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[U] Kontaminierte Kabinenluft: Condor-Flugbegleiter verloren Bewusstsein

Zwei Flugbegleiter nach Schwall von kontaminierter Kabinenluft bewusstlos zusammengebrochen und ins Spital eingeliefert

An Bord einer Condor Boeing 757-300 (D-ABOC) hat sich am Freitag ein schwerer Zwischenfall ereignet. Nach dem Auftreten eines außergewöhnlichen Geruches habe der Erste Offizier seine Sauerstoffmaske anlegen müssen, drei Flugbegleiter hätten sich unwohl gefühlt, zwei seinen kollabiert. Gegenüber deutschen Medien berichteten Passagiere, dass es bereits den ganzen Flug über nach Öl an Bord von Condor Flug DE 5944 gestunken habe.

Medienberichten zufolge befand sich die Maschine mit 242 Passagieren, 6 Flugbegleitern und 2 Piloten auf dem Weg von Hamburg nach Las Palmas, als sich der Zwischenfall ereignete.

Wegen des beißenden Geruches während des Landeanfluges habe der Erste Offizier seine Sauerstoffmaske aufgesetzt, zudem hätten sich 3 der 6 Flugbegleiter unwohl gefühlt. Allerdings sprachen Passagiere davon, dass der Gestank schon während der ganzen Reise in der Kabine wahrnehmbar gewesen sei.

"Es roch nach verbranntem Plastik oder wie verdampftes Öl, auf jeden Fall ein chemischer Geruch", berichtete der Passagier Endrik Hasemann gegenüber dem "Spiegel" (Onlineausgabe). Weil der Geruch derart intensiv war, habe er sich sogar ein T-Shirt vor Mund und Nase gehalten. Zeitweise habe er das Gefühl gehabt, gar nicht mehr atmen zu können.

Die Maschine konnte schließlich sicher auf der Kanareninsel landen. Nach der Landung hätten die Piloten versucht, das Problem zu lokalisieren und dazu die Triebwerke inklusive der APU sukzessive wieder hochgefahren. Dabei habe sich plötzlich erneut ein beißender Geruch ausgebreitet, der zur Bewusstlosigkeit von zwei Flugbegleitern geführt habe, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Laut Condor-Sprecher Johannes Winter sei die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) von dem Vorfall unterrichtet worden. Offiziell habe man die Ursache des Geruches noch nicht gefunden. Branchenintern gehen aber viele Fachleute davon aus, dass die Kabinenluft in diesem Fall mit Triebwerksöl kontaminiert wurde, das hochtoxische Stoffe, darunter das Nervengift TCP, enthält.

Der Rückflug (DE 5945) mit der betroffenen Maschine (D-ABOC) wurde gestrichen, ein Ersatzflugzeug vom Typ Boeing 767-300 (D-ABUC) auf die kanarischen Inseln entsendet.

Erst am 2. März hatte es einen ähnlichen Zwischenfall auf einem Lufthansa-Flug von Frankfurt nach Graz gegeben - Austrian Wings berichtete. Und im Dezember 2010 stürzte ein A319 von Germanwings während des Landeanfluges auf Köln beinahe ab, weil die Piloten durch kontaminierte Kabinenluft in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt waren. Lufthansa spielte den Vorfall nach dessen Bekanntwerden im vergangenen Jahr herunter und sprach zunächst davon, dass lediglich Rückstände von Enteisungsmittel in die Kabine gelangt seien. Doch dieser Darstellung widersprach sogar der Kapitän des betroffenen Fluges in einem internen Schreiben, das kurz darauf von deutschen Medien veröffentlicht wurde.

(red CvD, UB / Titelbild: Condor Boeing 757-300 - Foto: Chris Jilli)