Reportagen

Fotoreportage: MFU Klosterneuburg feierte 30er mit DC-3 und Beech 18 in Wiener Neustadt

Hugo Mathys' DC-3 im Swissair-Design kam zum 30-jährigen Jubiläum der MFU Klosterneuburg nach Wiener Neustadt - Titelbild:: Johannes Bauer; alle übrigen Fotos Patrick Huber (www.der-rasende-reporter.info) und Johannes Bauer

Ein 30-jähriges Jubiläum ist immer ein Grund zum Feiern - das tat auch die auf dem Flugplatz Wiener Neustadt Ost ansässige Motorflugunion Klosterneuburg am vergangenen Wochenende. Zum Geburtstagsfest gaben sich auch die DC-3 und eine Beech 18 der Schweizer Classic Formation die Ehre. Und die Feierlichkeiten standen auch im Zeichen der Nachwuchsarbeit, die sowohl dem Eigentümer der Classic Formation, Hugo Mathys, als auch MFU-Präsident Gustav Z. Holdosi ein besonderes Anliegen ist. Eine Reportage von Patrick Huber (Text & Fotos) und Johannes Bauer (Fotos).

Gustav Z. Holdosi ist ein Macher alter Schule, einer der anpackt und Dinge schafft - 1996 gründete der leidenschaftliche Flieger gemeinsam mit Gleichgesinnten die Motorflugunion (MFU) Klosterneuburg und nur ein Jahr später veranstaltete er (die älteren Semester unter den Luftfahrtfans werden sich daran bestimmt erinnern) auf dem damals seit 20 Jahren geschlossenen alten Wiener Flughafen Aspern (LOWA) einen Jubiläumsflugtag, der an gleich zwei Wochenenden stattfinden konnte - weil die erste Veranstaltung wegen Schlechtwetter abgebrochen werden musste. Holdosi: "Insbesondere die Stadt Klosterneuburg und Austro Control Vorstand Johann Rausch haben uns dabei unterstützt." Mit dieser Veranstaltung hatte sich die damals junge MFU Klosterneuburg in der österreichischen Fliegerszene mit einem Schlag einen guten Namen gemacht.

Zunächst war die MFU Klosterneuburg (Holdosi: "Der Name MFU Niederösterreich war nicht möglich und gegründet haben wir den Verein in Klosterneuburg, also erhielt er den Namen der Gründungsstadt.") auf dem 1929 eröffneten Flugfeld Spitzerberg (LOAS) ansässig. Drei Jahre später erfolgte dann der Umzug auf den Flugplatz Wiener Neustadt Ost (LOAN), wo man später einen eigenen Hangar errichtete und seither das Zentrum der vereinseigenen fliegerischen Aktivitäten hat.

Der einst kleine Verein (gestartet wurde mit einer Cessna 172 und 16 Mitgliedern) hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einer hochprofessionellen Ausbildungsstätte für alle Arten der Flächenfliegerei entwickelt (Motor- & Segelflug sowie die Wasserfliegerei). Holdosi: "Wir haben sehr gute Kontakte in die Branche und etliche unserer Fluglehrer sitzen beruflich im Cockpit. Wir bilden vom Privatpiloten über den Wasserflugzeugpiloten bis zum Verkehrspiloten alles aus." Für die Theorie- und Simulatorschulungen verfügt die MFU Klosterneuburg in ihrer Heimatstadt über zusätzliche Räumlichkeiten. 2004 besuchte die Dornier Do 24 von Irene Dornier auf Einladung der MFU Klosterneuburg die Stadt Klosterneuburg und landete auf der Donau. 

Wurden im Gründungsjahr 1996 von den Damen und Herren Mitgliedern noch 32 Stunden geflogen so waren es 2014 bereits 1.500 Flugstunden. Die MFU Klosterneuburg ist die einzige in Österreich zugelassene Ausbildungsstätte für Wasserflugzeugpiloten (Seaplane Rating). Heute verfügt die MFU Klosterneuburg über 13 Motor- und Segelflugzeuge (inkl. Motorsegler). Die ein- und zweimotorigen Motorflugzeuge (darunter auch eine kunstflugtaugliche Maschine des japanischen Herstellers Fuji) sind Ganzmetallflugzeuge - Holdosi ist von den bewährten Vorteilen dieser Maschinen absolut überzeugt und als Obmann der MFU in der Flottenplanung folglich entsprechend konsequent.

Zum 30. Jubiläum lud die MFU Klosterneuburg Freunde, Wegbegleiter und Fliegerkameraden zu einem Hangarfest auf den Flugplatz Wiener Neustadt Ost ein - wie erwähnt, gaben sich dabei auch die DC-3 und eine Beech 18 aus der Classic Formation von Hugo Mathys die Ehre. Wie es dazu kam? "Einer der Piloten der Classic Formation hat bei uns einen Teil seiner Ausbildung absolviert und so hat es sich erfreulicherweise ergeben, dass wir diese beiden besonderen Flugzeuge bei uns begrüßen durften", erläutert Holdosi stolz.

Diese DC-3 wurde ursprünglich 1942/43 als militärische C-47A-45 an die US-Streitkräfte ausgeliefert.
In den folgenden Jahrzehnten ging dieses Flugzeug durch viele Hände, ehe es Mitte der 1980er bei der Schweizer Classic Air als HB-ISC "landete".
Seit 2010 fliegt die DC-3 mit der Seriennummer 9995 als N431HM für Hugo Mathys in der Schweiz. Sie ist gern gesehener Gast auf Flugplatzfesten und Airshows.

Der Besuch der beiden Oldtimer wurde gleich mit der so wichtigen Jugendarbeit verbunden. Denn die MFU unterstützt das Projekt Young Eagles Austria, bei dem Mädchen und Burschen ab 14 Jahren an den Flugsport herangeführt werden sollen. Diese Nachwuchsförderung ist Gustav Z. Holdosi ein persönliches Anliegen, ebenso dem Schweizer Hugo Mathys. Innerhalb der MFU wird das Young Eagles Programm von Fluglehrer Karl-Heinz Eder betreut. Hugo Mathys, Gründer und Pilot von Classic Formation, lud die österreichischen Young Eagles daher ein, auf dem Flugplatz Wiener Neustadt Ost mit an Bord zu sein, als die DC-3 zum Betanken quer über das gesamte Flugfeld rollen musste - für die jungen Nachwuchsflieger ein besonderes und beeindruckendes Erlebnis. Im Anschluss daran ging es für die Jugendlichen mit Karl-Heinz Eder an Bord des Motorfalken OE-9038 noch auf einen Schnupperflug in die Luft. 

Das Flugzeug trägt die historischen Farben der 2001 untergegangenen Swissair. Swissair setzte vor und nach dem zweiten Weltkrieg insgesamt sieben DC-3 ein.
Zwei Pratt & Whitney R-1830-92 Twin Wasp Doppelsternmotoren mit je 1.200 PS und 14 Zylindern ermöglichen eine Reisegeschwindigkeit von etwa 145 Knoten.
Auf der unteren linken Cockpitseite befindet sich eine Türe, die als Notausstieg benutzt werden kann. Allerdings sollte man das nur bei abgeschaltetem linken Triebwerk tun.
Pilot Nicolas "Nicu" Misteli beim Check, bevor die DC-3 mit den Young Eagles an Bord über das Flugfeld rollte.
Pilot Nicolas "Nicu" Misteli im Gespräch mit Gustav Z. Holdosi, Präsident der MFU Klosterneuburg. Misteli ist auch Flottenmanager bei der Classic Formation und fliegt neben der DC-3 die Beech 18.
Die Young Eagles erhielten vor dem Rollen eine kurze Einweisung.
Mit großer Freude und Spannung ging es an Bord der über 80 Jahre alten Lady.
Zugelassen ist die DC-3 für maximal 32 Passagiere. Hugo Mathys hat seine DC-3 komfortabel mit nur 16 Sitzen bestuhlt.
Große Vorfreude bei den Nachwuchs-Fliegern. Wann hat man schon die Gelegenheit an Bord einer DC-3 zu sein?
Eine zukünftige Frau Flugkapitän? Wer weiß ...

Es war eine gelungene Geburtstagsparty eines beeindruckenden Flugvereines. Am Sonntag, 14. Juni 2026, verließen die beiden historischen Besucher der Geburtstagsfeier den Flugplatz Wiener Neustadt Ost wieder - hier geht's zu unserer Fotostrecke.

Beim Rollen nahm Gustav Holodis jun. auf dem rechten Sitz Platz. Er ist ausgebildeter Berufspilot
Obwohl Hugo Mathys das Cockpit seiner DC-3 modernisierte, versprüht es immer noch den Charme eines klassischen Airliner-Flugdecks der 1930er Jahre. Die wichtigsten Bedienelemente für die Triebwerke sind auf der Mittelkonsole angeordnet. Von links nach rechts: Propellerverstellung, Gashebel, Gemischregler (rot).
Der Triebwerksstart ist eine komplexe Angelegenheit und erfordert vom Piloten ein hohes Maß an technischem Verständnis.
Die DC-3 auf dem Weg zur anderen Seite des Flugplatzes - wo schon zahlreiche Planespotter am Zaun auf diese Ikone der Luftfahrt warteten.
Den jungen Passagieren gefiel es sichtlich.
Höchste Konzentration und Professionalität im Cockpit.
Tanken - die DC-3 von Hugo Mathys fliegt mit Avgas, das (je nach Flugplatz) in Europa rund 3 Euro pro Liter kostet. Die maximale Tankkapazität einer DC-3 liegt bei etwa 800 US-Gallonen. Das entspricht circa 3.000 Liter. Je nach eingestellter Leistung und Windverhältnissen verbraucht die DC-3 im Reiseflug rund 90 Gallonen (etwa 340 Liter) Kraftstoff pro Stunde.
MFU-Präsident Gustav Z. Holdosi erkannte schon früh die Bedeutung der Förderung des fliegerischen Nachwuchses und engagierte sich in der MFU entsprechend.
Jeder der beiden Sternmotoren von Pratt & Whitney treibt eine verstellbare Dreiblatt-Luftschreibe von Hamilton Standard an. Man beachte auch die geöffneten Kühlklappen am Triebwerksgehäuse.
Robuste Technik, die nach wie vor funktioniert und für die es trotz des hohen Alters der noch fliegenden DC-3 (die Produktion endete bereits 1950!) weiterhin Ersatzteile gibt.
Fluglehrer Karl-Heinz Eder ist innerhalb der MFU Klosterneuburg für die Young Eagles verantwortlich und übt diese Tätigkeit mit viel Leidenschaft und Fachwissen aus.
Detailaufnahme des rechten Overhead-Panels im Cockpit der DC-3
Im Cockpit-Dach gibt es eine Notausstiegsluke.
Blick auf die zuvor bereits erwähnte Türe auf der linken Cockpitseite.
Nach dem Tanken begann das Boarding der Young Eagles und es ging wieder zurück zum Hangar 3.
Es herrschte freie Sitzplatzwahl.
Kurz nach der "Ankunft" der DC-3 vor dem Hangar 3 kam auch schon die Beech 18 der Classic Formation angerollt.
Begeisterte und faszinierte Besucher.
Zwei Legenden der Luftfahrt auf einem Bild.
Gustav Z. Holdosi hatten allen Grund zur Freude. Die Stimmung war ausgezeichnet, die DC-3 und die Beech 18 zwei Attraktionen und das Wetter spielte auch mit.
Auf dem Vorfeld wurden die Ruder der DC-3 mit "Gust Locks" gesichert. Sie verhinderten, dass sich die Ruder bei Wind unkontrolliert bewegen. Dadurch könnten Beschädigungen entstehen.

Der Autor gratuliert der MFU Klosterneuburg herzlich zum 30. Geburtstag - auf die nächsten 30 Jahre!

Text: Patrick Huber
Fotos: Patrick Huber & Johannes Bauer