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LearJet stürzt in Florida senkrecht in Wohngebiet - keine Überlebenden

Die Maschine unmittelbar vor dem Aufprall - Foto: Screenshot aus einer Dashcam-Aufnahme

In den USA ist ein Executive Jet, der sich auf dem Weg von Texas auf die Bahamas befand, in ein Wohngebiet gestürzt. Alle Menschen an Bord kamen bei dem Unglück am 1. November 2026 ums Leben. Kurz zuvor war die Maschine in schlechtes Wetter eingeflogen.

Der LearJet 60 mit der Kennung N722BD war um 15:37 Uhr UTC (09:37 Uhr Lokalzeit) in Austin, Texas, gestartet. Das Ziel des Fluges war North Eleuthera auf den Bahamas. An Bord befanden sich nach den bisher verfügbaren Informationen 7 Passagiere, ein Pilot und eine Pilotin, insgesamt also 9 Menschen. Die N722BD stieg auf eine Reiseflughöhe von 41.000 Fuß und flog ostwärts. Die Groundspeed (Geschwindigkeit über Grund) lag bei rund 480 Knoten. Rund zwei Stunden nach dem Start in Texas, gegen 17:34 Uhr UTC, erreichte die Maschine die Küste von Florida und führte einen kontrollierten Sinkflug auf 35.000 Fuß durch. Soweit war es ein reiner Routineflug. Doch knapp eine Viertelstunde danach änderte sich das. 

Wie der Funkverkehr zwischen der Pilotin und der Flugsicherung am Boden belegt, flog der LearJet 60 zu diesem Zeitpunkt in schlechtes Wetter und Vereisungsbedingungen ("Icing conditions") ein. Die Crew meldete konkret Regen und “leichte Vereisung”, die sie jedoch als “beherrschbar” ("managable") einschätzte. Die Turbulenzen jedoch waren so heftig, dass die Maschine ihre Höhe nicht halten konnte. Das Flugzeug stieg und sank um bis zu 700 Fuß. Die Temperatur betrug -47 Grad Celsius. Die Pilotin erbat deshalb die Genehmigung von 35.000 auf 37.000 Fuß zu steigen. Das wurde von der Flugsicherung genehmigt. Nur Augenblicke später begann der LearJet 60 dann aber einen Sturzflug mit einer Sinkrate von maximal 35.000 Fuß pro Minute und raste nahezu senkrecht zu Boden. 

Die Pilotin - die bis dahin ruhig und professionell geklungen hatte - funkte währenddessen mehrfach verzweifelt “Mayday”, erklärte zusätzlich eine Notlage und brüllte an einer Stelle “We are descending 20.000 feet per minute” ("Wir sinken mit 20.000 Fuß pro Minute") ins Mikrofon. Dann teilte mit, dass das Flugzeug eine Querneigung von 60 Grad erreicht habe. Zum Vergleich: Ein normaler Sinkflug in einem derartigen Flugzeugtyp wird mit etwa 1.500 bis 3.000 Fuß pro Minute durchgeführt. Selbst bei einem kontrollierten steilen Notsinkflug infolge eines rapiden Kabinendruckverlustes werden kaum mehr als 6.000 Fuß Sinkrate pro Minute erreicht.

“Declaring emergency seven-two-two bravo delta. We are in an overspeed condition, descending 20.000 feet per minute! We are gonna crashing into the ground!”Einer der letzten Funksprüche aus dem Cockpit

Der LearJet 60 stürzte schließlich in ein Wohngebiet bei West Palm Beach und explodierte sofort. Niemand an Bord überlebte, am Boden gab es - wenn man den ersten Berichten aus den USA glauben darf - wie durch ein Wunder keine Toten.

Der Absturz wurde durch zahlreiche Dashcam-Aufnahmen festgehalten. Soweit es die Analyse der verfügbaren Bilder hergibt, besteht scheinbar die Möglichkeit, dass bereits vor dem Aufprall des Flugzeuges am Boden Teile der Tragflächen und/oder eventuell auch des Höhenleitwerks (Horizontal stabilizer) gefehlt haben könnten. Jede einzelne dieser beiden genannten strukturellen Beschädigungen alleine hätte das Flugzeug unsteuerbar gemacht. 

US-Berichten zufolge soll es sich bei der Pilotin am Funk um die 20-jährige (nach anderen Quellen 23-jährige) Nathalie F. gehandelt haben, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jack im Cockpit saß. Offiziell bestätigt wurde das noch nicht. F. erwarb im Alter von 17 Jahren über ein Schulstipendium zunächst ihre Privatpilotenlizenz, worüber Medien damals berichtet hatten. Später absolvierte sie weitere Ausbildungen bis zur Berufspilotin. 

Auch wenn selbstverständlich der offizielle Abschlussbericht abgewartet werden muss, ehe die Absturzursache mit Sicherheit benannt werden kann, deuten die verfügbaren Informationen darauf hin, dass die Crew in schwierigen Wetterbedingungen in eine Vereisungssituation geriet und deshalb die Kontrolle über den LearJet 60 verlor, dessen Zelle in weiterer Folge strukturell überlastet wurde - dafür spricht unter anderem die “Overspeed condition”-Meldung, die von der Pilotin im Sturzflug noch gemeldet wurde. Aber auch Eisbildung am Höhenleitwerk (Horizontal Stabilizer) könnte dazu geführt haben, dass eine kontrollierte Steuerung nicht mehr möglich war.

Text: Patrick Huber
Mitarbeit: Pavlos Westermeier, Flugkapitän a. D. Heinz Bohlender, MK, JB