Österreich

Projekt Treher: Messerschmitt Bf109 D-1 in Zeltweg ausgestellt

Die Militärluftfahrtausstellung Zeltweg ist ab der Saison 2014 um einen eindrucksvollen Schauraum reicher. Im Hangar 8 werden erstmalig die kompletten Fundstücke einer 1940 in der Fischamender Au abgestürzten Messerschmitt Bf109 D-1 ausgestellt. Diese sind in geordneter und zusammenhängender Form zu sehen und wurden durch zahlreiche Informationstafeln ergänzt. Den schicksalhaften Höhepunkt bildet der vollständig erhaltene und unbenutzte Fallschirm des Unglückspiloten.

Wie sieht ein Flugzeug aus, das abgestürzt ist? Davon können Besucher von 01.Mai - 19. Oktober 2014 in Zeltweg einen Eindruck bekommen. Die von Rudolf Ster und Wolfgang Forthuber beim Bergeprojekt „Treher“ freigelegten Fundstücke besitzen eine ganz besondere Faszination. Vom Aufprall verformt, oder auseinander gerissen, lassen sie einen erahnen, welche Kräfte bei der Kollision zwischen Flugzeug und Erdboden freigesetzt wurden.

Dank zahlreicher Originalpläne und Informationsgrafiken kann man sie im ursprünglichen Zustand sehen und ihre Funktion im Jagdflieger zuordnen.
Die fesselnde Wirkung der Ausstellungsstücke liegt jedoch nicht nur in der Technik der Vergangenheit, die sie repräsentieren. Es ist vor allem ihre Rolle als stumme Zeugen einer Katastrophe, welche dem Betrachtenden einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen lässt.

Der Fliegertod des Fähnrich Hans Rüdiger Treher vom 23.9.1940 birgt auch heute noch viele Geheimnisse. So ist nach wie vor die genaue Absturzursache unklar. Bei der Bergung wurde der ungeöffnete Fallschirm des Jagdfliegeraspiranten gefunden. Ging das Unglück zu schnell von statten um sich retten zu können? Oder versuchte der junge Pilot bis zuletzt den Absturz doch noch abzuwenden und weigerte sich die Maschine zu verlassen? Beantwortungsversuche bestehen nur aus Mutmaßungen.

Ster, welcher 2000 den erfolgreichen Bergeversuch initiierte (ausführlich dokumentiert im Buch „Das Bergeprojekt 'Treher'“), konnte durch ausführliche Archivrecherche ein Porträtfoto des Verunglückten ausfindig machen. Mit dem Bild bekommt eines der unzähligen Opfer des Zweiten Weltkrieges ein Gesicht. Es schlägt die Brücke zur Person, die diese Maschine flog und in ihr ums Leben kam – eines von Millionen Leben, dass mit nur 19 Jahren von einem völlig sinnlosen und barbarischen Krieg beendet wurde.

Rüdiger Treher wurde von einem menschenverachtenden Regime als Soldat missbraucht und starb während eines Ausbildungsfluges
Rüdiger Treher wurde von einem menschenverachtenden Regime als Soldat missbraucht und starb während eines Ausbildungsfluges - er ist einer von 55 Millionen sinnlosen Toten des Zweiten Weltkrieges

Das in Zeltweg aufgebaute Panel soll auch als Mahnung verstanden werden, den Wert des Friedens zu schätzen, erklärt Ster. Was unter anderen Umständen aus dem Leben Trehers hätte werden können, hat sich auch seine Mutter gefragt, welche jedes Jahr nach Fischamend an die Unglücksstelle kam. Sie hat die Bergung nicht mehr erlebt, ihr Sohn erfährt aber mit der Ausstellung die von ihr gewünschte Würdigung.

Die Ausstellung wurde nur durch enge Zusammenarbeit mit dem Heersgeschichtlichen Museum (hier seien besonders Vzlt. Karl Nowak und Ausstellungsleiter Mario Tuttinger erwähnt) und ist von 1. Mai bis 19.Oktober 2014 jeweils Dienstag bis Sonntag von 09:00 Uhr – 17:00 Uhr geöffnet.

(red / Rudolf Ster via Presseaussendung / Fotos: Archiv Rudolf Ster)