Hunderte Piloten und Flugbegleiter internationaler Fluggesellschaften sind durch den am Samstag ausgebrochenen Iran-Krieg in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens gestrandet. Der Flugverkehr von und nach Israel, Dubai, Abu Dhabi und Co ist vollständig eingestellt. In den Zentralen der betroffenen Fluglinien wurde seit Samstag intensiv daran gearbeitet, die Mitarbeiter zurück zu holen. Betroffen sind unter anderem KLM, British Airways und verschiedene Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe. Heute entsandten KLM und British Airways Flüge, um ihre Mitarbeiter von Muscat (Oman) aus in die Heimat zu repatriieren. Der Flughafen Muscat ist einer der wenigen in der Region, der noch mit vertretbarem Risiko angesteuert werden kann. Viele Airlines haben trotzdem - aus Sicherheitsgründen - die Flüge von/nach Muscat eingestellt.
AUA im Auftrag der Lufthansa-Gruppe im Einsatz
Die Lufthansa Gruppe setzte einen Airbus A320neo in Marsch. Das Flugzeug mit der Kennung OE-LZN startet um 10:55 Uhr als Flug OS 1006 von der Piste 29 des Flughafens Wien und erreichte nach etwas mehr als sechs Stunden Flugzeug um 20:03 Uhr den Flughafen Muscat.
Um 22:53 Uhr startete die OE-LZN wieder und befindet sich derzeit auf dem Flug nach Wien. An Bord befinden sich Mitarbeiter von Airlines der Lufthansa Gruppe. Das bestätigte auch AUA-Sprecherin Barbara Greul offiziell.
Die Maschine wird voraussichtlich zunächst das ägyptische Hurghada ansteuern, um dort einen Tankstopp einzulegen, ehe sie die Reise nach Wien fortsetzt. Die Landung in Wien wird zwischen 5 und 6 Uhr Lokalzeit erwartet. Eine Änderung der Flugroute aufgrund aktueller Entwicklungen ist jedoch jederzeit möglich, denn Sicherheit steht bei Austrian Airlines an oberster Stelle. Üblicherweise bestehen die Besatzungen auf der derartigen Spezialflügen ausschließlich aus Freiwilligen - in Cockpit und Kabine.
A320neo
Der A320neo ist ein hochmodernes zweistrahliges Mittelstreckenverkehrsflugzeug. Das Flugdeck ist für 2 Piloten ausgelegt und verfügt über 1 bis 2 Beobachtersitze, abhängig vom Wunsch der Kundenairline. Die AUA betreibt fünf A320neo, die über 180 Sitzplätze in der Konfiguration 3+3 verfügen. Angetrieben werden die A320neo der AUA von Pratt & Whitney, PW1127-G-JM Turbinen. Das maximale Startgewicht beträgt etwa 77 Tonnen, die Treibstoffkapazität 19,1 Tonnen. Laut Angaben von Airbus liegt die Reichweite des A320neo bei etwa 6.200 Kilometer, wobei die tatsächliche Reichweite von zahlreichen Fakten abhängig ist - etwa von der Beladung und den Windverhältnissen.
Hintergrund
Medial (unter anderem auf Social Media) ist teilweise Empörung darüber zu hören, dass die AUA "nur" die Mitarbeiter der Lufthansa-Gruppe zurückholt, doch bei einer nüchternen Betrachtung ist das völlig logisch. Als Arbeitgeber haben die Airlines erstens eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihrem Personal und zweitens wäre es auch schlichtweg unmöglich, zigtausende gestrandete Urlauber (allein in Dubai sollen 20.000 ausländische Touristen festsitzen, von den anderen betroffenen Ländern ganz zu schweigen) auf die Schnelle mit Sonderflügen via Muscat zu evakuieren - zumal diese Menschen auch alle erst einmal nach Muscat kommen müssten. Die anderen Airlines verfahren ebenso und evakuieren im ersten Schritt ausschließlich ihr Personal.
Außerdem kann sich die Sicherheitslage binnen Stunden drastisch verändern - und dann wäre möglicherweise auch der gegenwärtig noch nutzbare Flughafen von Muscat nicht mehr sicher.
Text & Foto: Patrick Huber