Reportagen

Fotoreportage: Das Luftfahrtmuseum in Kunowitz

Wenn man von Westen kommend in Kunowitz einfährt, sieht man das Luftfahrtmuseum bereits auf der linken Seite. Alle Fotos: www.der-rasende-reporter.info

Tschechien ist ein Land mit großer Luftfahrttradition, vielen Flugplätzen und Museen, die - noch - als Geheimtipp gelten können. Eines davon befindet sich Kunowitz (Tschechisch: Kunovice), dem Sitz zahlreicher tschechischer Flugzeugproduzenten. Patrick Huber / www.der-rasende-reporter.info hat es für Austrian Wings besucht.

Kunowitz mit seinen Flugzeugwerken - darunter LET Aircraft Industries, Hersteller der bekannten LET 410 und vieler weiterer Typen - befindet sich rund 160 Kilometer östlich von Wien. Über Lundenburg/Breclav oder Feldsberg/Valtice gelangt man mit dem Auto oder dem Motorrad in gut zwei Stunden gemütlich zum örtlichen Luftfahrtmuseum. Da die Strecke fast ausschließlich über Landstraßen führt, auf denen viel Schwerverkehr unterwegs ist, empfiehlt sich für einen Besuch ein Samstag oder Sonntag - denn da ist die Fahrt definitiv entspannter.

Der ganze Stolz ist die seit 2018 hier ausgestellte ehemalige tschechische Regierungsmaschine TU-154M OK-BYZ.

Die Anfänge des Museums reichen bis 1970 zurück. Zwei Mitarbeiter des Flugzeugherstellers LET Kunovice (heute LET Aircraft Industries), Jiří Marek und Alois Hráček, beschlossen, historische Flugzeuge zu erhalten. Das erste Stück war eine LET L-29 Delfin, ein einstrahliges Trainingsflugzeug. Bald gesellten sich weitere Exponate dazu. Zu dieser Zeit befand sich das Museum auf dem Firmengelände von LET. Mitte der 1980er Jahre - es waren weitere Flugzeuge zur Sammlung gestoßen - verlegte man das Museum aus Platzgründen auf ein Areal neben das Werk.

Das Museum besitzt auch zwei IL-14. Eine Maschine in VIP-Konfiguration und eine Spezialversion mit gläsernem "Bomberbug".

Doch LET benötigte den Platz, um zu expandieren. Deshalb wurde das Museum dem Slovácký Aeroklub unterstellt und zog im Jahr 1991 auf ein Grundstück in der Nähe des Fliegerklubs um. 2005 übertrug der Aeroklub den Betrieb des Luftfahrtmuseums dann dem Slovácký-Museum. Doch unter dessen Leitung verschlechterte sich der Zustand der Exponate  unter freiem Himmel immer weiter. Im Jahr 2012 gründeten ehemalige Museums-Mitarbeiter und Piloten des Slovacky Aeroklub deshalb auf eigene Faust, die Initiative "Rettet das Luftfahrtmuseum" ins Leben zu rufen. Sie führten unter anderem in Eigenregie Reinigungsarbeiten an den Flugzeugen durch.

Der Eingang zum Museum.
Von der zweimotorigen Aero Ae-45 wurden zwischen 1949 und 1963 etwa 600 Exemplare gefertigt.
Die LET L-13 ist ein kunstflugtaugliches zweisitziges Segelflugzeug, das bei LET in Kunowitz produziert wird. Der Erstflug erfolgte im Jahr 1956, insgesamt wurden rund 3.000 Exemplare produziert. Auch das von Red Bull unterstützte "Team Blanix" nutzt für seine spektakulären Kunstflugvorführungen diesen Typ.

2015 kann dann als Geburtsstunde des "heutigen" Luftfahrtmuseums Kunowitz gelten. Der Vertrag mit dem Slovacke Museum wurde aufgelöst und der örtliche Aeroklub übernahm wieder die Agenden beim Museum. Von da an ging es wieder bergauf. Im Jahr 2016 startete das Museum eine Spendenaktion zur Rettung einer ehemaligen Regierungs Tu-154, die tatsächlich nach Kunowitz transportiert und 2018 dort ausgestellt werden konnte.

Die Ae-45

Zu den Exponaten gehörten unter anderem

  • C-11
  • Ae-45
  • L-200
  •  L-410 (einschließlich eines Protoypen)
  • L-610
  • L-13 Blanik (berühmtes Segelflugzeug)
  • Z-37 (einschließlich des Prototyps TM mit Turbine)
  • Z-126
  •  L-29 Delfin
  • L-39 Albatros
  • Il-14 (mehrere Versionen)
  • Yak-40
  • Tu-154
  •  MiG-15
  • MiG-19
  • MiG-21
  • MiG-23
  • Su-7
  •  Mi-4

Außerdem gibt es vor Ort ein kleines Restaurant und einen Kinderspielplatz. Mehrere Exponate - etwa eine IL-14 in VIP-Ausführung und die ehemalige Tu-154 der tschechischen Regierung - können auch von innen besichtigt werden.

Let L-200D Morava
IL-14
Mehrere LET 410.

Klein, aber fein - das beschreibt dieses Museums sehr treffend. Nach einem Besuch kann man sich bei typisch tschechischer Küche in zahlreichen Gasthäusern in der Umgebung für die Heimreise stärken. Achtung, in Tschechien gelten 0,0 Promille für Kraftfahrer und die tschechische Polizei ist bekannt dafür, auch bei Touristen keinerlei Nachricht zu üben.

Einer der LET 610 Prototypen. Die Maschine gelangte nie zur Serienproduktion.
LET 410
Frontalansicht einer Mig 21.
Zelle einer LET 610.
Mig 21, dahinter eine Yak-40.
Zlin Z-37TM mit Turbopropantrieb.
Klassische Z-37 mit Kobenmotor.
LET 410 "Flightline"
Diverse Mig-Kampfjets
Mig 15
Zlin Z-126 Trener
Aero Vodochody L-39 Albatros.
"Bordservice" in Restaurantform ...
Yak 40
Die Tu-154 ist einer der Höhepunkte und wird von vielen Besuchern innen besichtigt.
Das Hauptfahrwerk der Tu-154.
Triebwerk Nummer 1 (links außen) und Nummer 2.
Overwing Exits der Tu-154M.
Triebwerk Nummer 1.
Flugbegleiter-Sitze beim Eingang.
Die Bordküche (Galley) ist riesig im Vergleich zu heutigen Bordküchen auf Boeing 737 oder A320.
"Russian Aircondition" in der Galley.
Der VIP-Salon im vorderen Bereich der Kabine der Tu-154.
Blick auf den Arbeitsplatz des Navigators.
Overwing-Exit in der Economy Class Kabine der Tu-154.
Die letzte Sitzreihe in der Tu-154 bot besonders viel Beinfreiheit.
Die Economy Class.
Yak-40
Raketenwerfer unter der Tragfläche einer Mig 21.
Die Mig 23 war ein hochkomplexler Schwenkflügler, der bis Ende der 1990er Jahre von der tschechischen Luftwaffe regulär genutzt wurde.
Eine Besonderheit (ACHTUNG, Humor) ist dieses "Stealth-Flugzeug" - das gibt's nur im Luftfahrtmuseum Kunowitz.
Mil Mi-4 Helikopter.
IL-14FG mit "Bomberbug" - ein spezielles Fotoflugzeug, das durch Umbauten regulärer IL-14 in der Tschechoslowakei entstand. Nur wenige Exemplare wurden gefertigt.
L-29 Delfin
Kabine der LET 610.
Cockpit der LET 610.
Eines der wenigen westlichen Exponate, eine Cessna 421.
Delfin-Logo auf einer weiteren L-29.
Auch auf dem Kinderspielplatz dreht sich alles ums Thema Luftfahrt.
IL-14
Die ausgestellte IL-14 ist mit zwei VIP-Salons ausgestattet, einem grünen und einem roten.
Cockpit der IL-14
Kabine der Yak-40.
VIP-Bereich in der Yak-40.
Das Cockpit der Yak-40.

Weitere Informationen, Öffnungszeiten und Preise gibt es auf der Homepage des Museums.

Text & Fotos: Patrick Huber