Österreich –

Innovatives System: Turbulence Solutions präsentierte Entwicklung am Flughafen Wien

Alle Fotos: www.der-rasende-reporter.info

Österreich hat nicht nur eine große Luftfahrttradition, sondern auch viele kluge und innovative Köpfe. Einige von ihnen riefen Turbulence Solutions ins Leben. Das Ziel des Unternehmens: Die Auswirkungen von Turbulenzen beim Fliegen zu reduzieren. Jetzt stellte Turbulence Solutions seine zur Serienreife gelangte Entwicklung namens TCS im VIP-Terminal am Flughafen Wien vor. Ein Bericht von Patrick Huber / www.der-rasende-reporter.info für Austrian Wings.

Vor acht Jahren gründete der studierte Diplomingenieur András Gálffy das Unternehmen Turbulence Solutions und holte Robert Mühlbacher als Head of Product & Certification sowie den Unternehmensberater Oliver Breiteneder, seines Zeichens Präsident der Flugschule FlyLinz an Bord. Die Vision der drei Macher: Die Auswirkungen von Turbulenzen beim Fliegen deutlich zu reduzieren, vor allem bei Kleinflugzeugen, wo diese Luftverwirbelungen den Komfort der Flugreise erheblich beeinträchtigen. Was folgte, waren viele Jahre intensiver Forschung. In dieser Zeit wuchs das Team auf gut 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die meisten von ihnen Studenten oder Absolventen der Technischen Universität Wien oder Graz. Insgesamt ist die Belegschaft recht jung und man merkt das Feuer, das in ihr brennt.

Mittlerweile hat das Produkt Turbulence Cancelling System, kurz TCS, Serienreife erreicht, wobei die Forschung und Entwicklung weiter fortgesetzt wird. Das System kann serienmäßig mit dem hochmodernen Flugzeugmodell Shark, das im slowakischen Senica (von diesem Flugplatz startet auch das Retro Sky Team für seine Auftritte bei der jährlichen "Sahara") gefertigt wird, bestellt werden. Dieser Typ war 2025 der weltweit erste überhaupt, der mit TCS ausgestattet wurde.

Die Shark ist ein Zweisitzer mit Tandem Cockpit, das mit einer ergonomischen HOTAS-Steuerung (Hands On Throttle And Stick), sowohl im vorderen als auch im hinteren Cockpit ausgestattet ist. Die linke Hand bedient den Leistungsregler die rechte den als Sidestick ausgelegten Steuerknüppel. Das Cockpit des Flugzeuges mutet ein wenig wie das der F-16 an.

Die unternehmenseigene Shark.
Dies in Privatbesitz befindliche Avion Colomban MC30 Luciole ist versuchsweise ebenfalls mit TCS ausgestattet.
Ebenso wie diese Robin.
An jeder Tragfläche ist ein derartiger Sensor integriert. Er misst die Luftströmung und berechnet, welche "Gegenmaßnahmen" die Klappen an der Hinterkante der Tragfläche zur Reduktion der Auswirkungen der Turbulenzen durchführen müssen.
Die "Testflotte" auf dem GAC-Vorfeld am Flughafen Wien.
Verschiedene Bauteile von TCS.

Eine solche Shark (OE-7992) dient als logische Konsequenz auch als unternehmenseigener Versuchsträger für TCS. Zusätzlich sind derzeit zwei weitere in Privatbesitz befindliche Flugzeuge, eine Robin DR400 (OE-DTC) und eine Avion Colomban MC30 Luciole (OE-CRG), damit ausgestattet. Die drei Flugzeuge waren im Rahmen der Präsentation auch auf dem Flughafen Wien zu Gast und konnten besichtigt werden.

Die Funktionsweise des TCS  ist in der Theorie recht einfach: Sensoren messen die einströmende Luft und berechnen daraus die bevorstehenden Turbulenzen. Auf Basis dieser Messergebnisse werden Klappen an der Tragfläche aktiviert, die gegensteuern. Das reduziert die spürbaren Auswirkungen der Turbulenzen laut Angaben von Turbulence Solutions um bis zu 80 Prozent. 

Turbulence Solutions hatte im Rahmen der Produktpräsentation einen Simulator der Shark mit Motion System aufgebaut und so konnten sich die Gäste (unter ihnen - neben Laien -auch aktive und ehemalige Piloten) selbst von der Wirksamkeit des Systems überzeugen - tatsächlich trat eine spürbare Reduktion der gefühlten Turbulenzen ein. TCS kann vom Piloten während des Fluges jederzeit manuell de- bzw. aktiviert werden. Bei Belastungen von über 2G und/oder einer Geschwindigkeit von weniger als 80 Knoten deaktiviert sich TCS automatisch. Flughafen Wien Vorstand Günther Ofner überzeugte sich ebenfalls vom System und würdigte den Innovationsgeist der Entwickler.

Firmengründer András Gálffy.
Das Führungs-Trio: András Gálffy (rechts), Oliver Breiteneder (Mitte) und Robert Mühlbacher.
Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, war sichtlich beeindruckt.
Die Gäste konnten im Simulator selbst "abheben" und das System testen.
Das TCS wird über zwei Schalter gesteuert.

Projekte wie dieses zeigen schließlich, dass es in Österreich trotz aller unternehmerfeindlicher Bürokratie zum Glück noch immer Firmen gibt, die durch Weitblick und unkonventionelle Ideen überzeugen. Ob sich TCS durchsetzen wird, das wird der Markt weisen. Aber wenn das System im echten Flugzeug nur halb so gut funktioniert wie im Simulator dürfte es auf absehbare Zeit wohl durchaus viele Interessenten dafür geben. Die Zertifizierung von TCS für weitere Flugzeugtypen ist jedenfalls schon in Planung.

Text & Fotos: Patrick Huber