Alle 213 Passagiere, 2 Piloten, 7 Flugbegleiterinnen und 1 Flugbegleiter starben als die Boeing 767-300ER, OE-LAV, "Mozart", der Lauda Air am 26. Mai 1991 15 Minuten nach dem Start in Bangkok abstürzte. Grund für den Absturz war, dass sich die linke Schubumkehr während des Steigfluges aufgrund eines Konstruktionsfehlers geöffnet hatte. Allerdings hätte die Maschine bereits seit Ende Jänner 1991 überhaupt nicht mehr fliegen dürfen, weil die Techniker die seit einem halben Jahr immer wieder aufgetretenen Fehlermeldungen zur Schubumkehr nicht in den Griff bekamen. So steht es schwarz auf weiß in einem Gutachten der Staatsanwaltschaft Wien.
Trotz aller Bemühungen der Gerichtsmediziner und Kriminalisten konnten 27 der 223 Toten nicht identifiziert werden. Diese 27 Menschen sind auf dem eigens angelegten Lauda Air Friedhof in Suphan Buri beerdigt. Einer der dort Bestatteten ist Yayha Aydin.
Der 34-jährige Oberösterreicher befand sich auf Geschäftsreise und war auf der Rückreise aus Hongkong. Daheim in Oberösterreich warteten seine Frau Ulrike und sein gerade einmal 5 Jahre alter Sohn Dennis auf die Heimkehr von Yayha Aydin. Dass Aydin mit der Lauda Air flog war reiner Zufall - er hatte keine besondere Präferenz gehabt, wie mir seine Witwe Ulrike Aydin im Interview für mein Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" erzählte.

Eigentlich hätte Yahya Aydin auch erst eine Woche später aus Asien nach Österreich zurückkehren sollen, doch aus beruflichen Gründen reiste er früher zurück und bat seine Frau darum, ihn auf den Flug NG 004 von Hongkong nach Wien am 26 Mai umzubuchen - den Unglücksflug.
Mitten in der Nacht hämmerte jener Freund der Familie, der Ulrike Aydin in der Früh des 27. Mai 1991 zum Flughafen Wien fahren sollte, an ihrer Wohnungstür. Er hatte in den Nachrichten von dem Absturz der "Mozart" erfahren und informierte nun Ulrike Aydin für die eine Welt zusammenbrach. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Der liebevolle Familienvater Yayha Aydin konnte nämlich trotz aller Bemühungen nicht identifiziert werden und wurde schließlich mit 26 weiteren Absturzopfern auf dem Lauda Air Friedhof in Suphan Buri bestattet.

Daran, dass die AUA - entgegen ihrer Verpflichtung als Gesamtrechtsnachfolgerin der Lauda Air - ihr und den anderen Angehörigen keine kostenlosen Tickets mehr für den Friedhofsbesuch in Thailand zur Verfügung stellt, übt sie schwere Kritik. Frau Aydin wünscht sich auch endlich die Errichtung einer Gedenkstätte in Österreich für die 223 Absturzopfer - denn eine solche fehlt selbst 35 Jahre nach dem Unglück noch immer.
Text: Patrick Huber