Österreich

Platz bei Notausstieg gegen Aufpreis: Kritik von Pilotenvereinigung

Die zunächst ausschließlich von Billigfluglinien, in jüngster Zeit jedoch auch von so genannten Qualitätsfluglinien eingeführte Praxis, Sitzplätze in den Notausstiegsreihen ohne vorherige Kontrolle am Check-In, ob der Passagier dafür auch geeignet ist, gegen Aufpreis zu vergeben, führt nun auch zu deutlicher Kritik seitens der "Austrian Cockpit Association".

In der aktuellen Ausgabe des Mitgliedermagazins "ACA Info" heißt es dazu:

"Eine große österreichische Airline bietet Economy Passagieren (...) die Möglichkeit in einer Notausstiegsreihe zu sitzen. Es wird mit Beinfreiheit geworben. Passagiere in dieser Reihe müssen im Falle einer Evakuierung den Notausstieg öffnen und den Fluchtweg freimachen. Durch eine spezielle Infokarte und ein mündliches Flugbegleiter-Briefing* werden die Gäste auf diesen Plätzen an ihre Pflichten erinnert. Die Luftfahrtbehörde verlangt deshalb, dass auch nur Personen mit entsprechender Fitness auf diesen Sitzen fliegen. Kindern, Personen mit körperlichen Einschränkungen und stark Übergewichtigen ist die Reise in diesen Reihen untersagt. Die Beinfreiheit ist aber für übergewichtige und bewegungseingeschränkte Gäste besonders attraktiv ..."

Und weiter: "ACA hat ein Gespräch mit dem Safety-Manager der Airline geführt. Wir wiesen auf die Möglichkeit hin, dass Passagiere den Disclaimer im Web-Check-In ignorieren und bis zum Boarding keine Kontrolle der Notausstiegs-Eignung erfolgt. Flugbegleiter müssten dann während des Einsteigvorgangs argumentieren und Gäste wegen körperlicher Unzulänglichkeiten umsetzen, die einen Aufpreis für genau diesen Sitz bezahlt haben" (Anmerkung der Redaktion: Auf genau diese Problematik hat auch Austrian Wings bereits mehrfach hingewiesen).

Es gebe auch außerhalb Österreichs Airlines, die diese Plätze vermarkten, "aber viele große Airlines zeigen Verantwortung, in dem diese Reihen wenn möglich mit DHC-Crews (Besatzungsmitglieder auf Positionierungsflügen, Anmerkung der Redaktion) oder ID Passagieren (außerdienstlich mitfliegendes Airlinepersonal, Anm.) zugeteilt werden. Damit im Notfall, wenn möglich, geschultes Personal die Kabinencrew unterstützen kann. ACA wird die Entwicklung weiter genau beobachten."

Ein anderer Autor meinte in der Zeitschrift zum Thema "Vergabe der Notausstiegsplätze gegen Aufpreis": "Uns gefällt dieser Vorschlag, aber wir denken weiter: Asfinag könnte ein neues Autobahnpickerl anbieten: Für 40 Euro pro Jahr kann man dann auch die Rettungsgasse befahren!"

* Dieses mündliche Flugbegleiter-Briefing für Passagiere in den Notausstiegsreihen findet bedauerlicherweise nicht immer statt. Austrian Wings sind mehrere Fälle auch bei namhaften Qualitätsairlines bekannt, wo in diesen Reihen völlig ungeeignete Passagiere saßen und darüber hinaus kein Briefing der Reisenden erfolgte.

(red CvD, LM / Titelbild: A320 von Austrian; auch die AUA gehört mittlerweile zu jenen Fluglinien, die Plätze in den Notausstiegsreihen ohne vorherige Kontrolle der Eignung des Passagiers gegen Aufpreis verkaufen - Foto: Chris Jilli)