Österreich

Peoples Group CEO Thomas Krutzler im Interview

Peoples CEO Thomas Krutzler - Fotos: Johannes Bauer

Die Peoples - einst gestartet als Peoples Viennaline - ist die aviatische Nabelschnur zwischen Ost- und Westösterreich. Johannes Bauer traf den CEO der Peoples Gruppe, Thomas Krutzler, anlässlich "100 Jahre Flugplatz Altenrhein" zum Interview.

Austrian Wings (AW): Vielen Dank Herr Krutzler, dass Sie sich die Zeit nehmen, um über People’s und den Flugplatz St.Gallen-Altenrhein zu sprechen. Fangen wir mit dem Beginn der People’s an. Wie waren damals die Umstände beziehungsweise wie ist es dazu gekommen, dass der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein die Heimat von People’s geworden ist bzw. Sie der Betreiber des Flugplatzes geworden sind?

Thomas Krutzler (TK): Begonnen hat die Geschichte 2008. Da hat der heutige Eigentümer den Flugplatz gekauft. Kurz darauf gab es zahlreiche Gespräche mit der Austrian Airlines, die damals die Strecke Altenrhein-Wien bis zu viermal täglich geflogen ist, bezüglich Gebühren und weiterer Zusammenarbeit. Diese Gespräche haben sich dann ziemlich verstrickt, sodass Markus Kopf entschieden hat eine eigene Airline zu gründen. Parallel dazu gab es die Idee zum Namen People’s auch für das Unternehmen nicht nur für die Fluggesellschaft. Seit 2011 bedienen wir nun die Strecke nach Wien, plus einige Charter, sowohl im Winter als auch im Sommer.

AW: War direkt nach den Gesprächen mit der Austrian Airlines klar, dass es eine eigenständige Airline braucht oder gab es Überlegung zu Partnerschaften?

TK: Ja, es gab am Anfang Überlegungen für eine Partnerschaft mit der Austrian Airlines. Diese hat sich am Ende des Tages so nicht ergeben. Man ist eine gewisse Zeit dann sogar noch parallel, also in Konkurrenz zueinander, auf der Strecke Wien-St.Gallen-Altenrhein geflogen. Das hat schlussendlich beiden Seiten unglaublich viel Geld gekostet. Die AUA hat sich dann entschieden aus Altenrhein zurückzuziehen. Wir haben dann das österreichische AOC beantragt, obwohl wir in der Schweiz sesshaft sind, wobei der Hauptsitz der Airline am Flughafen Wien Schwechat ist. Also ist die Airline seit der Gründung eine eigenständige Geschichte.

AW: Wie war dann die Entwicklung der Airline ab 2011?

TK: Die ersten drei bis vier Jahre waren stark geprägt von Aufbauarbeiten und Aufbaukosten. Wie gesagt, ganz am Anfang ist man noch parallel gegeneinander geflogen. Das war aus kaufmännischer Sicht natürlich wahnsinnig schwierig. Im Verlaufe des Jahres 2015 hat sich das ganze dann gut eingespielt. Wir haben rund 90.000 Passagiere befördert auf der Wien-Strecke. 2016 hat man sich dann entschieden ein zweites, typengleiches Flugzeug anzuschaffen um die Lücke ex Friedrichshafen nach Nordrhein-Westfalen zu schließen. Dadurch hat man natürlich auch die Fixkosten erhöhen müssen, also Personal, Administration, usw.. Nach einigen Monaten musste man dann feststellen, dass diese Verbindung schwierig aufrechtzuerhalten ist. Daraufhin hat man sich entschieden diese Route wieder aufzugeben. Dann war man in einer Situation in der man ein zusätzliches Flugzeug, die dazugehörigen Crews, usw.. hatte. Von dem Moment an sind wir substanziell stärker ins Chartergeschäft eingestiegen. Wir sind damals mit dem zweiten Flugzeug nicht nur Charter aus St.Gallen-Altenrhein geflogen, sondern auch von anderen Flughäfen. Im Verlaufe des Jahres 2019 aufgrund anstehender Investitionen am zweiten Flugzeug, haben wir entschieden, dass wir dieses wieder verkaufen. Gerade weil wir es im Chartergeschäft in unseren Breitengraden nur etwa 7 Monate richtig einsetzen. Die restlichen 5 Monate ist es schwierig dieses Flugzeug dann wirtschaftlich zu betreiben. Dann haben wir tatsächlich, und das erwähne ich immer wieder gerne, am 31. Jänner 2020 das Flugzeug an den Käufer ausgeliefert und im Februar hat es mit Covid-19 begonnen. Das war wirklich Glück im Unglück. Die Covid-19 Pandemie hat uns natürlich dann extrem gefordert. Inzwischen zeigt sich schon ein anderes Bild auf der Wien-Strecke. Vor allem aus diversen Gründen, wie Onlinemeetings, Sparpakete, etc.. Im Moment liegen wir ca. bei der Hälfte der Passagierzahlen im Vergleich zu vor Corona. Damit haben wir auch in etwa gerechnet. Wir planen auch weiterhin mit ungefähr dieser Auslastung auf der Wien Strecke.

Mit einem E170 bedient Peoples die Strecke Altenrhein-Wien-Altenrhein.

AW: Wer ist auf der Wien Strecke Ihr größter Konkurrent?

TK: Die ÖBB ist sicherlich der Hauptkonkurrent, gefolgt von mittlerweile glaube ich 12 täglichen Flügen von Wien nach Zürich. Die darf man auch nicht vergessen.

AW: Wie sieht es in Bezug auf den Flughafenbetrieb aus. Ist Ihre Airline hier der Hauptkunde oder sind es private Kunden?

TK: Zur Erklärung: Wir haben drei Gesellschaften in den People‘s Gruppe. Das eine ist die Realco AG. Das ist die Immobiliengesellschaft. Die Hangar Vermietungen laufen über diese Firma. Auch das Flugzeug gehört der Realco AG. Dann haben wir der Airport Altenrhein AG. Das ist die Flugplatzbetreibergesellschaft und die Altenrhein Luftfahrt GmbH, besser bekannt als People’s Airline. Sehr wohl ist es so, dass die eigene Airline in vielen Aspekten der Hauptkunde ist. Die Fluggesellschaft leased das Flugzeug von der Immobiliengesellschaft. Auf der anderen Seite generiert die Airline rund die Hälfte des Umsatzes der Airport Altenrhein AG. So gesehen ist die Abhängigkeit schon sehr stark.

AW: Wie beeinflusst das World Economic Forum in Davos jährlich den Umsatz des Flugplatzes St.Gallen-Altenrhein?

TK: Das WEF generiert im Normalfall 5-7% des Jahresumsatzes. Die letzte beiden Jahre war es leider deutlich weniger, aufgrund des Wetters. Das war nicht nur wirtschaftlich schwierig, sondern auch für die Mitarbeiter, die teilweise im Freelancer Verhältnis in dieser Woche sich extra freinehmen und dann nicht wirklich viel zu tun haben.

AW: Wie sieht das Chartergeschäft momentan für Sie aus?

TK: Wir sind sehr stabil unterwegs mit Winter und Sommercharter. Gerade die Wintercharter sind sehr erfreulich. Im Bereich Sommercharter gibt es schon ziemliche Herausforderungen muss man sagen. Die ursprüngliche Hochsaison, also die Schulferien Juli, August sind inzwischen die schwierigsten Monate.

AW: Wie erklären Sie sich diese Schwierigkeiten?

TK: Die Preise am Urlaubsziel sind ein Thema. Genauso ist das heiße Wetter vor allem im Süden ein Faktor. Deshalb verlagert sich die Nachfrage in die Vor- und Nachsaison. Das führt einerseits dazu, dass die Laufzeiten der Charterflüge länger werden. Dadurch setzt man die Charterflüge unter Umständen im Hochsommer tatsächlich aus, weil die Nachfrage nicht da ist. Das ist schade. Aber solange wir das kompensieren können mit einer verlängerten Laufzeit passt das übers Jahr gesehen wieder.

AW: Wählen Sie als Airline die Charterdestinationen oder übernehmen das die Reisebüros, mit denen Sie zusammenarbeiten?

TK: Grundsätzlich bestimmt das der Reiseveranstalter. Es kommt aber vor, wie im Falle von Calvi auf Korsika, dass wir als Airline unsere Zustimmung geben müssen, weil die Piloten für Calvi eine spezielle Schulung benötigen. Das bedeutet für uns natürlich mehr Aufwand.

AW: Um auch nochmal Bezug auf die 100 Jahr Jubiläumsfeier des Flugplatzes St.Gallen-Altenrhein zu nehmen. Welchen Stellenwert hat die People’s Group für dieses Jubiläum und wie schauen Sie heute in die Zukunft des Flugplatzes?

TK: Meiner Meinung nach ist diese Feier eine Standortfeier. Klar ist es, dass wir als People’s hier federführend sind. Zwei Aspekte sind hier wichtig. Das eine ist das wir inzwischen insbesondere gegenüber den politischen Institutionen eine sehr solide Vertrauensbasis haben um da diese Rahmenbedingungen, die es auch braucht wie Lärmschutz und Co2 Emissionsregelungen. Hier müssen wir miteinander Lösungen erarbeiten. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die People’s selbst ökonomisch betrachtet so stabil aufgestellt ist, dass man die Investitionen, die es in die Infrastruktur braucht, auch tatsächlich ausüben kann. Es gibt an diesem Standort schon viele Stellen die 100 Jahre alt sind. Somit sind wir infrastrukturell sehr gefordert, dass wir die nächsten Jahre viel Geld investieren müssen. Das setzt natürlich voraus, dass wir als Firma so aufgestellt sind, dass wir das dementsprechend auch umsetzten, können. Pisten und Vorfeldsanierung sind hier zwei sehr große Themen.

AW: Gibt es schon konkrete Pläne für die Pistensanierung?

TK: Nach heutigem Stand würde ich sagen 2028/2029. Wir hätten das bereits letztes Jahr geplant. Da gab es dann aber nicht die benötigten Subventionen seitens der Flugsicherung. Aufgrund der Planunsicherheit haben wir das dann ausgesetzt. Wir haben zwar viele Reparaturarbeiten geleistet, aber diese sind nur kurzfristig und ersetzen nicht eine komplette Pistensanierung.

AW: Planen Sie dann den Flugplan zu verlagern oder auszusetzen wie es andere Flughäfen schon gemacht haben?

TK: 2025 hätten wir geplant die Sanierung im August durchzuführen, da es hier wettertechnisch am besten wäre und wir im Vergleich zu den anderen Monaten am wenigsten Flugbewegungen haben. Wahrscheinlich wird es auf solch ein Szenario hinauslaufen. Also wird der Betrieb in dieser Zeit unterbrochen oder alternativ nach Friedrichshafen verlagert.

Das Interview führte Johannes Bauer. Einen umfassenden Fotobericht über die Jubiläumsveranstaltung lesen Sie in Kürze auf Austrian Wings - Ihrem österreichischen Luftfahrtmagazin.