Egal ob Luftfahrt-Enthusiast oder Technik-Fan, wer die Wiege der britischen Luftfahrtindustrie erleben möchte sollte sich das Brookland Aviation & Motoring Museum nicht entgehen lassen. Man muss dem hektischen Treiben der Metropole London allerdings den Rücken kehren und in das circa 40 km südwestlich von London gelegene Weybridge fahren. Dort befindet sich der Ort Brooklands mit seinem geschichtsträchtigen Areal.
Während seiner 80 Jährigen Firmengeschichte wurden dort schätzungsweise über 18.000 Flugzeuge gebaut. Darunter die Vickers VC10, ein speziell für die heißen und hoch gelegenen Startbahnen in den Kolonialländern des Empire entwickeltes Flugzeug. Auch British Airways nutzte bis 1981 dieses Langstreckenflugzeug. In den Jahren des ersten und zweiten Weltkrieges lief primär eine Massenproduktion militärischer Flugzeuge wie beispielsweise des Wellington Bombers.Auch für die legendäre Concorde wurden in den Hallen von Brookland bis Ende der 70er Jahre Teile gefertigt. Darunter das Seitenleitwerk, der Rumpf und weitere Strukturteile. Das Brookland Museum bewahrt dieses Erbe mit einer einzigartigen Sammlung aus Flugzeugen. Vom hölzernen Doppeldecker bis ins Überschall Zeitalter reichen die ausgestellten Exponate. Manche von ihnen können sogar von innen besichtigt werden. Das ca. 13 Hektar große Areal beherbergt mehrere tausend geschichtsträchtige Einzelobjekte, sowie vier denkmalgeschützte Originalgebäude.

















Doch der Star ist ohne Zweifel die Concorde. Das ausgestellte Museumsstück mit der Kennung G-BBDG war das Erste Serienprüfungsflugzeug das gebaut wurde. Ihren Erstflug hatte die „Delta-Golf“ am 13 Februar 1974. 1981 erwarb British Airways dann die Eigentumsrechte. Mit diesem Flugzeug wurden die notwendigen Zertifizierungsflüge durchgeführt und sie absolvierte dabei knapp 1300 Flugstunden, über 500 davon mit Überschall. Mit diesem Flugzeug wurde auch ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte geschrieben. Sie war das erste Concorde Modell das 100 Passagiere mit doppelter Schallgeschwindigkeit beförderte. Danach wurde sie dauerhaft stillgelegt und diente der Fluggesellschaft nur mehr als Ersatzteilspender. 2003, nach dem tragischen Ende der Concorde Ära wurde dem Museum dieses Flugzeug als Leihgabe angeboten. Bis 2006 wurde es schließlich aufwendig saniert. Fehlende Originalteile konnte das Museum von einer ebenfalls stillgelegten Concorde in Heathrow beschaffen. Diese Parkt heute noch am Wartungsgelände von British Airways am Flughafen Heathrow und hat die Kennung G-BOAB.









Kleines Detail noch zur restaurierten Maschine im Museum. Sie ist eine von nur wenigen weltweit verbliebenen Concordes bei der auch die charakteristische Absenknase (Droop Nose) voll funktionsfähig ist.
Die Besatzung im Cockpit bestand aus einem Flugkapitän, dem Ersten Offizier, sowie einem Flugingenieur. Sowohl British Airways als auch Air France (den beiden Hauptbetreibern der Concorde) entschieden sich für eine Standardbestuhlung von exakt 100 Passagiersitzen. Zugelassen war sie für max. 128 Passagiere. Der daraus resultierende größere Abstand der Sitzreihen sowie exklusive Ledersitze unterstrichen das besondere Reiseerlebnis. Denn bei einem Ticketpreis von ca. 11000 USD (Anfang der 90-er Jahre!) für einen Hin- und Retourflug von London nach New York ist ohnehin klar dass das Reisen mit Überschall nur einem besonderen Klientel vorbehalten ist. So waren auf Concorde Flügen eher Top-Manager, Staats- oder Regierungschefs, das Who´s Who von Hollywood und der Popkultur sowie auch die Royals anzutreffen.
Ein sehr kleiner Anteil waren dennoch Privatleute (der einmal im Leben Urlaub). Viele sparten jahrelang für den runden Geburtstag oder den Hochzeitstag. Für diese Passagiere war der Flug selbst schon das Ziel.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber dennoch ist für mich die Concorde, optisch gesehen, eines der schönsten kommerziellen Luftfahrzeuge das je gebaut wurde. Die Stromlinienform mit ihrer markanten Spitze sowie die sanft geschwungenen Deltaflügel machen es zu einer einzigartigen Ikone der Luftfahrt.
Als Luftfahrtenthusiast war das Brookland Museum für mich mehr als nur ein Ausflugsziel. Das historische Areal mit ihren teils denkmalgeschützten Gebäuden erzeugte zusätzlich ein besonderes Flair. Sowie eine originale Concorde von innen zu besichtigen kann man auch nicht überall erleben.
Text & Fotos: Michael Jentner