Punktlandung

"Hals- und Beinbruch": Wenn der Sportler nach dem Hubschrauber ruft

"Stille Weihnachtsfeiertage" stehen für die heimische Flugrettung auch heuer vermutlich nicht vor der Türe. Um dem erhöhten Winter-Einsatzaufkommen, schwerpunktmäßig natürlich im alpinen Bereich, nachzukommen, verstärkt das "Heli Ambulance Team" mit 6 Maschinen den Einsatzbetrieb.

Der Wintersport boomt; Österreich gilt als Eldorado für Bergsportler, die von der weißen Pracht unter den "Brettl'n" nicht genug bekommen können. Doch für so manchen Enthusiasten endet das sportliche Vergnügen mit einem Unfall auf der Piste. Dann ist rasche Hilfe gefragt. Während in einigen exponierten alpinen Geländeabschnitten eine terrestrische Rettung kaum oder gar nicht möglich wäre, spielt auch auf der vielbevölkerten Skipiste der Hubschrauber - selbst bei nicht lebensbedrohlichen Verletzungen - den Trumpf der Schnelligkeit aus. Zudem kann der Notarzt, welcher bei Österreichs Flugrettungsmaschinen immer zur Besatzung gehört, bereits an Ort und Stelle mit wichtigen medizinischen Maßnahmen, unter anderem auch der Schmerzbekämpfung, beginnen.

SHS Notarzthubschrauber im Einsatz - Foto: SHS
SHS Notarzthubschrauber im Einsatz - Foto: SHS

Zusätzlich zu den Helikoptern, die das gesamte Jahr über im Einsatz sind, gesellen sich im geschäftigen Winterbetrieb einige Maschinen hinzu. Der größte Teil, 6 Hubschrauber, kommt dabei vom "Heli Ambulance Team". Es betreibt die Maschinen "Alpin 1" (Patergassen/K), "Alpin 2" (Sölden/T), "Alpin 3" (St. Anton/T), "Alpin 5" (Hintertux/T), "Gallus 1" (Zürs/V) und "Alpin Heli 6" (Zell am See/S) bis zum Ende der klassischen Wintersportsaison, standortabhängig etwa bis April/Mai 2013. Das Tiroler Unternehmen SHS stellt mit "Heli 1" eine Maschine in Waidring (T) bereit.

Gallus 1 startet aus Zürs (V) - Foto: Wucher Helicopter
Gallus 1 startet aus Zürs (V) - Foto: Wucher Helicopter

Auch das burgenländische Unternehmen FlyMed, welches vor zwei Jahren in Oberösterreich mit dem Hubschrauber "Airmed 2" eine strategisch-wirtschaftliche Bruchlandung erlitten hatte, ist in Kärnten mit von der Partie: "Airmed 1" fliegt seit vorgestern bis 1. April 2013 in der Region Nassfeld (K). Interessant: Während die übrigen Flugrettungsmaschinen in Österreich jeweils über den Notruf der Rettung (144) oder Bergrettung (140) angefordert und koordiniert werden, "wirbt" FlyMed mit einer eigenen "Notruf-Handynummer". Dahinter dürfte sich jedoch erwartungsgemäß kein Leitstellenbetrieb befinden, denn auf der Website des Unternehmens wird der vorsorgliche Ratschlag erteilt: "Falls unter dieser Notrufnummer niemand erreichbar ist, befindet sich Airmed 1 im Einsatz. In diesem Fall wird empfohlen, die Notrufnummer 144 zu wählen."

Alle genannten Betreiber fliegen aktuell mit Notarzthubschraubern vom Typ Eurocopter EC135. In Westösterreich kann man hingegen auch während der Wintersaison gelegentlich eine rot-gelbe Agusta 109E erblicken. Unter dem Rufnamen "Robin 1" startet ein Hubschrauber aus Schruns (V), "Robin 3" hebt direkt aus dem Skigebiet Ischgl (T) ab. Diese Maschinen gehören der Schenk Air, welche auch in Verbindung mit dem gleichnamigen Schrunser Sanatorium steht, das besonders auf Sportverletzungen spezialisiert ist.

Agusta 103E der Schenk Air - Foto: Schenk Air
Agusta 103E der Schenk Air - Foto: Schenk Air

Heli Austria, vormals Knaus, startet im Winter-Saisonbetrieb aus Saalbach (S) mit "Martin 6", einem MD902 Explorer. Dieser Helikoptertyp ist vor allem wegen seines fehlenden Heckrotors (NOTAR-System) auffallend.

MD902 Explorer - Foto: Heli Austria
MD902 Explorer - Foto: Heli Austria

38 Einsatzmaschinen von 8 Betreibern stehen insgesamt während der Wintermonate in der Alpenrepublik bereit. Unterm Strich läuft das Wintersport-Geschäft für die Flugrettung nicht schlecht: Freizeit-Alpinunfälle werden nämlich von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlt. Die ansonsten pauschalierten Sätze bzw. die Direktverrechnung kommen also nicht zur Anwendung. Jeder Bergfex ist daher gut beraten, eine entsprechende zusätzliche Versicherung abzuschließen. Diese wird beispielsweise über Automobilclubs, Kreditkarten oder eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung angeboten und schützt so vor immensen Kosten, die ansonsten nach einem Flugrettungseinsatz am Berg ein weiteres unschönes Souvenir bringen können: zwischen 1.500 und 7.000 Euro kann so ein Rettungsflug ausmachen, in Einzelfällen können auch 12.000 Euro zu Buche schlagen.

Christophorus 4 bereitet eine Taubergung auf der Maukspitze vor - Foto: ÖAMTC/Christophorus 4
Christophorus 4 bereitet eine Taubergung auf der Maukspitze vor - Foto: ÖAMTC/Christophorus 4

Die Anzahl der Verletzten, welche nach einem Wintersportunfall zu versorgen waren, ist seit vier Jahren zwar rückläufig, dennoch landeten im Vorjahr fast 55.000 "Pistenflitzer" im Krankenhaus. Und dabei spielt sehr oft Selbstüberschätzung eine große Rolle, sind Experten sich einig. Mit der richtigen Portion Augenmaß, gegenseitiger Rücksichtnahme und Beachtung der 10 FIS-Regeln ist man jedenfalls für das unfallfreie Schneevergnügen bestens gerüstet, so dass der Winterspaß nicht in einer Form endet, die ein Tiroler Flugretter schmunzelnd als "österreichische Variante von Helicopter-Skiing" bezeichnete: "Mit den Skiern auf den Berg, und dann per Helikopter ins Spital...!"

(red Aig / Titelfoto: ÖAMTC)

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.