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Kontaminierte Kabinenluft: Druck auf EU-Kommission steigt

Immer mehr Berichte über möglicherweise giftige Kabinenluft in Flugzeugen haben  SPÖ-EU-Delegationsleiter Jörg Leichtfried, Mitglied im zuständigen Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments, nach eigenen Angaben aktiv werden lassen. "Eine freiwillige Selbstüberprüfung der Airlines funktioniert derzeit nicht. Eine erste offizielle Antwort von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas auf meine Anfrage war wenig zielführend, da auf eine Agentur verwiesen wurde, die nur beschränkten Zugriff auf die relevanten Daten hat", sagte Leichtfried am Dienstag.

In der Debatte rund um die aktuell anstehende Verordnung über die Meldung von Ereignissen in der Zivilluftfahrt gestern im Europäischen Parlament in Brüssel, zeichnet sich ein erstes Einlenken der EU-Kommission ab. So könnte kontaminierte Kabinenluft sogar als meldungspflichtiger Vorfall im Annex der neuen Verordnung gelistet werden. Leichtfried will hier jedenfalls weiter Druck auf die Kommission ausüben: "Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich eine Gefahr für das Bordpersonal und die Passagiere besteht, darf die Kommission dies nicht weiter unter den Teppich kehren! Das wäre unverantwortlich."

EU-Verkehrskommissar Kallas schrieb erst dieser Tage an SPÖ-EU-Delegationsleiter Leichtfried: "Angesichts der Bedeutung dieses Themas sowie der Tatsache, dass es für einen einzelnen spezifischen Interessenträger wie ein Luftfahrtunternehmen schwierig ist, eine umfassende Studie durchzuführen, hat die Kommission die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) beauftragt, alle verfügbaren Informationen zu analysieren und ihr über ihre Schlussfolgerungen Bericht zu erstatten." Im Jänner 2012 sei die EASA zum Schluss gekommen, dass es kein Problem bei der Kabinenluft gebe.

SPÖ-Europaabgeordneter Jörg Leichtfried hat daraufhin eine neuerliche Anfrage gestellt und fragt darin: "Die EASA hatte bei der Durchführung besagter Untersuchung nur beschränkt Zugang zu allen relevanten Informationen, wie etwa zu Daten der nationalen Aufsichtsbehörden im European Central Repository (diesen Zugang würde die EASA erst durch die neue Occurrence Reporting Regulation erhalten). Aufgrund dieses beschränkten Datenzuganges, kann die Untersuchung nicht als ausreichend repräsentativ angesehen werden." In den nächsten Wochen ist mit einer Antwort der EU-Kommission zu rechnen, so Leichtfried in einer APA-Aussendung.

Austrian Wings befasst sich bereits seit 2010 intensiv mit dem Thema der kontaminierten Kabinenluft.

Öldämpfe extrem gefährlich

Triebwerksölrückstände die in Cockpit und Kabine eindringen, gelten bei Fachleuten aufgrund ihrer toxischen Inhaltsstoffe als hochgefährlich. Im Dezember 2010 stürzte ein Airbus A319 der Lufthansa-Tochter Germanwings beim Landeanflug auf Köln beinahe ab, nachdem beide Piloten vermutlich aufgrund kontaminierter Kabinenluft in ihrer Handlungsfähigkeit extrem eingeschränkt waren. Damals hatte Lufthansa zunächst behauptet, die Geruchsbelästigung sei auf Enteisungsmittelrückstände zurückzuführen, obwohl die internen Berichte der Piloten (Austrian Wings ist im Besitz von Kopien dieser Dokumente) dieser Darstellung eindeutig widersprechen.

Keine Vorfälle bei der AUA

Bei der Lufthansa-Tochter AUA dürfte man nach eigenen Angaben bisher keinerlei Probleme mit durch Triebwerksöl kontaminierter Kabinenluft gehabt haben.

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(red / APA-OTS / Titelbild: Piloten bei der Arbeit im Cockpit, Symbolbild - Foto: PA / Austrian Wings Media Crew)