Reportagen

Jet Fighters: Das Ass der Asse

Namen wie Saburo Sakai, Douglas Bader, Erich Hartmann, Gregory "Pappy" Boyington oder Chuck Yeager sind den meisten luftfahrthistorisch interessierten Lesern wohl ein Begriff. All diese Männer mussten sich im Kriege durch besondere fliegerische Leistungen auszeichnen um zu überleben. Doch nur wenigen dürfte der Name Giora Epstein etwas sagen. Dabei ist dieser vor 75 Jahren geborene Flieger das "Ass der Asse" unter den Piloten des Jetzeitalters. Austrian Wings beleuchtet seinen Werdegang.

Geboren 1938, trat Epstein im Alter von 18 Jahren während der Suez-Krise in die Israelischen Streitkräfte ein, wo er Pilot werden wollte. Doch bei der medizinischen Tauglichkeit erreichte er nicht die geforderte Punkteanzahl und wurde zu den Fallschirmjägern versetzt, wo er seinen Familiennamen auf "Even" änderte, das hebräische Wort für "Stein". Im Jahr 1959 wurde er ausgemustert und bewarb sich zwei Jahre später erneut an der Fliegerschule, wo er diesmal angenommen wurde.

Es folgte eine zweijährige Ausbildung zum Kampfpiloten in deren Rahmen seinen Instruktoren und Kameraden das außergewöhnliche Sehvermögen des 23-Jährigen auffiel, was ihm prompt den Spitznamen "Hawkeye" einbrachte. Even konnte auf eine Entfernung von mehr als 40 Kilometern andere Flugzeuge visuell lokalisieren - mehr als dreimal so früh wie andere Piloten. Das sollte ihm bei seinen Einsätzen einen entscheidenden Vorteil sichern.

Seine ersten Kampfeinsätze als Pilot flog er im Juni 1967 während des 6-Tage-Krieges. Der mittlerweile 29-Jährige errang seinen ersten Luftsieg am 6. Juni 1967 gegen eine ägyptische Suchoi Su-7. Im so genannten Abnutzungskrieg schoss Even in den Jahren 1969 und 1970 eine weitere Su-7, eine MiG 17 und zwei MiG-21 ab - mit fünf bestätigten Luftsiegen galt er damit bereits als Ass.

Doch diese frühen Tage Israels - seit der Gründung waren noch nicht einmal 30 Jahre vergangen - waren weiterhin geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen, in denen es um nicht weniger ging als den Fortbestand des Staates, der zur Heimat der wenigen Shoa-Überlebenden geworden war.

Im Jom Kippur Krieg schoss Even insgesamt 12 weitere Luftfahrzeuge, darunter einen Mi-8 Helikopter, zwei Su-7, zwei Su-20 und vier MiG-21 ab.

Während seiner Einsätze flog Even die Mirage III sowie die IAI Nesher, einen israelischen Nachbau der Mirage V. Fünf Gegner schoss er unter Verwendung von Luft-Luft-Rakten ab, die übrigen 12 mit der Bordkanone.

IAI Nesher im Flug - Foto: IDF
IAI Nesher im Flug - Foto: IDF

Giora "Hawkeye" Even ist bis heute weltweit der einzige Pilot, der eine derart hohe Abschusszahl mit strahlgetriebenen Flugzeugen erreicht hat und gilt damit in Pilotenkreisen als das "Ass der Asse des Jetzeitalters".

Nach dem Jom Kippur Krieg wurde Even mit der Medal of Destinguished Service ausgezeichnet und diente weiterhin in den israelischen Luftstreitkräften.

Dort wurde er Staffelkommandant, flog zunächst Kfir und Mirage, eher er nach seinem aktiven Dienst in den Streitkräften Kapitän bei El Al wurde. Parallel dazu flog er bis zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 1998 die F-16 als Milizpilot. Sein letzter Dienstrang war Oberst, in den israelischen Streitkräften als "Aluf Mischne" bezeichnet.

(red CvD / Titelbild: Giora "Hawkeye" Even/Epstein - Foto: www.idfblog.com)