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Israel: "Spürsinn statt Nacktscanner"

„Das ist alles großer Humbug, eine lächerliche Sicherheitsshow.“

Der israelische Sicherheitsexperte Ron Rafi über die Ganzkörperscanner auf Flughäfen

Ein interessanter Artikel erschien vor einigen Tagen in der bundesdeutschen Zeitung „Die Welt“. Dort betrachtete man die israelischen Sicherheitskonzepte zur Fluggastkontrolle, denn immerhin gilt der Flughafen von Tel Aviv als der sicherste Flughafen der Welt, und das, obwohl gerade dort keine Ganzkörperscanner zum Einsatz kommen.

Statt in Maschinen werde in Israel lieber in das Personal selbst investiert. So sagte der ehemalige israelische Fallschirmjäger und Geheimdienstmitarbeiter Rafi Ron, „Bei uns wäre Abdulmutallab (der Attentäter auf Flug Northwest Airlines 253, Anm. d. Red.) gar nicht ins Flugzeug gelassen worden“.

Ron leitet, so die „Welt“ weiter, eine Firma, die US-Flughäfen unterstützt, ihre Sicherheitskonzepte zu verbessern.
Zum Thema Nacktscanner hat der israelische Sicherheitsexperte eine klare Meinung, die „Welt“ zitiert ihn mit den Worten: „Das ist alles großer Humbug, eine lächerliche Sicherheitsshow.“

Auch auf israelischen Flughäfen sei selbstverständlich „modernste Technik“ im Einsatz, allerdings müssten nur wenige Passagiere extra ihre Schuhe ausziehen, und auch die Mitnahme von Flüssigkeiten an Bord sei überhaupt kein Problem.
Das Geheimnis, so Ron, sei die Kombination von moderner Technik und bestens geschultem Personal, nach dem Motto: „Wir suchen nicht die Bombe sondern den Bombenleger“, denn Menschen unter Stress machten Fehler, so Ron. „Sie verhalten sich unter Stress anders. Angst und Nervosität kann man Menschen ansehen. Man muss nur wissen, wie“, sagte Rafi Ron der „Welt“.

Der Kern des israelischen Sicherheitskonzeptes sei die Befragung der Flugreisenden vor dem Einchecken. Eine von westlichen und vor allen Dingen arabischen Reisenden oft als nervig und demütigend empfundene Prozedur, doch eine äußerst wirksame. So werden Passagiere etwa nach ihrer Adresse in Israel, nach Namen und Kontaktdaten von Verwandten und/oder Freunden in Israel gefragt. Wer sich hier verdächtig macht - etwa durch unsichere Antworten - wird von weiteren Sicherheitsexperten noch ausführlicher befragt, was bis zu mehreren Stunden dauern kann.

Doch schon zuvor, so die „Welt“, gebe es Kontrollen: jedes Fahrzeug wird bei der Einfahrt zum Flughafen angehalten, der Fahrer kontrolliert.

Heisses Eisen „Diskriminierung“

Unmissverständliche Worte findet Rafi auch zum Thema „Unterschiedliche Behandlung verschiedener Ethnien“, das gerade innerhalb der EU aufgrund angeblicher oder tatsächlicher Diskriminierung von Passagieren als „heisses Eisen“ gilt.

Es sei „klar, dass ethnische und religiöse Kategorien eine Rolle spielen“. Auch der Terrorismusforscher Ariel Merari sagte, dass es „einfach dumm“ wäre, bei den Kontrollen nicht auf die ethnische Zugehörigkeit des Passagiers zu achten. In der „Welt“ sagte er dazu: „Sie wollen mir doch nicht ernsthaft erzählen, eine achtzigjährige Überlebende des Holocaust stelle ein potenziell ebenso großes Risiko dar wie ein junger, muslimischer Mann?“

Hier müssten die USA aber auch Europa von Israel „lernen“, so der US-Anti-Terrorexperte Leonard Cole. Die „Welt“ zitierte ihn mit den Worten:

„Israel bleibt eine Demokratie, und am Ende müssen die arabischen Bürger diese Unannehmlichkeiten akzeptieren, denn sie dient ihrer eigenen Sicherheit. Auch wir sollten nicht alle Leute gleich behandeln, ob es sich um eine Oma im Rollstuhl oder einen jungen Muslim handelt. Das tun wir, weil wir jeden Anschein von Diskriminierung vermeiden wollen. Aber es bleibt eine Tatsache, dass zwar nicht jeder junge muslimische Mann ein potenzieller Attentäter ist, dass aber fast alle Flugzeugattentäter in letzter Zeit junge muslimische Männer waren, und nicht alte Damen aus Bayern.“

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red AW