Die im Jänner 1967 geborene Wienerin Karin Reimitz trat im März 1989 bei Lauda Air ein - damals war sie 22 Jahre jung. Sie lebte in einer Wohnung in der Penzinger Straße im 14. Wiener Gemeindebezirk und genoss die Arbeit als Flugbegleiterin bei Lauda Air, die es ihr ermöglichte, die Welt zu sehen. In der damaligen "analogen" Zeit ohne Smartphones und Internet war es für junge Menschen Anfang 20 etwas Besonderes, auf diese Art und Weise "flügge" zu sein. Am 18. Mai 1991 war Karin Reimitz als Junior-Flugbegleiterin auf dem Flug von Wien nach Bangkok eingeteilt. In Bangkok hatte sie - gemeinsam wie ihre Kolleginnen und Kollegen - einige Tage frei, musste dann einmal als Flugbegleiterin die Rotation Bangkok-Hongkog-Bangkok arbeiten und hatte danach erneut etwas Freizeit in Thailand.
Am 26. Mai 1991 bestieg sie als Flugbegleiterin die OE-LAV "Mozart", die als Flug NG 004 auf dem Weg zurück nach Wien war. Ihr Vater, Gerhard Reimitz, saß als Passagier ebenfalls in der Maschine. Vater und Tochter starben beim Absturz 15 Minuten nach dem Start.
Karin Reimitz und ihr Vater konnten identifiziert werden, es dauerte allerdings eine ganze Weile. Gerhard Reimitz fand Ende Juni 1991 auf dem Friedhof Hernals in einem "auf Friedhofsdauer" gewidmeten Grab (man konnte damals auch als Privatperson ein solches Recht erwerben) seine letzte Ruhe. Flugbegleiterin Karin Reimitz wurde dagegen erst Mitte Juli 1991 auf dem Zentralfriedhof im Familiengrab mütterlicherseits bestattet - ebenfalls gewidmet "auf Friedhofsdauer".
Unglücklicherweise dürften in den folgenden Jahren alle noch lebenden (engen) Verwandten von Karin und Gerhard Reimitz verstorben sein, denn um die beiden Gräber kümmert sich - dem Zustand nach zu urteilen - seit mindestens zehn Jahren offensichtlich niemand mehr. Die Grabplatte von Gerhard Reimitz ist zerbrochen, der Grabstein umgestürzt. Ein unfassbar trauriger Zustand.
Fast ebenso trostlos sieht es beim Grab seiner Tochter Karin auf dem Zentralfriedhof aus. Das steinerne Kreuz ist abgebrochen, frische Blumen und Kerzen sucht man auch hier vergebens.
Im Zuge der Recherchen zu meinem Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" (erhältlich unter anderem beim Falter Buchshop, bei Manz.at oder Freytag & Berndt sowie grundsätzlich in allen österreichischen und deutschen Buchhandlungen) besuchte ich mehrfach auch das Grab von Karin Reimitz und schilderte einer ehemaligen Lauda Air Mitarbeiterin den Zustand. Sie war erschüttert und so versprach ich ihr, rund um den 35. Jahrestag des Unglücks am Grab von Karin Reimitz eine Kerze anzuzünden - heute Nachmittag löste ich dieses Versprechen ein.

Wenn jemand von Karin Reimitz' ehemaligen Lauda Air Kollegen sie besuchen möchte - das Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe:81B Reihe:16 Nummer:37.
Text & Fotos: Patrick Huber