Reportagen

Das Flugsportzentrum Spitzerberg als "Fliegendes Klassenzimmer"

Erfahrene Piloten bescherten den jungen Damen und Herren des Akademischen Gymnasiums Wien einen unvergesslichen Tag - alle Fotos: www.der-rasende-reporter.info

Sich einmal in die Lüfte erheben, die Schwerkraft überwinden, frei wie ein Adler über die Wiesen und Felder zu schweben, die Welt aus der Vogelperspektive betrachten - dieser alte Menschheitstraum wurde für 19 Schülerinnen und Schüler des Akademischen Gymnasiums Wien diese Woche wahr. Möglich gemacht hat das die Segelflugschule Spitzerberg.

Das Flugfeld Spitzerberg - Sehnsuchtsort vieler Flieger und immer einen Besuch wert. Eines der ältesten Flugfelder Österreichs. Seit 1924 wird in der Region Flugsport betrieben. Den engagierten Fliegerinnen und Fliegern der am Platz ansässigen Vereine ist die Nachwuchsarbeit ein besonderes Anliegen. So nimmt es nicht Wunder, dass hier regelmäßig junge Menschen preiswert auf Schnupperflügen in die Luft gehen können. Am gestrigen Donnerstag war es wieder soweit.

19 Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse des Akademischen Gymnasiums Wien (diese altehrwürdige Bildungseinrichtung brachte zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hervor, darunter Salomon Frankfurter oder Joseph Hyrtl) sowie 2 Begleitpersonen aus den Reihen des Lehrkörpers fanden sich bei herbstlichem Wetter auf dem Gelände des Flugsportzentrums Spitzerberg ein, wo sie von Vertretern der Segelflugschule Spitzerberg herzlich in Empfang genommen wurden. Die Anreise der Gruppe war übrigens besonders nachhaltig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt und der Segelflugsport ist überhaupt die umweltfreundlichste und leiseste Art und Weise des Fliegens.

Segelfliegen ist Teamwork - schließlich braucht es viele helfende Hände, um das Flugzeug nach der Landung wieder zurück zur Startposition zu bringen.
Die Schülerinnen und Schüler packten fleißig mit an.

Nach dem Empfang und dem ersten Kennenlernen ging es dann mit mehreren Fahrzeugen auch gleich hinaus aus Flugfeld, wo schon zwei Segelflugzeuge warteten - eine klassische ASK-13 und eine moderne ASK-21. Bevor es losging, stellten sich die Piloten (mehrere Piloten wechselten sich auf den Flügen ab) ihren jungen Passagieren vor, denn natürlich war bei dem einen oder anderen Fluggast verständlicherweise eine gewisse Nervosität vorhanden - die aber rasch verflog, im wahrsten Sinne des Wortes. "Ur geil!", "Super!", "Cool!", "Wahnsinn!" Mit diesen und anderen sinngemäß gleichlautenden Attributen beschrieben die 17- bis 18-Jährigen das Flugerlebnis nach der Landung. 

Pilot und Passagier im entspannten Gespräch vor dem Flug.
Ein Windenstart ist ein spektakuläres Erlebnis, das man nicht alle Tage hat.
Flughelfer (selbst ausgebildete Pilotinnen und Piloten) hängten das Windenseil ein. Segelfliegen benötigt Gemeinschaftssinn und schult den Charakter.
Windenstart der ASK-21 - im Hintergrund die Gebäude des Flugsportzentrums Spitzerberg, die teilweise schon Ende der 1920er Jahre errichtet wurden.

Am Ende gingen auch noch ihre Begleitpersonen - eine Professorin und ihr Kollege - in die Luft und waren gleichfalls begeistert. Als Erich Kästner im Jahr 1933 sein erfolgreiches Kinder- und Jugendbuch "Das fliegende Klassenzimmer" veröffentlichte, hätte sich der große Schriftsteller wohl kaum träumen lassen, dass sich eines der traditionsreichsten und ältesten Flugfelder Österreichs - der Spitzerberg - fast 100 Jahre später tatsächlich in ein solches verwandeln würde.

Angesichts der Begeisterung der Schüler wäre es nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere das Flugplatzfest am 26. und 27. September besuchen oder sich demnachst gar für die Pilotenausbildung bei der Segelflugschule Spitzerberg anmelden würde.

Weitere Fotoimpressionen

Die Schleicher ASK 13 absolvierte ihren Erstflug vor 60 Jahren. Zwischen 1966 und 1980 wurden rund 700 Exemplare gebaut, von denen ein großer Teil noch heute bei Flugsportvereinen im Einsatz ist.
Mit der Ausbildung zum Segelflugpiloten kann man bereits mit 14 Jahren beginnen - sofern die körperliche sowie die geistige Reife gegeben ist und die Eltern und die Flugschule zustimmen. Die Schülerinnen und Schüler waren bei ihren Schnupperflügen am Spitzerberg mit 17 oder 18 Jahren schon deutlich älter.
Kompetenz, Ruhe und Besonnenheit sind die Eckpfeiler eines sicheren Flugbetriebes. Vor jedem Start kontrollierten Piloten, ob die Gurte der jungen Passagiere auch korrekt angelegt waren.
Blick ins Cockpit der ASK-13: Variometer, Fahrtmesser, Höhenmesser. Mehr braucht es nicht. Fliegen wie die Pioniere ...
Schon junge Piloten (links) übernehmen am Spitzerberg Verantwortung. Der Segelflug ist ein preiswerter Einstieg in den Flugsport und darüber hinaus noch besonders umweltfreundlich.
Unter den Burschen und Mädchen herrschte beste Laune.
Josef Schoderitz von den Spitzerberger Segelfliegern im Gespräch mit einer der Frau Professorin.
Jeder muss mit anpacken. Wer Segelflieger ist, der weiß, warum es FlugSPORTheißt.
Auch die beiden Begleitpersonen des Lehrkörpers halfen tatkräftig mit.
ASK-21 mit ausgefahrenen Bremsklappen im Endanflug. Dieser Typ befindet sich seit 1979 in Produktion. Bisher wurden mehr als 1.000 Maschinen gefertigt.

Text & Fotos: Patrick Huber