Reportagen

Kampfpilotin Heather "Lucky" Penney - eine Heldin vom 11. September 2001

Heather "Lucky" Penney vor einer F-16.

Heute vor 25 Jahren brach der islamistische Terror über die USA - und damit letztendlich über die gesamte zivilisierte westliche Welt - herein. Rund 3.000 Unschuldige wurden bei 9/11 von 19 arabischen Terroristen, die vier Flugzeuge entführt und als fliegende Bomben verwendet hatten, eiskalt ermordet. Radikale Muslime weltweit feierten den Terror. Es existieren sogar unfassbare Fernsehbilder davon wie Araber im Nahen Osten Freudentänze anlässlich dieses Massenmordes vollführen. Es gab an diesem schrecklichen Tag unzählige Heldinnen und Helden in den USA. Viele von ihnen bezahlten ihren Einsatz mit dem eigenen Leben, darunter zahlreiche Polizisten und Feuerwehrleute in New York. Eine Heldin, die überlebte aber bereit war, ihr eigenes Leben selbstlos zu opfern, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, war Oberleutnant Heather "Lucky" Penney. Dies ist die Geschichte einer bemerkenswerten Frau - und Kämpferin, die als Soldatin und F-16-Pilotin das Gemeinwohl ohne zu zögern über ihr eigenes stellte.

Heather Penney war die Liebe zur Fliegerei gewissermaßen seit ihrer Geburt in die Wiege gelegt. Sie wurde am 18. September 1974 auf der Davis-Monthan Air Force Base in Arizona geboren. Ihr Vater, John Penney, war Vietnam-Kriegsveteran und flog nach seiner Zeit in der Air Force als Pilot für United Airlines.

Schon mit 18 Jahren erwarb Heather Penney ihre erste Pilotenlizenz. Sie wollte Kampfpilotin werden und arbeitete auf dieses große Ziel hin. Doch während ihrer Zeit auf der Purdue Universität musste sie ernüchtert feststellen, dass es Frauen beim US-Militär damals nicht gestattet war, Kampfjets zu fliegen. Das änderte sich kurz darauf, 1993, doch Penney erfuhr davon zunächst nichts und beendete ihre Ausbildung am College. Danach, 1996, bewarb sie sich bei der District of Columbia Air National Guard und wurde angenommen. Zwei Jahre später wurde sie Offizierin. Ihre militärische Flugausbildung absolvierte sie in Texas. Dort bekam sie auch ihren Rufnamen "Lucky", da sie zu den ersten weiblichen Kampfpiloten der US-Streitkräfte gehörte. Sie diente in der Folge in der mit F-16 Fighting Falcon ausgerüsteten 121st Fighter Squadron, stationiert auf der Joint Base Andreas in Maryland. In dieser Einheit war sie die erste F-16-Pilotin überhaupt.

Heldenmut und Opferbereitschaft im Angesicht des Islamisten-Terrors gegen die USA
Dann kam der schicksalhafte 11. September 2001. Es war eine Woche vor Heather Penneys 27 Geburtstag und nichts deutete zunächst darauf hin, wie sich dieser Tag entwickeln sollte. Doch nachdem zwei der vier von den arabischen Terroristen (19 Saudis, 2 VAE-Bürger, 1 Ägypter, 1 Libanese) entführten Flugzeuge - American Airlines 11 um 08:46 Uhr und Flug United Airlines 175 um 09:03 Uhr - in die Türme des World Trade Centers in New York eingeschlagen waren, war allen Menschen im Land klar, dass Amerika gerade angegriffen wurde.

Oberleutnant (First Lieutenant) Heather "Lucky" Penney und Oberst (Colonel) Marc "Sass" Sasseville erhielten den Auftrag, den ebenfalls entführten United Airlines Flug 93 (an Bord befanden sich 33 unschuldige Passagiere, 2 Piloten, 5 Flugbegleiter und vier Terroristen), von dem angenommen wurde, dass ihn die Terroristen ins Kapitol in Washington fliegen wollten, abzufangen und abzuschießen. Der Auftrag war klar - die Boeing 757 durfte Washington keinesfalls erreichen. Das große Problem dabei - die beiden F-16 waren noch gar nicht scharf bewaffnet. Sie hatten keine Raketen (üblicherweise AIM-120 AMRAAM bzw. AIM-9 Sidewinder) und auch das 511 Schuss fassende Magazin der 20mm-Bordkanone (sechsläufige Gatling M61A1) war bei Weitem nicht gefüllt.

Symbolbild 2 F-16 im Flug - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Jede der F-16 hatte lediglich 100 Schuss scharfe Munition für die 20mm-Kanone an Bord. Sowohl Penney als auch Sasseville war bewusst, dass diese Menge an Projektilen viel zu gering war, um eine große Verkehrsmaschine wie die entführte Boeing 757-200 (United 93) abzuschießen. Trotzdem zögerten die beiden Kampfpiloten keine Sekunde und starteten - zu einer Selbstmordmission.

"Es gibt Dinge auf dieser Welt, die wichtiger sind als wir selbst. [...] Wir sind Teil von etwas, das größer ist als wir selbst. So komplex, vielfältig und widersprüchlich es auch sein mag – dieses Etwas, diese Idee namens Amerika, verbindet uns in Bürgerschaft, Gemeinschaft und Brüderlichkeit."
Heather "Lucky" Penney im Nachgang ihres Einsatzes

Für Penney und ihren Kameraden war klar, dass sie die Boeing 757 der United Airlines im Ernstfall rammen müssten, um ihre Mission zu erfüllen - auch wenn das mit größter Wahrscheinlichkeit ihren eigenen Tod bedeutet hätte. Zu diesem Zeitpunkt dachte Penney gar nicht daran, dass auch ihr eigener Vater im Cockpit von Flug UA 93 sitzen könnte. Aber selbst wenn es so gewesen wäre, hätte das an ihrer Entschlossenheit, Flug 93 befehlsgemäß vom Himmel zu holen, um die Menschen in Washington zu schützen, nichts geändert. Die beiden Piloten besprachen, dass Penney mit ihrer F-16 das Heck der entführten 757 rammen würde - und Sasseville den Burg.

Doch soweit kam es glücklicherweise gar nicht erst - denn noch bevor die beiden F-16 mit Penney und Sasseville in den Cockpits Flug UA 93 erreichten, attackierten mutige Passagiere an Bord des entführten Fluges die Terroristen und verhinderten so, dass die Islamisten die Boeing 757 ins Kapitol steuern konnten. Durch dieses heldenhafte Eingreifen der Insassen erkannten die Terroristen, dass sie ihren menschenverachtenden Plan nicht zu Ende ausführen konnten und ließen das Flugzeug auf einer freien Fläche nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania abstürzen. Alle Menschen an Bord kamen ums Leben.

Oberleutnant "Lucky" Penney und Oberst "Sass" Sasseville kehrten mit ihren F-16 zum Stützpunkt zurück, ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Später - nachdem ihre Maschine korrekt aufmunitioniert worden war - startete Penney zu einer weiteren Mission, um die "Air Force One" mit Präsident George W. Bush zu eskortieren. Zum 20. Jahrestag der Katastrophe gab sie ABC News ein Interview, in dem sie über diese Mission sprach.

Weitere Karriere
2003 flog Penney - mittlerweile 29 Jahre alt - Kampfeinsätze über dem Irak. In der ersten Nacht der Kampfhandlungen von "Iraqi Freedom" hatte sie den Auftrag, SCUD-Raketen abzufangen und Special Forces am Boden aus der Luft zu unterstützen. Drei Jahre später nahm sie ein Jobangebot von Lockheed Martin an, wo sie unter anderem am F-35-Projekt mitarbeitete. Außerdem flog sie weiterhin für die Air National Guard, wechselte 2009 aber zur 201st Airlift Squadron, die mit  Boeing C-40 Clipper (basiert auf der Boeing 737) hochrangige Militärs und Personen des politischen Lebens befördert. Sie wurden (2012 und 2017) von ihrer Universität beziehungsweise dem Wings Club für ihre Verdienste geehrt. 2018 schied sie im Rang eines Majors aus dem US-Militär aus. Am 7. September 2017 hielten Heather Penny und ihr Vater, Oberst a. D. John Penney, gemeinsam im National Air and Space Museum einen Vortrag über die Terroranschläge von 9/11. Penney ist bis heute eine international gefragte Rednerin und unterrichtete in der Vergangenheit bereits an mehrere Bildungseinrichtungen der US-Luftstreitkräfte.

Entschleunigung pur - Penney vor ihrer Boeing PT-13 Stearman.

Und last but not least ist Penney auch noch zweifache Mutter. In ihrem Flugbuch stehen neben der F-16 unter anderem die Typen BC-12, Boeing B-17 Flying Fortress, Guflstream G-100 oder Cessna Citation 560. Außerdem besitzt die heute 51-Jährige eine Boeing PT-13 Stearman, eine Bücker Jungmann und eine Cessna 170A, die sie regelmäßig fliegt.

Text: Patrick Huber