Reportagen

Fotobericht: 40.000 Menschen beim Jubiläumsfest "100 Jahre Flugplatz Altenrhein"

Hubschrauber waren beim Jubiläumsfest ebenfalls vertreten - Titelbild: Johannes Bauer; alle weiteren Fotos: Johannes Bauer & Thomas Ebner / bildwest

Volksfeststimmung am vergangenen Wochenende, knapp 40.000 Besucherinnen und Besucher und beeindruckende Bilder am Himmel: Beim Jubiläumsfest zum 100. Geburtstag des Flugplatzes St.Gallen-Altenrhein waren faszinierende Luftfahrtgeschichte, spektakuläre Flugvorführungen und die grenzüberschreitende Bedeutung des Standorts hautnah zu erleben. Für Austrian Wings reiste Johannes Bauer nach Altenrhein.

100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein – dieses Jubiläum wurde drei Tage lang mit einem Programm gefeiert, das der Geschichte und der Bedeutung des Standorts mehr als gerecht wurde. Am Samstag und Sonntag strömten die Menschen in grosser Zahl nach Altenrhein: Knapp 40.000 Besucherinnen und Besucher wurden auf dem Flugplatzgelände gezählt, am Samstag meldeten die Veranstalter um Raphael Widmer-Kaufmann vom Verein "100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein" und OK-Präsident Roland Müller "ausverkauft". Zahlreiche Menschen verfolgten das Geschehen in der Luft auch außerhalb des Veranstaltungsgeländes – auf den umliegenden Hügeln, am See oder zu Hause im Garten oder auf dem Balkon. Die Stimmung war großartig.

Replika der Junkers A 50.
Replika der Junkers F-13 im Flug. Auch die AUA-Vorgängerin ÖLAG setzte diesen Typ ein. Mit einer F-13 wurde der historische Erstflug im Jahr 1923 durchgeführt. Die F-13 war das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt. Die Piloten saßen im offenen Cockpit, die Passagiere in einer geschlossenen Kabine.

Dass der Flugplatz Altenrhein weit über die Region hinaus Bedeutung hat, zeigte sich auch bei den zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Führende Vertreter aus der Ostschweiz, Vorarlberg und Liechtenstein unterstrichen bei ihrem Besuch die grenzüberschreitende Bedeutung des Standorts. "Er liegt in einer Region, die stark nach außen orientiert ist und viel Export sowie Handel treibt. Altenrhein ist ein Tor zur Welt und doch überschaubar und nah", sagte der Ostschweizer Regierungsrat Beat Tinner. Auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner und Liechtensteins Landtagspräsident Manfred Kaufmann würdigten die herausragende Bedeutung des Flugplatzes für die Region.

In Altenrhein befindet sich auch ein einzigartiges Luftfahrt- und Fahrzeugmuseum.

Was einst als Arbeitsplatz in schwierigen Zeiten begann, hat sich in den vergangenen 100 Jahren zu einem wichtigen Umschlagplatz für Wirtschaft, Politik und Bevölkerung entwickelt. Das Jubiläum machte diese Entwicklung sichtbar – und zeigte gleichzeitig, wie eng der Flugplatz mit den Menschen in der Region verbunden ist.

Am Freitag, dem Trainingstag, war das Wetter noch nicht ganz optimal.
Die legendäre Alouette III.
Antonov An-2, der größte einmotorige Doppeldecker der Welt.
Oldies, but Goldies ...
Ein Modell der Dornier Do X im Museum.
Flugzeuge des österreichischen Herstellers Diamond Aircraft durften in Altenrhein natürlich auch nicht fehlen.
Bell 212 des Bundesheeres.
Bell 205 - der legendäre Huey - mit ziviler deutscher Kennung.
Top-moderner H145 der Schweizer REGA.

Faszinierende Patrouille Suisse
Diese Verbundenheit war während der Festtage überall spürbar. Besonders eindrücklich wurde sie bei den Flugvorführungen. Wenn die Patrouille Suisse mit ihren präzisen Formationen und perfekt choreografierten Manövern über dem Flugplatz ihre Kreise zog, blieb den Zuschauern buchstäblich der Atem weg. Für die Schweizer Luftwaffe und ihre zahlreichen Fans war der Auftritt in Altenrhein zugleich ein emotionaler Moment: Die Patrouille Suisse war letztmals in ihrer gewohnten Formation in der Ostschweiz zu sehen. Umso größer war die Begeisterung des Publikums.

Die DC-3 (hier die militärische Version C-47) gilt als Ikone der Luftfahrt.
Beech 18
DC-3/C-47 und Beech 18 in Formation. Ein Bild, das auch aus den 1950ern stammen könnte.
Junkers-Formation
P-38 der Flying Bulls.
Die Menschenmassen waren begeistert.
Die Tage der Patrouill Suisse sind leider gezählt. In Altenrhein hatten sie noch einen ihrer begehrten Auftritte.

Nach ihrem Auftritt waren die Piloten bei einer Autogramm- und Selfiestunde ganz nah bei den Besucherinnen und Besuchern. Sie mischten sich unter das Publikum und sorgten damit für Begegnungen, die vielen Gästen ebenso in Erinnerung bleiben dürften wie die spektakulären Bilder am Himmel.

Der Super Puma der Schweizer Luftwaffe zeigte eindrücklich, wie wendig und präzise er trotz seiner Größe eingesetzt werden kann. Er erreicht eine Geschwindigkeit von rund 250 km/h, bietet Platz für bis zu 24 Menschen und kann bis zu viereinhalb Tonnen Außenlast tragen. Angetrieben wird er von zwei Triebwerken mit je ca. 1'700–1'900 PS. Noch zwei weitere beeindruckende Zahlen: 18,7 Meter Länge und 15,6 Meter Rotordurchmesser.

Internationale Akzente setzten unter anderem die Flying Bulls aus Salzburg mit ihren historischen Flugzeugen. Die North American P-51 Mustang und die kunstflugfähige Bo 105 gehörten zu den besonderen Attraktionen. Ebenfalls für Begeisterung sorgte die Classic Formation mit der legendären DC-3 und drei Beechcraft Model 18.

Wer verstehen möchte, weshalb Altenrhein seit einem Jahrhundert ein besonderer Ort der Luftfahrt ist, findet die Antworten nicht nur am Himmel. Sondern dort, wo diese Geschichte Tag für Tag bewahrt und weitergetragen wird: im Fliegermuseum Altenrhein. Das Fliegermuseum ist weit mehr als eine Sammlung historischer Flugzeuge. Es ist das Gedächtnis des Flugplatzes. Hier werden nicht nur Maschinen erhalten, sondern Erinnerungen, Wissen und fliegerische Traditionen. Ein Jahrhundert Schweizer Aviatik wird anhand jener Flugzeuge erzählt, die Altenrhein und seine Geschichte geprägt haben.

Das Besondere: Im Fliegermuseum bleibt Geschichte nicht am Boden. Die historischen Maschinen werden mit großer Sorgfalt restauriert, gewartet und regelmäßig geflogen. Deshalb gilt Altenrhein seit Jahren als eines der bedeutendsten fliegenden Museen Europas. Viele der fliegenden Perlen waren auch beim Jubiläum in der Luft zu erleben.

Lange Schlangen bildeten sich vor dem Flugzeug- und Fahrzeugmuseum von Bernhard Vonier, wo mit einer Sonderausstellung das Jubiläum gewürdigt wird. Lange Schlangen gab es auch bei der Anreise. Am Samstag brachte das Verkehrsaufkommen die Infrastruktur in der Region an ihre Grenzen. In guter Zusammenarbeit mit der Polizei gelang es, die Situation Schritt für Schritt in Griff zu bekommen. Am Sonntag konnte der Besucherandrang problemlos bewältigt werden.

Die Geduld lohnte sich. Darbietungen der Extraklasse waren ein sehr würdiges Geschenk zum 100. Geburtstag. Am Wochenende wurde in Altenrhein nicht nur ein Jubiläum gefeiert, sondern ein Stück regionaler und Schweizer Luftfahrtgeschichte. Die grosse Beteiligung und die Begeisterung des Publikums machten dabei eines besonders deutlich: Der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein ist weit mehr als ein Ort zum Starten und Landen. Der Flugplatz gehört zur Region – und die Region steht hinter ihrem Flugplatz.

Zur Geschichte des Flugplatzes Altenrhein
Der Luftfahrtpionier Claude Dornier steht in Altenrhein am Anfang einer bewegten Geschichte voller Leidenschaft und tiefer Verbundenheit mit der Region. Er ist in den Anfängen des 20. Jahrhunderts engster Mitarbeiter von Ferdinand Graf von Zeppelin und erhält in dessen Konzern eine eigene Abteilung, aus der schnell einer der großen Flugzeughersteller der damaligen Zeit entsteht: die Dornier-Werke. Das wohl spektakulärste Projekt des jungen Unternehmens ist die Entwicklung der legendären Do X – ein Wasserflugzeug mit Platz für 169 Menschen.

Ein echter Meilenstein für die Luftfahrtbranche. Mit einem für Dornier nicht unwesentlichen Haken: Der nach dem Ersten Weltkrieg geschlossene Friedensvertrag von Versailles verbietet, dass das spektakuläre Luftschiff in Deutschland und damit am Firmensitz in Friedrichshafen gebaut werden kann. Also schaut man sich am gegenüberliegenden Bodenseeufer um und wird auf Schweizer Seite in Altenrhein fündig. Dort errichtet er Produktionshallen und finanziert einen Flugplatz – die Geburtsstunde des heute von der People’s Air Group betriebenen Airports St.Gallen-Altenrhein.

Man schreibt den 18. März 1926, als der erste von über 11'000 Eisenbetonpfählen mit einer Länge von sieben bis zwölf Meter eingeschlagen wird – im sumpfigen Boden und mit den damaligen Möglichkeiten eine besondere Herausforderung. Zur Planierung werden nicht weniger als 180.000 Kubikmeter Erde bewegt. Unter erschwerten Bedingungen entsteht eine 600 Meter lange Graspiste, die ersten Linienflüge starten 1927 nach Basel, Innsbruck und München.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Name Dornier in Altenrhein Geschichte. Claudio Caroni benennt das Unternehmen in Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA) um. Bald darauf wird eine 1.200 Meter lange und 30 Meter breite Hartbelagpiste errichtet. Hintergrund ist ein Auftrag des Bundes für die Entwicklung eines Schweizer Kampfflugzeuges (Militärjet "P-16"). Viele Jahre sind der Bau und die Revision von Militärflugzeugen das Hauptgeschäftsfeld in Altenrhein. Erst 1988 beginnt mit der Rheintalflug Seewald GmbH die Ära der Linienflüge nach Wien (regulärer Betrieb ab 1991). Nach mehreren Eigentümerwechseln (Gautschi AG, Strikwerda, Dieter Bührle) ist Markus Kopf seit 2010 alleiniger Eigentümer und Betreiber des Flugplatzes sowie der gleichnamigen People’s Airline. 

Eines ist bis heute gleichgeblieben: Seit 1926 verbindet der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein Menschen und Regionen. Aus dem Pioniergeist der Anfangsjahre hat sich mit Leidenschaft und Engagement eine unverzichtbare Verkehrsinfrastruktur entwickelt. Der wirtschaftliche Aufschwung der Region ist untrennbar mit dem Flugplatz verbunden. Grund genug, 100 Jahre Luftfahrtgeschichte gebührend zu feiern.

Austrian Wings dankt den Veranstaltern für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung bei der Anreise.

(red / ACH)