Diesen Bericht widme ich meinem viel zu früh verstorbenen Freund und Kollegen Georg Mader. Durch ihn erfuhr ich seinerzeit erst von der Existenz der "Sahara Slovakia" und so manches Luftfahrt- oder Militärevent besuchten wir gemeinsam - zuletzt noch 2025.
Am 7. und 8. August 2026 fand in der Slowakei nahe der Stadt Senica (Deutsch: Senitz) die Großveranstaltung "Sahara Slovakia" bereits zum 22. Mal statt. Der Termin im August ist seitens der Veranstalter ganz bewusst gewählt – als Reverenz an den Slowakischen Nationalaufstand, der vom 29. August bis zum 28. Oktober 1944 dauerte und der (neben dem jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 und dem Warschauer Aufstand der Polnischen Heimatarmee 1944) als eine der bedeutendsten Widerstandsaktionen gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft in Europa gilt.
Was vielen an Militärtechnik Interessierten aus ganz Europa als Pflichttermin gilt, ist für Luftfahrtfans ebenfalls absolut empfehlenswert. Die "Sahara Slovakia" ist nämlich eine Kombination aus Reenactment-Show, Oldtimer-Messe, eine Schau für historische Fahrzeuge (Pkw, Panzer, Lkw, Motorräder, Beiwagen-Maschinen, Einsatzfahrzeuge, etc ...), Volksfest für Familien und auch eine Flugschau. In der Slowakei gibt es - ebenso wie in der Tschechischen Republik - eine sehr aktive Szene, die sich mit Militärtechnik und der Nachstellung militärischer Ereignisse befasst – vom Mittelalter bis hin zur jüngeren Geschichte.
Ebenso lebendig ist die Luftfahrt-Community, es gibt deutlich mehr Flugplätze als beispielsweise in Österreich, obwohl die Slowakei weniger Einwohner hat. Ursprünglich als Treffen von Besitzern historischer Militärfahrzeuge und Angehörigen militärhistorischer Vereine ins Leben gerufen, entwickelte sich die "Sahara Slovakia" - sie fand 2012 erstmals statt - rasch zu einem richtigen Volksfest, das von ganzen Familien besucht wird. Die Veranstalter sprechen von "mehr als 10.000 jährlichen Besuchern". Sowohl die Teilnehmer als auch die Zuseher kommen dabei bei Weitem nicht nur aus der Slowakei und Tschechien, sondern reisen beispielsweise auch aus Ungarn, Polen, Deutschland, Österreich, Serbien oder sogar dem Baltikum (zB Estland!) an.
Im Static Display wurden auch heuer wieder historische Militär- und Zivilfahrzeuge aus den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, darunter auch seltene Exemplare aus dem ehemaligen Ostblock - bis hin zum Löschpanzer der Feuerwehr des militärischen Übungsgeländes in Zahorie. Mit dabei waren auch Schützen- und Kampfpanzer (T-72, Panzer 38), Hablkettenfahrzeuge sowie Geschütze und selbstfahrende Haubitzen.
Für Interessierte waren Mitfahrten in den gepanzerten und historischen Fahrzeugen sowie auf (Beiwagen-)Motorrädern möglich - etwas, das vor allem bei den Kindern für wahre Begeisterungsstürme sorgte. Die "Sahara Slovakia" machte ihrem Namen angesichts des sprichwörtlichen Kaiserwetters alle Ehre. Zwischen den Vorführungen nutzten die Besucher das gastronomische Angebot zu sehr vernünftigen Preisen (0,5 Liter Limonade um 2,50 Euro, 0,25 Liter Marken-Energy-Drink ebenfalls um 2,50 Euro), gingen an einem der zahlreichen Verkaufsstände shoppen (T-Shirts, Messer, Militaria, Pilotenjacken, Fliegerkombis, etc ...) oder informierten sich an den Ständen der militärhistorischen Vereine („Kluby vojenskej histórie”) sowie offizieller slowakischer Institutionen wie des Verteidigungsministeriums oder der Kriminalpolizei, die ebenfalls vertreten waren. Diese Vereine, von denen allein in Tschechien mehr als 200 existieren (in der Slowakei sollen es 60 bis 80 sein), genießen das Vertrauen des slowakischen Staates. Denn wer sich dort in irgendeiner Form politisch betätigt, riskiert seine Mitgliedschaft. Sowohl das Verteidigungsministerium der Slowakei als auch die Armee des Landes sind folglich offizieller Partner der "Sahara Slovakia", ebenso wie das Múzeum SNP – Múzeum Slovenského národného povstania –, das Museum des slowakischen Nationalaufstandes oder das Kriminaltechnische Institut der slowakischen Polizei.
Für mich am interessantesten waren jedoch die aviatischen Showeinlagen, die Teil der Nachstellung einer Schlacht aus dem Zweiten Weltkrieg waren. Heuer wurde die Schlacht um Bir Hakeim nachgestellt, auf Slowakisch und Deutsch kommentiert von Veranstaltungsdirektor Igor Balla. Diese Oase in der libyschen Wüste wurde von etwa 3.700 Soldaten der 1940 von General Charles de Gaulle in London gegründeten freien französischen Streitkräfte gehalten. Unterstützt wurden die französischen Verteidiger von britischen und britisch-indischen Truppen sowie der britischen Royal Air Force. Ihnen standen rund 40.000 Soldaten der italienischen Armee und des Deutschen Afrika Korps (DAK) gegenüber. Trotz zahlen- und materialmäßiger Überlegenheit brauchten die italienischen und deutschen Truppen vom 26. Mai bis zum 11. Juni 1942, um die Oase einzunehmen. Dadurch konnte der Vormarsch der Achsenmächte auf El Alamein empfindlich verzögert werden.





Die Luftwaffen aller beteiligten Nationen spielten bei den Kämpfen eine bedeutende Rolle. Mit Junkers Ju 87 (der berühmte "Stuka") und zweimotorigen Ju 88 Bombern sowie italienischen Maschinen, bombten die Angreifer die Oase sturmreif. Die britischen Piloten wiederum attackierten die die deutschen und italienischen Flieger, deren Bomber von eigenen Jägern wie der Messerschmitt Me 109 geschützt wurden. An diesen Luftkämpfen war auch das deutsche Jagdflieger-Ass Hans-Joachim Marseille (†, 30. September 1942 im alter von 22 Jahren) beteiligt, das während der Kämpfe an einem einzigen Tag, dem 3. Juni 1942, in elf Minuten sechs Curtiss P-40 Jäger der auf Seiten Großbritanniens kämpfenden South African Air Force (SAAF) abschoss. Marseille galt als begnadeter Pilot, der dem verbrecherischen Nazi-Regime kritisch gegenüberstand. 1957 wurde sein Fliegerleben unter dem Titel "Der Stern von Afrika" verfilmt. Bei der Kino-Premiere war seine damals 65-jährige Mutter anwesend.





Bei Luftkämpfen und durch Abwehrfeuer vom Boden gingen während der Kämpfe um Bir Hakeim mehr als 100 britische Luftfahrzeuge und knapp 50 deutsche sowie italienische Flugzeuge verloren. In Frankreich wird des heroischen Widerstandes der freien Franzosen gegen die deutschen und italienischen Aggressoren noch heute jedes Jahr militärisch gedacht.





Bei der Nachstellung der Schlacht wurden die Luftkämpfe sowie die Boden-Luftangriffe durch drei Zlin Z-226T des slowakischen Retro Sky Team dargestellt. Diese Formation ist im ostslowakischen Kaschau/Kosice beheimatet und hat sich auf professionelle Auftritte bei Airshows und Reenactment-Veranstaltungen in ganz Europa spezialisiert. Obwohl die Z-226 keine originalen Maschinen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges sind, sind sie nicht minder historisch. Der Erstflug erfolgte 1955, die letzte von 364 gebauten Maschinen rollte 1961 vom Band. Damit sind die jüngsten der wenigen noch flugbereiten Maschinen immerhin auch schon stolze 65 Jahre alt. Schon allein diese Flugzeuge im Jahr 2026 in Aktion zu sehen, war die Reise in die Slowakei wert. Für die Dauer der "Sahara 2026" waren Piloten und Flugzeuge auf dem Flugplatz Senica (Letisko Senica) stationiert.




Bei der "Sahara 2026" boten die Piloten des Retro Sky Team wieder "Dogfight"-Einlagen vom Feinsten sowie simulierte Angriffe auf die "gegnerischen" Bodentruppen. Für die entsprechenden pyrotechnischen Effekte ("Bomben-Explosionen", "MG-Salven", Rauch aus dem "abgeschossenen" Flugzeug, etc ...) hatten die Profis von "E&D Pyro" aus Tešedíkovo (SK) gesorgt.
Die Nachstellung der Schlacht von Bir Hakeim inklusive der beeindruckenden Airshow des Retro Sky Team dauerte gut eine Stunde. Im Anschluss daran demonstrierten Soldaten der aktuellen slowakischen Streitkräfte militärischen Nahkampf ohne Schusswaffen.
Noch bis in den späten Nachmittag flanierten die internationalen Besucher über das Veranstaltungsgelände und genossen die einzigartige Atmosphäre der "Sahara Slovakia"
Weitere Fotoimpressionen







































































Text & Fotos: Patrick Huber