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Jahrelang unterstützte die AUA - eine der sichersten Fluglinien der Welt, die in ihrer gesamten Nachkriegs-Geschichte lediglich einen tödlichen Absturz zu verzeichnen hatte, das von Dr. med. David Grabriel gegründete Programm MED ON BOARD. Die Kurse sind weit weit mehr als Notarzt-Refresher, sie bereiten Mediziner, Krankenpfleger, Krankenschwestern und Sanitätspersonal auch gezielt darauf vor, auf medizinische Notfälle an Bord von Verkehrsflugzeuge zu reagieren.
Jedes Jahr reisen mehr als 4,5 Milliarden Menschen mit dem Flugzeug. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich rund 3 Millionen Passagiere in der Luft. Monatlich kommt es an Bord von Verkehrsflugzeugen bis zu 30.000 medizinischen Notfällen. Reicht die Hilfe der Kabinenbesatzung nicht aus, wird medizinisches Personal unter den Passagieren ausgerufen. Zwar sind Flugbegleiter (die AUA qualifiziert ihre Cabin Crews sogar über das gesetzliche Mindestmaß hinaus) in erweiterter Erster Hilfe geschult, dennoch haben sie nicht die fachliche Qualifikation von medizinischem Personal.
In rund 75 % aller Flüge befindet sich eine Arzt, diplomiertes Krankenpflegepersonal oder Sanitätäspersonal an Bord – Menschen, die sich auf einer privaten Reise befinden und im Ernstfall nicht nur bereit, sondern auch verpflichtet sind zu helfen. Doch die medizinische Versorgung in einem Flugzeug stellt selbst erfahrene Helfer:innen vor außergewöhnliche Herausforderungen: beengte Platzverhältnisse, eingeschränkte medizinische Ausrüstung, laute Geräuschkulisse sowie die große zeitliche und räumliche Distanz zur nächsten professionellen medizinischen Versorgung.
Die Fort- und Ausbildungen bei den Kursen von MED ON BOARD werden von den Teilnehmern selbst finanziert. Doch durch die unerwartet massiv gestiegenen Mietkosten seitens des langjährigen Partners Austrian Airlines musste die Fortführung dieses Ausbildungsprogramms eingestellt werden.
Sollten diese Trainings von MED ON BOARD allerdings nicht mehr stattfinden können, verliert Österreich ein einzigartiges und international anerkanntes Fortbildungsangebot, von dem letztlich tausende Flugpassagiere profitieren.
Die Teilnehmer der beiden letzten MED ON BOARD Kurse riefen deshalb jetzt eine Online-Petition ins Leben, um das Projekt Med on Board zu retten.
"Wir appellieren an die Verantwortlichen der Lufthansa Gruppe, gemeinsam eine wirtschaftlich tragfähige Lösung zu finden, damit diese einzigartigen und lebensrettenden Trainings auch künftig durchgeführt werden können. Begründung Immer mehr Menschen verreisen mit dem Flugzeug, wobei auch das Alter der Passagiere steigt. Ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen sind auf Flugreisen besonders gefährdet."
Mit Stand 21. Juli 2026 haben bereits mehr als 440 Menschen diese Petition unterschrieben und die zahlreichen Kommentare - mehr als 200 an der Zahl - sprechen für sich.
Auf Anfrage des Autors wollte sich MED ON BOARD Gründer Dr. med. David Gabriel nicht zu der Causa äußern.
Es ist nicht das erste Mal, das die AUA in letzter Zeit in der Kritik steht. Rund um den 35. Jahrestag des Absturzes der Lauda Air Boeing "Mozart" wurde bekannt, dass die AUA sich weigert, die Kosten für die Gedenkstätte in Thailand zu tragen, obwohl sie als Gesamtrechtsnachfolgerin laut Ansicht mehrerer Juristen rechtlich ganz klar dazu verpflichtet ist. Die AUA hatte die zu diesem Zeitpunkt insolvenzreife Lauda Air Anfang der 2000er-Jahre auf Druck der Politik übernehmen müssen, um sie zu retten - siehe dazu auch das entsprechende Kapitel über die Geschichte der Lauda Air in meinem Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe".
Ob es in Sachen MED ON BOARD eine Lösung gibt, bleibt abzuwarten. Die weitere Unterstützung des Projektes durch Austrian Airlines wäre jedenfalls ein aktiver Beitrag zur Sicherheit an Bord. Ein Beitrag, den sich die AUA als eine der sichersten Fluglinien der Welt stolz auf ihre Fahnen schreiben könnte. Immerhin machte sich die AUA in der Vergangenheit hier einen guten Namen und hatte - nur ein Beispiel - ihre eigene Flotte sehr früh mit Defibrillatoren ausgerüstet, obwohl diese Geräte überhaupt nicht Pflicht sind. Bei einem Projekt wie MED ON BOARD zu sparen, wäre definitiv der falsche Ansatz für ein renommiertes Qualitätsunternehmen wie die Austrian Airlines.
Text: Patrick Huber
Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.