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SUST-Bericht: Ju Air Absturz auf menschliches Versagen zurückzuführen

Die HB-HOT, aufgenommen 2009 in Wels - Foto: Austrian Wings Media Crew

Was Brancheninsider schon kurz nach dem Absturz vermutet hatten, bestätigt jetzt auch der offizielle - allerdings noch unveröffentlichte - Bericht der SUST: Der Absturz der Ju 52 HB-HOT im August 2018 ist auf risikoreiches Handeln der Piloten zurückzuführen.

Der 4. August 2018 ging als schwarzer Tag in die Geschichte der Schweizer (Oldtimer-)Luftfahrt ein. An diesem Tag stürzte die Ju 52/3 HB-HOT der Ju Air ab - alle 20 Insassen fanden den Tod. Schon kurz nach dem Unglück verdichteten sich die Indizien, dass es bei der Sicherheitskultur der Ju Air massive Probleme gab. Das bestätigen die Unfallermittler der SUST auch in ihrem Abschlussbericht, der offiziell zwar erst Ende Oktober veröffentlicht wird, jedoch bereits jetzt mehreren Schweizer Medien vorliegt. Darin ist unmissverständlich zu lesen, dass der Tod der 20 Insassen der Tante Ju an jenem 4. August vor zwei Jahren auf das risikoreiche Verhalten der beiden Kapitäne im Cockpit zurückzuführen war, und dass sich die beiden Flugzeugführer bereits auf früheren Flügen ähnlich verantwortungslos verhalten hätten. So war die HB-HOT am Unglückstag etwa viel zu tief unterwegs. Es habe keinerlei für den Absturz kausale technische Defekte an der Maschine gegeben.

In dem Bericht ist die wörtlich die Rede von (wiederholtem) "leichtsinnigen Regelbrüchen und risikoreichem Verhalten" der verunglückten Piloten. Am Unglückstag und auch schon davor, sei die Maschine "hochriskant geflogen" worden.

So seien die Piloten viel zu tief in den Talkessel eingeflogen, es sei auch mehr möglich gewesen eine Umkehrkurve zu fliegen. Die Entscheidung für diese riskante Route habe  "in krassem Gegensatz zum Wissen der Piloten gestanden, weil jederzeit ein oder mehrere Auswege bestehen müssen".

Die Unglückspiloten auf einem früheren Flug - Foto: Austrian Wings Media Crew

Als die Piloten erkannten, dass sie den die vor ihnen liegenden Berge nicht überfliegen konnten, versuchten sie dennoch eine Umkehrkurve, bei der es zu einem Strömungsabriss kam, der zum tödlichen Absturz führte.

Massive Kritik an Ju Air
Die beiden Unglückspiloten im Alter von 62 und 63 Jahren hätten allein in den zwei Monaten vor dem Absturz 28 Flüge gemeinsam durchgeführt. Dabei hätten sie mehrmals die vorgeschriebene Mindestflughöhe unterschritten. Schweizer Medien zitierten aus dem noch unveröffentlichten Unfallbericht, dass sich die Piloten offenbar für "unverwundbar" gehalten hätten.

Vor allem jener Kapitän, der am Unglückstag auf dem linken Sitz im Cockpit saß, soll ein "vermindertes Risikobewusstsein" gehabt haben. Er habe wiederholt gewagte Manöver geflogen und sei von "fehlender Selbstkritik" geprägt gewesen. Insgesamt hatte er mehr als 20.700 Flugstunden Erfahrung, davon etwa 300 auf der Ju 52. Sogar bei Checkflügen soll er - obwohl sich ein Prüfer des BAZL an Bord befand - die Mindestflughöhe unterschritten habe - ohne Konsequenzen.

Der zweite Kapitän wird trotz der Kritik als "vorsichtiger" beschrieben, allerdings kannten sich die beiden Männer seit vielen Jahren und waren auch schon bei der Schweizer Luftwaffe zusammen geflogen.

Überhaupt habe es gegen Ju Air immer wieder Beschwerden wegen Unterschreiten der Mindestflughöhen gegeben - einige Fälle seien nachweislich dokumentiert, es habe auch Strafzahlungen gegeben. Das werfe auch Fragen auf, wie die zuständige Behörde, das BAZL, die Ju Air geprüft habe.

Die "BAZ" zitierte Martin Stucki, CEO der Firma Linth-Air-Service dazu mit folgenden Worten: "Die Ju-Air hatte Narrenfreiheit."

(red)