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Germanwings-Crash: Angehörige greifen Lufthansa-Chef Spohr frontal an

     

     

  • Spohr sei nur für die Kunden, nicht für die Hinterbliebenen dagewesen
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  • Spohr habe nur Inserate schalten lassen, aber nie mit Angehörigen gesprochen
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  • Auf Einladungen zu Begräbnissen habe er nicht einmal geantwortet
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Angehörige der 149 Opfer von Germanwings-Pilot Andreas Lubitz kritisieren nun in einem offenen Brief Lufthansa-Chef Carsten Spohr scharf.

Dabei geht es nicht nur um das in den Augen fachkundiger Branchenkenner schäbige Entschädigungsangebot des Kranichs (das von einigen Hinterbliebenen bereits abgelehnt wurde), sondern auch um Spohrs Verhalten nach dem Absturz.

"32 Väter und Mütter der getöteten Kinder und Lehrerinnen aus Haltern am See sowie Ehemann und Verlobter der Lehrerinnen" unterzeichneten das Schreiben.

Darin heißt es, dass die Hinterbliebenen "enttäuscht über das Verhalten der Lufthansa" seien, "seitdem ein Pilot Ihres Konzerns unsere Kinder getötet hat".

Sie werfen Spohr vor, nur für die Öffentlichkeit, nicht aber für die Hinterbliebenen da gewesen zu sein. "Herr Gauck, Frau Merkel und Frau Kraft haben mit uns gesprochen. Sie nicht. Sie waren für Ihre Kunden da, nicht für uns. Eltern, die Sie persönlich zur Beisetzung ihres Kindes eingeladen haben, bekamen noch nicht einmal eine Antwort von Ihnen." (Anm. der Red.: Diesen Vorwurf wies Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels zurück. Carsten Spohr sei keine persönliche Beerdigungs-Einladung zugegangen.)

Und weiter: "Wir hatten erwartet, irgendwann in diesen schweren Tagen eine Entschuldigung von der Lufthansa zu hören. Eine Entschuldigung dafür, dass von Ihrem medizinischen Dienst bei den Kontrollen der Aktenvermerk über die Vorerkrankung des Piloten nicht beachtet worden ist. Eine Entschuldigung dafür, dass die Lufthansa sich anders als viele amerikanische Airlines gegen ein ständiges Vier-Augen-Prinzip im Cockpit entschieden hatte. Eine Entschuldigung dafür, dass bei mehr Sorgfalt beim Umgang mit solchen Risiken unsere Kinder vielleicht noch am Leben wären. Nichts davon haben wir gehört."

Den angebotenen Entschädigungsbetrag nennen die Hinterbliebenen wörtlich "eine Beleidigung".

"Das ist der Betrag, den Sie persönlich jede Arbeitswoche von der Lufthansa als Gehalt bekommen. Jede Woche. Fünfzehn oder sechzehn Jahre – im Falle der Lehrerinnen über dreißig Jahre - haben wir große Teile unserer Zeit mit unseren Kindern verbracht, um Sie zu betreuen und heranwachsen zu lassen zu verantwortungsvollen Menschen. Zu Menschen, die große Hoffnungen und Träume hatten. Zu Menschen, die sich für ihre Gesellschaft engagiert haben, in der DLRG, in der Seniorenbetreuung und anderen Organisationen. Natürlich haben wir alles für unsere geliebten Kinder getan, was wir konnten. All die Zeit und all das Geld, das wir für die Jahre unserer Kinde verwendet haben: es ist fortgerissen mit der Tat eines Piloten des Lufthansa-Konzerns. Wenigstens das muss ersetzt werden. Versteht Lufthansa nicht, was für jeden Handwerksbetrieb selbstverständlich ist, wenn ein Mitarbeiter des Unternehmens Schaden anrichtet?"

Den Hinterbliebenen der Opfer sei klar, dass Geld ihnen ihre Lieben nicht zurückgeben können. An Spohr gerichtet schreiben sie: "Sie können nur versuchen, uns stattdessen zusätzliche Sorgen zu nehmen. Etwa um die Finanzierung der Ausbildung der Geschwisterkinder, etwa um die Kosten der Pflege unserer Eltern. Sorgen, die viele Menschen haben. Sorgen, die uns gegenüber unserem Schmerz klein erscheinen. Sorgen aber, die bei uns noch schwerer wiegen, weil wir nicht wissen, ob unser Schmerz uns im Alltag bestehen lässt. Sorgen, bei denen Sie helfen können und damit einen kleinen Ausgleich schaffen können, während für unsere Kinder jede Hilfe zu spät kommt."

Der Brief schließt mit der Aufforderung an Spohr, dass dieser endlich zu seiner Verantwortung als Firmernchef stehen möge.

(red / Titelbild: Germanwings A320, ähnlich der abgestürzten Maschine, Symbolbild - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew)