Reportagen

Fotoreportage: Brookland Aviation & Motoring Museum

Eines der Prachtstücke des Museums ist der persönliche Regierungsjet des Sultans von Oman. Eine Vickers VC10 mit der Kennung A4O-AB - alle Fotos: Michael Jentner (bitte beachten Sie das Urheberrecht; ein Verstoß kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen)

Großbritannien ist ein Land mit großer Luftfahrttradition und vielen Museen, die diese Tradition dokumentieren. Luftfahrtreporter und Fotograf Michael Jentner hat für Austrian Wings das Brookland Aviation & Motoring Museum in Surrey besucht. Hier teilt er seine Impressionen mit unseren Leserinnen und Lesern.

Egal ob Luftfahrt-Enthusiast oder Technik-Fan, wer die Wiege der britischen Luftfahrtindustrie erleben möchte sollte sich das Brookland Aviation & Motoring Museum nicht entgehen lassen. Man muss dem hektischen Treiben der Metropole London allerdings den Rücken kehren und in das circa 40 km südwestlich von London gelegene Weybridge fahren. Dort befindet sich der Ort Brooklands mit seinem geschichtsträchtigen Areal.

Während seiner 80 Jährigen Firmengeschichte wurden dort schätzungsweise über 18.000 Flugzeuge gebaut. Darunter die Vickers VC10, ein speziell für die heißen und hoch gelegenen Startbahnen in den Kolonialländern des Empire entwickeltes Flugzeug. Auch British Airways nutzte bis 1981 dieses Langstreckenflugzeug. In den Jahren des ersten und zweiten Weltkrieges lief primär eine Massenproduktion militärischer Flugzeuge wie beispielsweise des Wellington Bombers.Auch für die legendäre Concorde wurden in den Hallen von Brookland bis Ende der 70er Jahre Teile gefertigt. Darunter das Seitenleitwerk, der Rumpf und weitere Strukturteile. Das Brookland Museum bewahrt dieses Erbe mit einer einzigartigen Sammlung aus Flugzeugen. Vom hölzernen Doppeldecker bis ins Überschall Zeitalter reichen die ausgestellten Exponate. Manche von ihnen können sogar von innen besichtigt werden. Das ca. 13 Hektar große Areal beherbergt mehrere tausend geschichtsträchtige Einzelobjekte, sowie vier denkmalgeschützte Originalgebäude.

Blick ins Innere der VC-10 des Sultans von Oman. Das Flugzeug wurde in Brookland gebaut. Sie ist vollständig erhalten und sogar die luxuriöse Innenausstattung kann besichtigt werden.

Das Cockpit der VC-10. Ursprünglich flog dieser Typ mit einer vierköpfigen Besatzung: Kommandant, Erster Offizier, Bordingenieur und Navigator.

Das ergreifenste Exponat ist wohl die Vickers Wellington, Seriennummer N2980, ein zweimotoriger Bomber aus dem zweiten Weltkrieg. Ebenfalls in Brookland gebaut. Das Flugzeug versank jedoch im zweiten Weltkrieg in dem berühmten schottischen See „Loch Ness“ Erst Mitte der 80-er Jahre wurde es aus 70 Metern Tiefe gehoben und zurück nach Brookland gebracht. Anstatt einer vollständigen Restaurierung hat sich das Museum allerdings für eine Konservierung entschieden. So können Besucher heute das netzartige Metallgerüst bewundern. Weltweit gibt es nur zwei erhaltene Wellingtons. Auch wegen der Größe, ein wirklich beeindruckendes Ausstellungsstück.

Eine weitere Vickers VC10 parkt auf dem Außengelände. 15 Jahre lang stand es im Liniendienst von British Airways. Bis 2006 war dieses Flugzeug mit der Kennung G-ARVM Teil der British Airways Collection. Doch mit dessen Auflösung drohte dem Flugzeug die Verschrottung. Eine Überstellung im Ganzen per Luft- oder Landweg war unmöglich. In einer aufwändigen Rettungsaktion wurde das Flugzeug von Spezialisten zerlegt und so konnte zumindest der Rumpf mit einem Spezialtransport zur Geburtsstätte nach Brookland überführt werden. Der Innenraum gibt einen Einblick in die kommerzielle Linienluftfahrt der 60er- und 70er Jahre. In einem Teil des Rumpfes gibt es eine kleine historische Ausstellung über die Konstruktion und den Bau der Maschine sowie Flugrouten und Bilder aus der Zeit als sich diese noch im aktiven Flugbetrieb befand.

Das Cockpit der G-ARVM.

Blick in die Passagierkabine.

Außenansicht der "Victor Mike".

Der original Harrier Demonstrator. Ein vom Hersteller Hawker-Siddeley nur für Demonstrationszwecke gebautes Flugzeug. Es sollte das Konzept des mittels Schub-Vektor gesteuerten Triebwerkes für einen Horizontalflug sowie den Übergang in den Senkrechtflug, oder umgekehrt, schmackhaft machen.

Ein Hawker Harrier war auch Gast auf den Flugshows, die in den 1990ern auf dem Flugplatz Wiener Neustadt Ost (LOAN) stattfanden.

Schön zusehen die nach unten gerichteten Schubdüsen.

Doch der Star ist ohne Zweifel die Concorde. Das ausgestellte Museumsstück mit der Kennung G-BBDG war das Erste Serienprüfungsflugzeug das gebaut wurde. Ihren Erstflug hatte die „Delta-Golf“ am 13 Februar 1974. 1981 erwarb British Airways dann die Eigentumsrechte. Mit diesem Flugzeug wurden die notwendigen Zertifizierungsflüge durchgeführt und sie absolvierte dabei knapp 1300 Flugstunden, über 500 davon mit Überschall. Mit diesem Flugzeug wurde auch ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte geschrieben. Sie war das erste Concorde Modell das 100 Passagiere mit doppelter Schallgeschwindigkeit beförderte. Danach wurde sie dauerhaft stillgelegt und diente der Fluggesellschaft nur mehr als Ersatzteilspender. 2003, nach dem tragischen Ende der Concorde Ära wurde dem Museum dieses Flugzeug als Leihgabe angeboten. Bis 2006 wurde es schließlich aufwendig saniert. Fehlende Originalteile konnte das Museum von einer ebenfalls stillgelegten Concorde in Heathrow beschaffen. Diese Parkt heute noch am Wartungsgelände von British Airways am Flughafen Heathrow und hat die Kennung G-BOAB.

Das Bugfahrwerk der Concorde.

Die Lufteinlässe für die Rolls Royce – Snecma Triebwerke vom Typ Olympus 593. Die Concorde ist das einzig je gebaute westliche kommerzielle Luftfahrzeug, das über Triebwerke mit Nachbrenner verfügte. Eine Technik die sonst nur bei militärischen Kampfflugzeugen verwendet wird. Aber eine Notwendigkeit, denn nur so konnte die benötigte Schubleistung erzeugt werden. Knapp 170kN Schub erzeugte das Turbojet Triebwerk mit zugeschaltetem Nachbrenner. Vier Stück davon beschleunigten die über 61 Meter lange Concorde auf doppelte Schallgeschwindigkeit (ca. 2.140km/h). Entsprechend hoch war natürlich der Kerosinverbrauch. Vor allem beim Start und für das Durchbrechen der Schallmauer. Mehr als 30 Liter Kerosin verbrannten die vier Triebwerke während dieser Phasen – pro Sekunde! Heute betrachten wir solche Dinge natürlich etwas anders, aber in den 1960er Jahren als die Concorde entwickelt wurde galt Geschwindigkeit als Fortschritt.

Hauptfahrwerk der Concorde.

Barbara Harmer, war eine von drei Frauen die eine Concorde steuerte. Für British Airways war sie die erste Linienpilotin. Beatrice Vialle war eine weitere Linienpilotin für Air France. Jacqueline Auriol, Testpilotin, sie flog das Überschall Flugzeug während der Entwicklungs- und Testflüge.

Kleines Detail noch zur restaurierten Maschine im Museum. Sie ist eine von nur wenigen weltweit verbliebenen Concordes bei der auch die charakteristische Absenknase (Droop Nose) voll funktionsfähig ist.

Die Besatzung im Cockpit bestand aus einem Flugkapitän, dem Ersten Offizier, sowie einem Flugingenieur. Sowohl British Airways als auch Air France (den beiden Hauptbetreibern der Concorde) entschieden sich für eine Standardbestuhlung von exakt 100 Passagiersitzen. Zugelassen war sie für max. 128 Passagiere. Der daraus resultierende größere Abstand der Sitzreihen sowie exklusive Ledersitze unterstrichen das besondere Reiseerlebnis. Denn bei einem Ticketpreis von ca. 11000 USD (Anfang der 90-er Jahre!) für einen Hin- und Retourflug von London nach New York ist ohnehin klar dass das Reisen mit Überschall nur einem besonderen Klientel vorbehalten ist. So waren auf Concorde Flügen eher Top-Manager, Staats- oder Regierungschefs, das Who´s Who von Hollywood und der Popkultur sowie auch die Royals anzutreffen.

Ein sehr kleiner Anteil waren dennoch Privatleute (der einmal im Leben Urlaub). Viele sparten jahrelang für den runden Geburtstag oder den Hochzeitstag. Für diese Passagiere war der Flug selbst schon das Ziel.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber dennoch ist für mich die Concorde, optisch gesehen, eines der schönsten kommerziellen Luftfahrzeuge das je gebaut wurde. Die Stromlinienform mit ihrer markanten Spitze sowie die sanft geschwungenen Deltaflügel machen es zu einer einzigartigen Ikone der Luftfahrt.

Als Luftfahrtenthusiast war das Brookland Museum für mich mehr als nur ein Ausflugsziel. Das historische Areal mit ihren teils denkmalgeschützten Gebäuden erzeugte zusätzlich ein besonderes Flair. Sowie eine originale Concorde von innen zu besichtigen kann man auch nicht überall erleben.

Text & Fotos: Michael Jentner