einer so gut wie vollwertigen Restaurant-Speisekarte! Der Aufwand war enorm und die Besucher wussten es zu schätzen: Grillhendl, Gyros, Bratwurst, Käsekrainer, Pommes, Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Pommes, Gebäck und verschiedene Salatbeilagen standen ebenso auf der Karte wie selbstgebackene Mehlspeisen, Kaffee oder Popcorn. Die Wartezeiten hielten sich trotz langer Schlangen in Grenzen, denn Katarina und Gabriel sowie ihr Team haben jahrzehntelanger Erfahrung in der Gastronomie und gehören zu den guten Seelen am Flugsplatz Spitzerberg.
Die eigentliche Flugschau begann sowohl am Samstag als auch am Sonntag um 14 Uhr, zunächst mit Modellflugvorführungen, danach folgte das "Großgerät". Am Nachmittag gab es dann die Verlosung der Tombola-Preise.
Bevor nun die Bilder Kunde vom Flugplatzfest 2026 geben, lassen wir noch die Verantwortlichen des Flugsportzentrums Spitzerberg selbst zu Wort kommen, die einen Dank an alle Beteiligten richten: "Unser besonderer Dank gilt all jenen Menschen, die meist nicht im Rampenlicht stehen, ohne die ein Fest dieser Größenordnung jedoch nicht möglich wäre: unseren freiwilligen Helferinnen und Helfern, von denen viele selbst Pilotinnen und Piloten sind. Sie leisteten unverzichtbare Arbeit bei der Vor- und Nachbereitung, in der Parkplatzorganisation, im Sicherheitsteam, beim Follow-Me-Busboarding, bei Vorfeldbegleitungen, der Einteilung und Abfertigung der Schnupperflüge, als Notfallorganisation von Feuerwehr und Rettung, im technischen Support sowie in vielen weiteren Bereichen. Ebenso danken wir unseren Controllerinnen und Controllern am Turm für den reibungslosen Flugbetrieb, unseren Sponsoren, den Rundflugpilotinnen und -piloten sowie unserer professionellen Organisationsleitung."
Fotoimpressionen vom 26. 9. (nicht in chronologischer Reihenfolge):




















































































































Fotoimpressionen vom 27. 9. (nicht in chronologischer Reihenfolge)

















































































































Text & Fotos: Patrick Huber