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Buchrezension: "Der Absturz von Birgenair Flug 301 - Urlaubsreise in den Tod"

Das Cover des Buches ist zweigeteilt: Auf der oberen Hälfte zeigt es die Unglücksmaschine, unten die Trümmer in Puerto Plata.

Es ist kurios und makaber: Das schwerste Flugzeugunglück von dem deutsche Staatsbürger je betroffen waren, ereignete sich weder in Deutschland, noch mit einer deutschen Airline, sondern in der Nacht von 6. auf 7. Feber 1996 in der Dominikanischen Republik an Bord einer türkischen Fluggesellschaft. In etwas mehr als zwei Wochen jährt sich der Absturz von Birgenair / Alas Nacionales Flug 301 zum 30. Mal. Kürzlich hat Patrick Huber in Zusammenarbeit mit Sybille Jatzko von der "Stiftung Katastrophennachsorge" den Absturz in einem eigenen Sachbuch aufgearbeitet. Christian Becker hat es gelesen. Hier sind seine Eindrücke.

Informationen zum Buch 

•    A5 
•    96 Seiten
•    25  Abbildungen 
•    ISBN 978-3-565103-05-8
•    Preis EUR 10,99,-- (zzgl. Versandspesen)

Auszug möglicher Bezugsquellen: Onlineshop des Verlages (ideal für Deutschland) oder beispielsweise Manz-Onlineshop und Falter-Onlineshop (geringere Versandkosten für österreichische Leser).  Außerdem kann das Buch "Birgenair Flug 301 - Urlaubsreise in den Tod" unter Angabe der ISBN 978-3-565103-05-8 über alle Buchhandlungen in Österreich und Deutschland bezogen werden.

Birgen .. wer? Ah, Birgenair. Eine Fluglinie von der ich noch nie etwas gehört habe, bevor ich auf Flugforensik einen Podcast über den Absturz in der Karibik vor fast 30 Jahren gehört habe. Danach hab' ich die Google AI bemüht, ob es zu dem Thema irgendein Buch gibt. Das einzige Buch, welches mir Google ausgeworfen hat, stammt von Patrick Huber.

Kaum zu glauben, aber es gibt offenkundig nur ein Buch zum Absturz, selbst auf Englisch habe ich sonst nichts dazu gefunden.

Mit 10 oder 11 Euro plus Porto ist es wirklich günstig und ich hab's mir über einen österreichischen Onlinehändler bestellt. Lieferung kam prompt, Qualität in Ordnung. Ein Softcover-Taschenbuch halt. Es hat ein bisschen weniger als 100 Seiten, ist gut strukturiert und verfügt über etliche Fotos, die ich zum ersten Mal gesehen habe. Der Autor hat laut den Angaben im Vorwort bei diesem Buch mit der Psychologin Sybille Jatzko zusammengearbeitet, von der er Informationen und Fotos bekommen hat. Frau Jatzko ist die Gründerin der Stiftung Katastrophennachsorge und kümmert sich mit ihrem Mann und anderen Helfern bis heute um die Angehörigen der Absturzopfer von Birgenair. Von 189 Toten waren über 160 Deutsche.

Die Schilderungen des Autors sind gewohnt detailreich.

Bevor der Autor ins eigentliche Thema einsteigt, erzählt er die Geschichte der Birgenair (sehr interessant, schon da denkt man sich unweigerlich: Oh Gott, was für ein Saftladen war das, wie konnten die überhaupt ab Deutschland fliegen?) und der Boeing 757, also des Musters, das dann abgestürzt ist. Der Reiseveranstalter Öger Tours, dessen Charter der Flug war, wirkt auch recht zwielichtig, wenn man die ganzen Hintergründe dazu liest.

Die zwei Fotos sagen alles: Das Wrack auf dem Meeresgrund und geborgene Trümmer an Land. Einfach bedrückend, vor allem weil dieser Absturz so absolut vermeidbar gewesen wäre.

Den Ablauf des Unglücksfluges rekonstruiert Herr Huber so detailliert, dass ich beim Lesen den Eindruck gehabt habe, ich wäre selbst an Bord gewesen. Spannend, bedrückend aber auch fesselnd und informativ gleichermaßen, ich habe gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören können. Sehr bewegend habe ich die Erzählungen von einzelnen Schicksalen der Passagiere und Crew gefunden und das unglaubliche Leid der Angehörigen, das durch Sybille und Hartmut Jatzko und ihr Netzwerk gelindert worden, rührt einen zu Tränen. Es ist so schrecklich traurig zu lesen, dass Familien mit Kindern gestorben sind und selbst etliche der Kinderleichen niemals geborgen worden sind. Das tut weh.

Für die türkische Crew gibt es in Istanbul auf einem Friedhof eine Gedenkstätte und leere Gräber als Erinnerung (Foto rechts unten auf der rechten Seite im Buch).

Am Ende bin ich als Leser traurig und wütend zurückgeblieben, weil ich der Meinung bin, dass so eine "Schrottairline", die noch dazu mit einer dominikanischen Scheinfirma zusammen die Flüge durchgeführt hat, überhaupt von Europa aus fliegen durfte.

Auch für dieses Buch möchte ich eine klare Kaufempfehlung und fünf Sterne Lob aussprechen.

Text & Fotos: Christian Becker