Reportagen

Die große Fotoreportage: Sahara 2026 - Luftschlacht über Bir Hakeim

Einkurven zum "Dogfight", wie man Luftkämpfe auf kurze Distanz bezeichnet - alle Fotos: www.der-rasende-reporter.info

Bei der diesjährigen militärhistorischen Veranstaltung Sahara Slovakia legte das Retro Sky Team aus Kaschau/Kosice wieder einen fulminanten Auftritt hin. Die slowakischen Piloten waren Teil der Reenactment-Show, bei der die Schlacht um Bir Hakeim nachgestellt wurde.

Diesen Bericht widme ich meinem viel zu früh verstorbenen Freund und Kollegen Georg Mader. Durch ihn erfuhr ich seinerzeit erst von der Existenz der "Sahara Slovakia" und so manches Luftfahrt- oder Militärevent besuchten wir gemeinsam - zuletzt noch 2025. 

Am 7. und 8. August 2026 fand in der Slowakei nahe der Stadt Senica (Deutsch: Senitz) die Großveranstaltung "Sahara Slovakia" bereits zum 22. Mal statt. Der Termin im August ist seitens der Veranstalter ganz bewusst gewählt – als Reverenz an den Slowakischen Nationalaufstand, der vom 29. August bis zum 28. Oktober 1944 dauerte und der (neben dem jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 und dem Warschauer Aufstand der Polnischen Heimatarmee 1944) als eine der bedeutendsten Widerstandsaktionen gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft in Europa gilt.

Was vielen an Militärtechnik Interessierten aus ganz Europa als Pflichttermin gilt, ist für Luftfahrtfans ebenfalls absolut empfehlenswert. Die "Sahara Slovakia" ist nämlich eine Kombination aus Reenactment-Show, Oldtimer-Messe, eine Schau für historische Fahrzeuge (Pkw, Panzer, Lkw, Motorräder, Beiwagen-Maschinen, Einsatzfahrzeuge, etc ...), Volksfest für Familien und auch eine Flugschau. In der Slowakei gibt es - ebenso wie in der Tschechischen Republik - eine sehr aktive Szene, die sich mit Militärtechnik und der Nachstellung militärischer Ereignisse befasst – vom Mittelalter bis hin zur jüngeren Geschichte.

Ebenso lebendig ist die Luftfahrt-Community, es gibt deutlich mehr Flugplätze als beispielsweise in Österreich, obwohl die Slowakei weniger Einwohner hat. Ursprünglich als Treffen von Besitzern historischer Militärfahrzeuge und Angehörigen militärhistorischer Vereine ins Leben gerufen, entwickelte sich die "Sahara Slovakia" - sie fand 2012 erstmals statt - rasch zu einem richtigen Volksfest, das von ganzen Familien besucht wird. Die Veranstalter sprechen von "mehr als 10.000 jährlichen Besuchern". Sowohl die Teilnehmer als auch die Zuseher kommen dabei bei Weitem nicht nur aus der Slowakei und Tschechien, sondern reisen beispielsweise auch aus Ungarn, Polen, Deutschland, Österreich, Serbien oder sogar dem Baltikum (zB Estland!) an.

Im Static Display wurden auch heuer wieder historische Militär- und Zivilfahrzeuge aus den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, darunter auch seltene Exemplare aus dem ehemaligen Ostblock - bis hin zum Löschpanzer der Feuerwehr des militärischen Übungsgeländes in Zahorie. Mit dabei waren auch Schützen- und Kampfpanzer (T-72, Panzer 38), Hablkettenfahrzeuge sowie Geschütze und selbstfahrende Haubitzen.

Für Interessierte waren Mitfahrten in den gepanzerten und historischen Fahrzeugen sowie auf (Beiwagen-)Motorrädern möglich - etwas, das vor allem bei den Kindern für wahre Begeisterungsstürme sorgte. Die "Sahara Slovakia" machte ihrem Namen angesichts des sprichwörtlichen Kaiserwetters alle Ehre. Zwischen den Vorführungen nutzten die Besucher das gastronomische Angebot zu sehr vernünftigen Preisen (0,5 Liter Limonade um 2,50 Euro, 0,25 Liter Marken-Energy-Drink ebenfalls um 2,50 Euro), gingen an einem der zahlreichen Verkaufsstände shoppen (T-Shirts, Messer, Militaria, Pilotenjacken, Fliegerkombis, etc ...) oder informierten sich an den Ständen der militärhistorischen Vereine („Kluby vojenskej histórie”) sowie offizieller slowakischer Institutionen wie des Verteidigungsministeriums oder der Kriminalpolizei, die ebenfalls vertreten waren. Diese Vereine, von denen allein in Tschechien mehr als 200 existieren (in der Slowakei sollen es 60 bis 80 sein), genießen das Vertrauen des slowakischen Staates. Denn wer sich dort in irgendeiner Form politisch betätigt, riskiert seine Mitgliedschaft. Sowohl das Verteidigungsministerium der Slowakei als auch die Armee des Landes sind folglich offizieller Partner der "Sahara Slovakia", ebenso wie das Múzeum SNP – Múzeum Slovenského národného povstania –, das Museum des slowakischen Nationalaufstandes oder das Kriminaltechnische Institut der slowakischen Polizei.

Für mich am interessantesten waren jedoch die aviatischen Showeinlagen, die Teil der Nachstellung einer Schlacht aus dem Zweiten Weltkrieg waren. Heuer wurde die Schlacht um Bir Hakeim nachgestellt, auf Slowakisch und Deutsch kommentiert von Veranstaltungsdirektor Igor Balla. Diese Oase in der libyschen Wüste wurde von etwa 3.700 Soldaten der 1940 von General Charles de Gaulle in London gegründeten freien französischen Streitkräfte gehalten. Unterstützt wurden die französischen Verteidiger von britischen und britisch-indischen Truppen sowie der britischen Royal Air Force. Ihnen standen rund 40.000 Soldaten der italienischen Armee und des Deutschen Afrika Korps (DAK) gegenüber. Trotz zahlen- und materialmäßiger Überlegenheit brauchten die italienischen und deutschen Truppen vom 26. Mai bis zum 11. Juni 1942, um die Oase einzunehmen. Dadurch konnte der Vormarsch der Achsenmächte auf El Alamein empfindlich verzögert werden.

"Erwischt" - die vordere Maschine simuliert durch Pyrotechnik (Rauch), dass sie vom "Gegner" getroffen wurde.
Die Zlin Z-226T ist kunstflugtauglich. Querlagen von über 60 Grad gelten als "Kunstflug".
Bei den simulierten Luft-Boden-Attacken wurde zum Teil sehr tief geflogen. Sicherheit war dennoch das oberste Gebot. Diese Manöver fanden NICHT in Richtung des Publikums statt und die Piloten sind Profis.

Die Luftwaffen aller beteiligten Nationen spielten bei den Kämpfen eine bedeutende Rolle. Mit Junkers Ju 87 (der berühmte "Stuka") und zweimotorigen Ju 88 Bombern sowie italienischen Maschinen, bombten die Angreifer die Oase sturmreif. Die britischen Piloten wiederum attackierten die die deutschen und italienischen Flieger, deren Bomber von eigenen Jägern wie der Messerschmitt Me 109 geschützt wurden. An diesen Luftkämpfen war auch das deutsche Jagdflieger-Ass Hans-Joachim Marseille (†, 30. September 1942 im alter von 22 Jahren) beteiligt, das während der Kämpfe an einem einzigen Tag, dem 3. Juni 1942, in elf Minuten sechs Curtiss P-40 Jäger der auf Seiten Großbritanniens kämpfenden South African Air Force (SAAF) abschoss. Marseille galt als begnadeter Pilot, der dem verbrecherischen Nazi-Regime kritisch gegenüberstand. 1957 wurde sein Fliegerleben unter dem Titel "Der Stern von Afrika" verfilmt. Bei der Kino-Premiere war seine damals 65-jährige Mutter anwesend.

Kameras klickten, tausende Smartphones liefen im Videomodus ...

Bei Luftkämpfen und durch Abwehrfeuer vom Boden gingen während der Kämpfe um Bir Hakeim mehr als 100 britische Luftfahrzeuge und knapp 50 deutsche sowie italienische Flugzeuge verloren. In Frankreich wird des heroischen Widerstandes der freien Franzosen gegen die deutschen und italienischen Aggressoren noch heute jedes Jahr militärisch gedacht.

Bei der Nachstellung der Schlacht wurden die Luftkämpfe sowie die Boden-Luftangriffe durch drei Zlin Z-226T des slowakischen Retro Sky Team dargestellt. Diese Formation ist im ostslowakischen Kaschau/Kosice beheimatet und hat sich auf professionelle Auftritte bei Airshows und Reenactment-Veranstaltungen in ganz Europa spezialisiert. Obwohl die Z-226 keine originalen Maschinen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges sind, sind sie nicht minder historisch. Der Erstflug erfolgte 1955, die letzte von 364 gebauten Maschinen rollte 1961 vom Band. Damit sind die jüngsten der wenigen noch flugbereiten Maschinen immerhin auch schon stolze 65 Jahre alt. Schon allein diese Flugzeuge im Jahr 2026 in Aktion zu sehen, war die Reise in die Slowakei wert. Für die Dauer der "Sahara 2026" waren Piloten und Flugzeuge auf dem Flugplatz Senica (Letisko Senica) stationiert.

Bei der "Sahara 2026" boten die Piloten des Retro Sky Team wieder "Dogfight"-Einlagen vom Feinsten sowie simulierte Angriffe auf die "gegnerischen" Bodentruppen. Für die entsprechenden pyrotechnischen Effekte ("Bomben-Explosionen", "MG-Salven", Rauch aus dem "abgeschossenen" Flugzeug, etc ...) hatten die Profis von "E&D Pyro" aus Tešedíkovo (SK) gesorgt.

Die Nachstellung der Schlacht von Bir Hakeim inklusive der beeindruckenden Airshow des Retro Sky Team dauerte gut eine Stunde. Im Anschluss daran demonstrierten Soldaten der aktuellen slowakischen Streitkräfte militärischen Nahkampf ohne Schusswaffen.

Noch bis in den späten Nachmittag flanierten die internationalen Besucher über das Veranstaltungsgelände und genossen die einzigartige Atmosphäre der "Sahara Slovakia"

Weitere Fotoimpressionen

Enger Formationsflug erfordert hohes fliegerisches Können von den Männern im Cockpit.
Helme in verschiedenen Größen, aus so gut wie allen Armeen des ehemaligen Ostblocks, gingen verhältnismäßig günstig über die Verkaufstische.
Auch demilitarisierte Munition als Deko-Material. Wichtig: Was in Tschechien, der Slowakei oder Polen völlig problemlos erworben und besessen werden darf, kann in Österreich unter Umständen rechtliche Schwierigkeiten verursachen. Daher empfiehlt es sich für österreichische Sammler im Zweifelsfall vorher bei den zuständigen Behörden (Innen- oder Justizministerium) nachzufragen, was erlaubt ist und was nicht.
An Militärhelmen herrschte kein Mangel. Ein Motorradfahrer, der seinen Schutzhelm bei der Maschine gelassen hatte, meinte scherzhaft: "Wenn mir den jemand klaut, dann kaufe ich mir so einen alten Stahlhelm und fahre einfach damit zurück nach Hause."
Dieser Händler aus Serbien hatte auf seinem Auto die alte Flagge der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien platziert. Viele Junge kennen diese Fahne gar nicht mehr.
In lockerer Atmosphäre genossen die Besucher (vor allem die Kinder) Rundfahrten in Militärfahrzeugen.
Oldtimer- und Motorradfans kamen voll auf ihre Kosten.
Wehrmachtseinheiten rücken unter den Blicken des Publikums auf die fiktive Oase von Bir Hakeim vor.
Unter "Avanti, Avanti!"-Rufen stürmten die "Italiener" nach vorne.
"Franzosen" rücken vom fiktiven Bir Hakeim gegen die deutschen und italienischen Aggressoren vor.
Fast alle Darsteller waren Tschechen oder Slowaken. Trotzdem waren Rufe und Kommandos auf Deutsch, Italienisch und Französisch zu hören, da sich die Teilnehmer und größtmögliche historische Authentizität bemühten.
Die Rundfahrten in den historischen Motorradgespannen - hier ein Modell der russischen Marke Ural - waren begehrt.
Slowakische Polizei und Militärpolizei (Bild) sorgten für Sicherheit auf dem Veranstaltungsareal.
Panzer 38 aus tschechoslowakischer Produktion. Ein lebendiges Stück Zeitgeschichte.
Als dieser T-72 Kampfpanzer vorbeifuhr (das Modell wird aktuell auch im Ukraine-Krieg eingesetzt) vibrierte der Boden.
Spielende Kinder genossen den Tag in vollen Zügen.
Etliche Besucher und Teilnehmer hatten von Freitag auf Samstag auf dem Gelände campiert. Für sie standen mobile Waschbecken zur Körperpflege und für die Reinigung des Geschirrs bereit.
Dieser weibliche Reeanctor stellte eine Soldatin der Roten Armee dar.
Aktive Angehörige der slowakischen Streitkräfte.
Das Angebot vieler Verkaufsstände ließ Kinderherzen höher schlagen.
"Auferstanden aus Ruinen ..." - diese junge Deutsche aus Sachsen trug ein Schiffchen mit DDR-Logo.
Die Brutalität des Krieges war allgegenwärtig. "Living History" soll nicht nur unterhalten, sondern auch Wissen vermitteln - und nachdenklich machen. Mit Kunstblut und Attrappen von Extremitäten wurde das Leiden der Soldaten im Feldlazarett abgebildet.
"Kriegsgefangene" in einem Stacheldrahtverhau werden "bewacht".
Mit SAS ist in diesem Fall nicht die skandinavische Fluggesellschaft gemeint. Hier steht die Abkürzung für "Special Air Service", eine 1941 ins Leben gerufene Spezialeinheit der britischen Streitkräfte.
Britische Soldaten in Wüstenuniform des Zweiten Weltkrieges.
Dieser junge Tscheche aus der nordböhmischen Region Reichenberg (Tschechisch: Liberec) stellte einen Soldaten des US Marine Corps aus dem Jahr 1943 dar.
Wohl eine der jüngsten Darstellerinnen, die gemeinsam mit ihrer Mutter samt Jeep angereist war.
Die deutsche 8,8 Zentimer Flak, umgangssprachlich von den Soldaten flapsig "Acht-Acht" (bezogen auf das Kaliber) genannt, war zwar ursprünglich als Flugabwehrgeschütz konzipiert, bewährte sich jedoch auch im Bodeneinsatz - vorwiegend zur Bekämpfung gegnerischer Panzer. Auf der "Sahara Slovakia" kommt sie bei den Nachstellungen der Schlachten zum Einsatz. Es werden lautstark "Platzpatronen" verschossen.
Italienische Artillerie-Zugamschine aus den 1930er Jahren.
"Gefallene" französische Soldaten.
Tausende strömten den ganzen Tag über zur Veranstaltung.
Ohne Helm am Beiwagen-Krad unterwegs. Freiheit pur. Diese Kinder genossen sie sichtlich.
Unzählige Besucher trotzten der brütenden Hitze und dem Klimawandel. Wer auf eine Kopfbedeckung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr achtete, hatte keine Probleme.
Am Eingang bildeten sich lange Schlangen. Security und das Team der Sahara arbeiteten jedoch rasch und effizient, sodass die Wartezeiten verhältnismäßig kurz waren.
Slowakische Soldaten demonstrierten militärischen Nahkampf ohne Schusswaffen.
Veranstaltungsdirektor Igor Ballo kommentierte die Vorführungen auf Slowakisch und Deutsch.
Was für ein Erlebnis! Auf dem Dach eines Tatra Lkw durch den Wüstensand zu fahren ...
Die Ausrüstung konnte (natürlich unter Aufsicht) von den Besuchern angefasst und ausprobiert werden. Natürlich befand sich keine scharfe Munition darin. In der Slowakei gilt ein relativ liberales Waffengesetz, der Umgang mit Schusswaffen ist entspannt. Obwohl die Gesetze lockerer sind als in Österreich gab es weitaus weniger Amokläufe mit Schusswaffen als in Österreich. In Tschechien ist das Waffenrecht sogar noch liberaler als in der Slowakei - doch auch dort gab es weniger Amokläufe mit (legalen) Schusswaffen als in Österreich. Ein klares Indiz dafür, dass strengere Waffengesetze nicht automatisch mehr Sicherheit bringen. Die überwältigende Mehrheit der legalen Waffenbesitzer ist verantwortungsbewusst und hat es deshalb nicht verdient, von der Politik unter Generalverdacht gestellt und durch Anlassgesetzgebungen in der Ausübung ihres Sports immer weiter eingeschränkt zu werden.
Britische "Soldaten" aus der Zweit des WK 2.
Viele Frauen interessierten sich ebenfalls für die Militär- und Waffentechnik.

Text & Fotos: Patrick Huber