Reportagen

Tradition trifft Moderne: LET Aircraft Industries - die erfolgreichen Flugzeugbauer aus Kunowitz

LET Aircraft Industries ist eine fixe Größe der tschechischen Luftfahrtindustrie - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Leidenschaft. Präzision. Kompetenz. Damit werden beim Flugzeughersteller LET in Kunowitz im Südosten Tschechiens seit 90 Jahren Luftfahrzeuge entwickelt und produziert. Eine Reportage anlässlich des runden Geburtstages dieses einzigartigen tschechischen Traditionsunternehmens.

Srdečné poděkování skvělému týmu společnosti LET Aircraft Industries za podporu při mém výzkumu pro tuto reportáž. 

Einleitender Hinweis: LET Aircraft Industries hatte in seiner Geschichte verschiedene Bezeichnungen. Über viele Jahre war die tschechische Bezeichnung LET Kunovice (auf Deutsch: LET Kunowitz) gängig. Wenn Tschechen von der Firma sprachen, sagten sie umgangssprachlich einfach "Kunovice". Seit 2005 trägt der Hersteller die Bezeichnung LET Aircraft Industries. Der besseren Verständlichkeit halber wird daher in dieser Reportage generell der Begriff LET Aircraft Industries verwendet. LET ist das tschechische Wort für Flug, Letadlo bedeutet Flugzeug. Daraus erklärt sich auch der Name.

Kunowitz (Tschechisch: Kunovice) - eine kleine Gemeinde im Südosten des Landes liegt in der Mährischen Slowakei. In den 1930er Jahren, in den Zeiten der Ersten Tschechoslowakischen Republik, hatte das Dorf gerade einmal 2.500 Einwohner (2023 lebten in Kunowitz rund 5.600 Menschen), die zumeist von der Landwirtschaft lebten. Dass dieses Örtchen einmal zu einem bedeutenden Standort der tschechoslowakischen und später tschechischen Luftfahrtindustrie werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. 

Die Einfahrt zum Firmenareal - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Und doch geschah es. Die tschechoslowakische Regierung unter Präsident Tomáš Garrigue Masaryk († 1937) - es gibt Indizien, dass es sich dabei um einen unehelichen Sohn Kaiser Franz Josefs gehandelt haben könnte, doch das ist eine andere Geschichte - war aufgrund der politischen Entwicklungen in Europa in Sorge und beschloss deshalb, die (Luftfahrt-)Industrie des noch jungen Staates (die Erste Tschechoslowakische Republik war erst 1918 mit dem Zerfall von Österreich-Ungarn gegründet worden) zu dezentralisieren.

Der Bau der LET Flugzeugwerke in Kunowitz verlief ab 1936 - zunächst als Außenstelle der Skoda-Werke aus Pilsen/Plzen in zwei Phasen. Vorerst waren ein Wartungsstandort und erst danach eine Produktionseinrichtung geplant. Letztere wurde allerdings vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939) nicht mehr fertiggestellt.

Alles fing klein an, Aufnahme aus den 1930er Jahren - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

Von 1938 bis 1945 existierte die Tschechoslowakei nicht, nachdem sie vom Deutschen Reich zerschlagen worden war. Das heutige Tschechien wurde von den Nazis als "Protektorat Böhmen und Mähren" geführt, die Slowakei war formal zwar ein eigener Staat, stand jedoch de facto ebenfalls unter der Kontrolle von Berlin. Während der brutalen deutschen Besatzung des Landes (man denke - stellvertretend für die vielen Verbrechen unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft - beispielsweise an das Massaker von Lidice, bei dem ein ganzes Dorf ausgelöscht wurde) wurden in Kunowitz zunächst tschechische Flugzeuge repariert, später mussten die Techniker nach dem Willen der Unterdrücker auch Reparaturarbeiten an Flugzeugen der deutschen Luftwaffe - in erster Linie an Trainern der Type Arado Ar 96B -.durchführen. Ironischerweise wurden in Kunowitz auch sowjetische SB-2 Bomber in Lizenz gefertigt, die dann deutsche Hoheitsabzeichen erhielten und von der deutschen Luftwaffe genutzt wurden. Kunowitz diente in diesen Tagen aber auch als Notlandeplatz für deutsche Flugzeuge. Am 27. April 1945 war die deutsche Besatzung zumindest in Kunowitz vorüber, als die Rote Armee den Ort erreichte und die verbliebenen deutschen Truppen nach Westen abzogen.

Eine historische Aufnahme aus dem Archiv der Firma LET. Ein in Lizenz in Kunowitz produzierter Tupoles SB-2 Bomber mit deutschen Hoheitsabzeichen während der deutschen Besatzung (1938-1945) - Archiv LET Aircraft Industries
So sah es auf dem Flugplatz Kunowitz zu Kriegsende aus - Archiv LET Aircraft Industries

Ungewisse Zukunft
Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Europas von der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten brachte zwar die Wiedererrichtung der Tschechoslowakei, doch die Luftfahrtindustrie im ganzen Land - auch in Kunowitz - lag am Boden, Europa selbst war in weiten Teilen völlig zerstört. Es gab keine Kunden, keine Aufträge für Flugzeuge - einfach nichts. Doch die Flugzeugbauer von Kunowitz gaben nicht auf. Sie setzten sukzessive einfach jene Flugzeuge, die noch auf dem Platz und in den Hangars herumstanden, instand und brachten sie wieder in die Luft - obwohl es an Ersatzteilen und qualifiziertem Personal mangelte.

Mühsam ging es nach dem Krieg aufwärts. Hier stolze Mitarbeiter mit einer in Kunowitz produzierten Avia C-2, einer tschechoslowakischen Variante der deutschen Arado Ar 96 - Foto: Foto: Archiv LET Aircraft Industries

Da in der Nachkriegszeit die Nachfrage nach Autos größer war als die nach Flugzeugen, produzierten die Flugzeugbauer von Kunowitz jetzt auch Autos, um sich und ihre Familien irgendwie über Wasser zu halten.

Um das Unternehmen am Leben zu erhalten, wurden sogar Fahrzeuge, vor allem Krankenwagen, gefertigt - Archiv LET Aircraft Industries

Im Jänner 1947 beschloss die Regierung der wiedererrichteten Tschechoslowakei, dass Kunowitz als Wartungszentrum für Luftfahrzeuge dienen sollte. Auch die bereits vor dem Krieg geplante Serienproduktion von Luftfahrzeugen sollte nun endlich dauerhaft Fahrt aufnehmen. Gewartet und überholt wurden in Kunowitz unter anderem Avia S-199 (Erstflug 1947, rund 600 Stück hergestellt), der tschechoslowakische Nachbau der legendären Messerschmitt Me-109. Mit etwa 35.000 produzierten Exemplaren ist dieser Typ (Me 109) das meistgebaute Jagdflugzeug der Welt. Ein Exemplar befindet sich übrigens im Flugmuseum Aviaticum auf dem Flugplatz Wiener Neustadt Ost Doch das ist eine andere Geschichte. Zurück nach Kunowitz.

Avia S-199 - das wissen nur wenige - waren ab 1948 (neben der Supermarine Spitfire) auch das Rückgrat der jungen israelischen Luftwaffe, über deren Geschichte sich in meinem Buch "Wie König Davids Söhne den Himmel eroberten - von Sternstunden und Tragödien der israelischen Luftfahrt" viel Interessantes findet.

Avia S-199 in Kunowitz. Die S-199 war der tschechoslowakische Lizenzbau der deutschen Messerschmitt Me 109, eines der bekanntesten Jagdflugzeuge der Welt. Die S-199 spielte eine bedeutende Rolle beim Aufbau der israelischen Luftwaffe 1948. Ihre Piloten wurden zum Teil in der Tschechoslowakei trainiert - zu ihnen gehörte auch der spätere israelische Staatspräsident Ezer Weizman - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

Etablierung als Flugzeugwerk
Zu den ersten hier produzierten Maschinen gehörten Segelflugzeuge, wie etwa die Typen LG–124 Galánka a LF–109 Pionýr. 1949 fiel die politische Entscheidung, in Kunowitz die sowjetische MiG 15 in Lizenz zu produzieren. Ebenso wurde hier die sowjetische Yak-11 gefertigt.

Bei LET Kunowitz / LET Aircraft Industries waren Frauen in der Flugzeugproduktion schon in frühen Jahren eine Selbstverständlichkeit - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
Historische Luftaufnahme des Firmenareals - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
MiG 15 im Flug auf einer Airshow in der Slowakei, 2026. Auch dieser Typ wurde (in Lizenz) in Kunowitz gefertigt - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Zu den bekanntesten bei LET in Kunowitz entwickelten und gebauten Segelflugzeugen gehört der L-13 Blanik. Er hob 1956 zum Erstflug ab und wurde zu einem Welterfolg. So fliegt beispielsweise das von Red Bull unterstützte Team Blanix mit dem L-13 und auch am Flugsportzentrum Spitzerberg (beim Segelfliegerclub "3 Möven")findet man einige Maschinen dieses (kunstflugtauglichen) Typs. 

LET L-13 Blanik mit österreichischem Kennzeichen. Diese Maschine hat ihre Heimatbasis auf dem Flugsportzentrum Spitzerberg nahe der slowakischen Grenze - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Ende 1953 beschloss die tschechoslowakische Regierung die Produktion der zweimotorigen viersitzigen Aero Ae-45 wieder aufzunehmen. Die Fertigung des zuvor bei Aero in Prag hergestellten Flugzeuges war 1951 eingestellt worden, aufgrund der großen Nachfrage aus dem Ausland sollte der Typ wieder in Serie gehen. Produziert wurde er nun in Kunowitz, wo das Modell auch modernisiert und überarbeitet werden sollte. "Das Vertrauen in die dortigen Fähigkeiten wuchs", heißt es dazu in der Firmenchronik von LET Aircraft Industries stolz. Aus der Ae-45 leiteten die Ingenieure in Kunowitz schließlich sogar die verbesserte Ae-145 ab.

Die Ae-45 - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

Als Nachfolger der Ae-45 entwickelte LET Aircraft Industries (damals hieß das Unternehmen LET Kunovice, auf Deutsch LET Kunowitz, der Einfachheit halber wird in dieser Reportage jedoch einheitlich der heutige Firmenname LET Aircraft Industries verwendet) Mitte der 1950er Jahre die ebenfalls zweimotorige L-200 A Morava (Deutsch: Mähren). Sie hob 1957 erstmals ab und wurde gleichermaßen zu einem Erfolg. Von 1959 bis 1986 verließen 361 Exemplare die Werkshallen. 

L-200 im Luftfahrtmuseum Kunowitz - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Von der Ende der 1950er Jahre von Aero Vodochody in Prag entwickelten L-29 Delfin wurden bei LET Aircraft Industries in Kunowitz zwischen 1963 und 1974 nicht weniger als 1.722 Exemplare gefertigt. Dieser Typ wurde zum Standardtrainer der tschechoslowakischen Luftwaffe und weiterer Luftstreitkräfte des Warschauer Pakts.

Ein L-29 Prototyp in Kunowitz - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
Noch heute gibt es einige flugfähige Maschinen dieses Typs. Fast die Hälfte aller rund 3.600 gebauten Exemplare rollten bei LET in Kunowitz vom Band - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Noch heute fliegen einige Exemplare in Privatbesitz. Für den Nachfolger der L-29, die L-39 Albatros (ebenfalls eine Entwicklung von Aero Vodochody), fertigte LET Aircraft Industries in Kunowitz einzelne Komponenten.

Vom Nachfolger L-39 fertigte man die Tragflächen; hier eine Maschine des privaten Jet-Teams Baltic Bees - Foto: www.der-rasende-reporter.info

1963 hob in Kunowitz die Z–37 Čmelák zum ersten Mal ab - der Typ wurde zu einem international erfolgreichen Agrarflugzeug. Mehr als 750 Exemplare wurden bis 1985 gefertigt. Es gab sogar eine Version mit Turboprop-Triebwerk.

Die Z-37 besprühte Felder in der ganzen Welt - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

LET 410 - der Welterfolg
Das wohl bekannteste und zugleich auch erfolgreichste Flugzeug aus Kunowitz, die LET 410 (diesem Typ widme ich mich zu gegebener Zeit in einer eigenen Reportage), hob am 16. April 1969 mit den Piloten  Vladimír Vlk und František Svinka im Cockpit zum ersten Mal ab - die LET 410. Die Entwicklung unter der Leitung von Ladislav Smrček hatte drei Jahre zuvor begonnen. Die LET 410 ist ein zweimotoriges Turbopropflugzeug, das flexibel als Fracht- und Passagierflugzeug (17 bis 19 Sitze) oder VIP-Transporter genutzt werden kann.

Kinder von Mitarbeitern bestaunen eines der ersten Modelle der LET 410 - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

In den 1970er- und 1980er-Jahren gab es in der Tschechoslowakei ein dichtes Inlandsstreckennetz, das neben den großen Flughäfen (Prag, Brünn, Pressburg, Mährisch-Ostrau oder Kaschau) auch eine ganze Reihe kleinerer Flughäfen umfasste. Dazu gehörten beispielsweise Kunowitz, Lizenz, Marienbad, Sillein oder Holleschau.

Der Prototyp der LET 410 in Kunowitz. Im Hintergrund der Kontrollturm - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
Die LET 410 bewährte sich unter anderem im tschechoslowakischen Inlandsflugverkehr - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

Dafür war die LET 410 geradezu prädestiniert..In den folgenden Jahrzehnten wurde der Typ modernisiert und zahlreiche verschiedene Varianten rollten vom Band. Seit 2018 befindet sich die LET 410NG in Produktion - die übrigens noch immer auf dem historischen Firmengelände erfolgt.

Das Cockpit der LET 410NG besticht durch modernste Digitaltechnologie (Garmin G3000) und lässt keine Pilotenwünsche offen - Foto: LET Aircraft Industries
Eine Maschine mit slowakischer Kennung auf dem Flughafen Pistian/Piestany - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Der LET 410 Hochdecker wird von Fachkräften mit Leidenschaft und Präzision und enorm viel Fachkenntnis tatsächlich in weiten Teilen in sprichwörtlicher Handarbeit gefertigt. Composite-Werkstoffe sucht man bei Zelle und Tragfläche vergeblich. Die LET 410 ist ein robustes Arbeitstier, das sich auch unter widrigsten Umständen bewähren und provisorisch instandgesetzt werden können muss. In manchen Regionen der Welt - so munkelt man - sei das "wichtigste Wartungswerkzeug" eine Dose "Kriechöl". Bis heute haben mehr als 1.300 dieser bewährten Flugzeuge die Werkshallen von LET Aircraft Industries in Kunowitz verlassen - und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Zahlreiche Luftfahrzeuge aus der 90-jährigen Geschichte von LET Kunowitz / LET Aircraft Industries kann man übrigens im Luftfahrtmuseum Kunowitz bestaunen. Kein Wunder, wurde es doch von engagierten LET-Mitarbeitern ins Leben gerufen.

Blick in die Produktionshallen von LET Aircraft Industries in Kunowitz - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
Die aktuelle Baureihe ist die LET 410NG - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
Auch der Senegal gehört zu den Betreibern der LET 410 - Foto: Archiv LET Aircraft Industries

Aktuell fliegt die LET 410 bei zivilen und militärischen Betreibern rund um den Globus, unter anderem (kurzer Auszug) in:

  • Algerien
  • Bosnien
  • Bulgarien
  • Chile
  • Kolumbien
  • Tschechien
  • Slowakei
  • Demokratische Republik Kongo
  • Georgien
  • Russland
  • Indien
  • Indonesien
  • Litauen
  • Nepal
  • Philippinen
  • Senegal
  • Tansania
  • Usbekistan
  • Bangladesch
  • Kap Verden
  • Dschibuti
  • Honduras
  • Polen
  • Slowenien
  • Tunesien
  • Senegal

Laut Angaben von LET Aircraft Industries aus Kunowitz wurde die LET 410 weltweit in insgesamt mehr als 60 Länder exportiert. Ein ausgesprochen beeindruckender Wert für ein derartiges Flugzeug.

LET 610 - der ATR-Konkurrent
In den 1980er Jahren leitete LET Kunowitz / LET Aircraft Industries aus der LET 410 die LET 610 ab. Sie war für 40 Passagiere konzipiert und wäre damit ein Konkurrent für verschiedene Modelle von ATR und Bombardier (Dash 8) gewesen.

Die LET 610 konnte bis zu 40 Passagiere befördern - Foto: Archiv LET Aircraft Industries
Einer der LET 610 Prototypen auf dem Werksgelände von LET Aircraft Industries in Kunowitz - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Zwischen 1991 und 2006 wurden acht Prototypen gefertigt, doch eine Aufnahme der Serienproduktion erfolgte nicht. Wie man anhand der Entwicklungen im Flugverkehr der vergangenen Jahre sieht, geht der Trend weg von kleinen Turboprop-Regionalflugzeugen und hin zu Jets. Trotzdem war die LET 610 ein weiterer Beweis für die hochentwickelten Fähigkeiten der Firma LET.

Die Kabine der LET 610 - Foto: www.der-rasende-reporter.info
Auch das aufgeräumte Cockpit der LET 610 war durchaus konkurrenzfähig zu den Produkten aus dem Hause Bombardier oder ATR - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Herausfordernde Zeiten
Wirtschaftlich war die Geschichte von LET Kunowitz / LET Aircraft Indsturies vor allem ab Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre durchaus turbulent, doch die innovativen Flugzeugbauer aus Kunowitz haben alle Herausforderungen gemeistert. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde LET 2005 von Aircraft Industries übernommen und trägt seither den Namen LET Aircraft Industries. 2008 beteiligte sich ein russischer Konzern mit 51 Prozent an der Firma, 2013 übernahmen die Russen das Unternehmen komplett. Das wurde zum großen Problem, als Russland im Jahr 2022 die Ukraine überfiel und deshalb vom Westen mit Sanktionen belegt wurde. Außerdem erachtet das offizielle Tschechien Russland mittlerweile (Stand 2026) als größte Bedrohung für seine Sicherheit und rüstet sich für einen möglichen Angriff der Russen (laut einer Globsec-Studie von 2024 sehen 76 Prozent der tschechischen Bevölkerung Russland ebenfalls als Gefahr - 2014 waren es noch 65 Prozent gewesen).

Da passte es gut, dass der tschechische Technologie- und Luftfahrtkonzern Omnipol (der Eigentümer hat ein großes Herz für die Fliegerei), zu dem auch der Flugzeughersteller Aero Vodochody bei Prag gehört, LET Aircraft Industries 2022 von den Russen zurück kaufte. Damit ist einer der bedeutendsten tschechischen Flugzeughersteller (rund 1.200 Mitarbeiter und insgesamt etwa 8.000 produzierte Flugzeuge seit Bestehen der Firma) wieder fest in tschechischer Hand und man darf gespannt auf die Erfolge der nächsten 90 Jahre sein.

Denn die Leidenschaft der LET-Belegschaft sucht man in großen seelenlosen Konzernen oftmals vergeblich - sie ist ein Garant für die Qualität der LET-Flugzeuge und die Seele des Unternehmens.

Text: Patrick Huber