Österreich

Das große Buch zum Lauda Air Unglück: "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe"

Das Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" von Patrick Huber ist laut Angaben des Autors das "weltweit erste umfassende Gesamtwerk in deutscher Sprache zu diesem Unglück".

Ein Konstruktionsfehler an der Schubumkehr der Boeing 767, falsche Berechnungen von Boeing, schwere Wartungsmängel bei Lauda Air, ein Flugzeug, das wegen nicht behobener Fehlermeldungen (über 60 im letzten Monat vor dem Absturz!) gar nicht mehr hätte fliegen dürfen und offensichtlich zu lasche Kontrollen der Behörden bei Lauda Air. Das alles waren die Zutaten für den Absturz der "Mozart" mit 223 Toten am 26. Mai 1991, der sich in vier Monaten zum 35. Mal jährt. Jetzt ist das erste deutsche Sachbuch zur Tragödie erschienen. Autor Patrick Huber hat 15 Jahre daran gearbeitet. Es ist sein insgesamt 25. Buch.

Informationen zum Buch 
•    A5
•    456 Seiten    
•    Rund 150 ‒ zum Teil exklusive ‒ Abbildungen, mehr als 50 Seiten im Farbdruck
•    ISBN Softcover: 978-3-565180-52-3
•    ISBN Hardcover: 978-3-565179-96-1

Erhältlich ist das neue Buch von Patrick Huber, „Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart’ ‒ Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe“, ab sofort als Soft- und Hardcover über den Webshop des Verlages „Epubli“. Außerdem kann es unter Angabe der ISBN (siehe oben) grundsätzlich über alle Buchhandlungen in Österreich und Deutschland sowie Onlinebuchhändler bezogen werden, beispielsweise über Thalia.atManz (Softcover & Hardcover) Hugendubel (Softcover & Hardcover), den Falter-Onlineshop (Hardcover & Softcover verfügbar) Amazon (Softcover & Hardcover), etc ... Der Autor stellt auf seiner Homepage kostenlose Leseproben aus dem Buch als PDF zur Verfügung.

Mit 223 Toten ist der Absturz der Lauda Air Boeing „Mozart“ am 26. Mai 1991 kurz nach dem Start in Bangkok die schwerste Katastrophe in der österreichischen Luftfahrtgeschichte ‒ viele der Angehörigen der Opfer sind bis heute traumatisiert, denn es gab für sie im Nachgang der Katastrophe keinerlei psychologische Betreuung durch Lauda Air oder die Republik. Und auch für den Erhalt der Gedenkstätte in Thailand ‒ wo 27 nicht identifizierte Tote des Unglücks beerdigt sind ‒ fühlt sich scheinbar niemand so wirklich zuständig, auch nicht die AUA, obwohl sie als Rechtsnachfolgerin der Lauda Air dafür rechtlich verantwortlich wäre, wie ein Jurist festgestellt hat. Gleichzeitig beklagen Hinterblieben, dass es auch 35 Jahre nach dem Unglück in Österreich noch immer keine Erinnerungsstätte für die Opfer gibt. Der Ende 2025 in den Ruhestand getretene österreichische Botschafter in Bangkok, Wilhelm Donko, versuchte während seiner Amtszeit in Eigeninitiative, die Finanzierung der Gedenkstätte in Suphan Buri langfristig zu sichern und sprach darüber in einem ausführlichen Interview mit dem Autor. Ursache für den Absturz der „Mozart“ war, dass sich die Schubumkehr des linken Triebwerks im Steigflug in 24.700 Fuß Höhe plötzlich geöffnet und die Maschine in die Tiefe gerissen hatte. Dass das überhaupt geschehen konnte, dafür war nachweislich ein gravierender Konstruktionsfehler an der Schubumkehr der Boeing 767 verantwortlich, für den Boeing die Hinterbliebenen der Opfer finanziell entschädigte. Doch wie so oft bei Flugunfällen war es nicht ein einzelner Fehler allein der zur Tragödie geführt hatte, sondern dem eigentlichen Unglück ging eine monatelange Kette von Ereignissen voraus, die ein fragwürdiges Bild von der Sicherheitskultur bei Lauda Air zeichnen und auch die zuständige Aufsichtsbehörde, das (seit 1993 nicht mehr existente) Bundesamt für Zivilluftfahrt, nicht gerade in einem guten Licht erscheinen lassen.

Denn die Boeing 767 „Mozart“ hätte wegen technischer Probleme schon seit Ende Jänner 1991 gar nicht mehr in Betrieb sein dürfen, wie ein Fachmann im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien herausfand. Mit der von ihm gewohnten Akribie hat  Patrick Huber wieder auf  Spurensuche begeben und dafür ‒ neben mehr als 1.300 Seiten weiterer Dokumente (darunter das Quick Reference Handbook der Boeing 767 von 1991) ‒ ein bis heute vor der Öffentlichkeit unter Verschluss gehaltenes Gutachten zum Absturz gemeinsam mit Piloten und Technikern ausgewertet. Verfasst hat es der seinerzeit wohl renommierteste österreichische Flugsachverständige im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien. Am Ende der Recherchen des Autors steht nun dieses investigative Sachbuch, das die Vorgänge rund um den Absturz der Lauda Air in Thailand 1991 in teils völlig neuem Licht erscheinen lässt ‒ selbstverständlich vollständig belegt durch seriöse harte Fakten und behördliche Dokumente. Breiten Raum nehmen auch die menschlichen Schicksale von Passagieren, Crew und Hinterbliebenen ein.

Der Unglücksflug
Flughafen Bangkok, 26. Mai 1991,  kurz nach 23 Uhr Lokalzeit. Der ganze Stolz der Flotte der privaten österreichischen Fluggesellschaft Lauda Air, die Boeing 767-3Z9ER mit dem melodischen Namen „Mozart“, beschleunigt auf der Piste 21L und hebt ab. Im Cockpit sitzen die zwei erfahrenen Flieger: Tom Welch und Josef Thurner ‒ Profis, die diese Strecke schon oft geflogen sind und die Boeing 767 kennen wie ihre Westentasche. Insgesamt befinden sich in jener Nacht 223 Menschen an Bord der „Mozart“. Eigentlich sollte auch der angesehene österreichische Journalist Peter Sichrovsky in der Maschine sitzen, doch er hat kurzfristig umgebucht, wie er gegenüber Patrick Huber schildert: „Das hat mir das Leben gerettet.“

Piloten kämpften verzweifelt gegen die Schubumkehr
Das Ziel von Flug NG 004 ist Wien. Doch dort wird das moderne Verkehrsflugzeug mit der Kennung OE-LAV niemals ankommen. Denn nach etwa 15 Minuten Flugzeit öffnet sich in einer Höhe von rund 24.700 Fuß (etwa 7.500 Meter) am linken Triebwerk plötzlich ohne Zutun der Piloten die Schubumkehr. Dabei wird der Schubstrahl der Turbine nach vorne umgeleitet. Diese Vorrichtung wird regulär ausschließlich am Boden zum Abbremsen des Flugzeuges verwendet. Für die Verwendung in der Luft ist die Schubumkehr weder zugelassen noch vorgesehen. Die „Mozart“ kippt über die linke Tragfläche ab und rast mit ungeheurer Geschwindigkeit in die Tiefe. Obwohl die Piloten verzweifelt versuchen, den gut 175 Tonnen schweren Jet abzufangen, haben sie keine Chance. Das Flugzeug zerbricht, nachdem es im Sturzflug die Schallmauer durchbrochen hat, und explodiert. Die brennenden Trümmer und die unglücklichen 223 Insassen stürzten in den nächtlichen thailändischen Dschungel. Niemand an Bord hatte auch nur die geringste Überlebenschance. Dass diese Katastrophe überhaupt geschehen konnte, dafür waren nachweislich ein massiver Fehler in der Konstruktion der Schubumkehr der Boeing 767 sowie falsche Berechnungen von Boeing verantwortlich. Denn eigentlich sollten Sicherheitsmechanismen eine Aktivierung der Schubumkehr im Flug verhindern und falls es doch einmal geschehen sollte, so hätte das Flugzeug laut Zulassungsbestimmungen und Boeing weiterhin durch die Piloten beherrschbar sein müssen ‒ soweit die (juristische) Theorie, die sich in der Praxis als unzutreffend herausgestellt hatte. Lauda Air traf demnach keinerlei juristische Schuld an dem Absturz. Das ist das allgemein in Österreich bekannte Narrativ. Doch es nur zum Teil zutreffend.

Die Tragödie hat nämlich noch eine andere, eine weitgehend unbekannte, Seite. Denn im Auftrag der Wiener Staatsanwaltschaft erstellte der seinerzeit ohne Zweifel wohl renommierteste Flugsachverständige Österreichs nach dem Absturz ein Gutachten, für das der Experte den technischen Zustand der „Mozart“ weitaus gründlicher recherchierte als es die thailändische Unfallkommission je getan hatte. Dabei wurde der Experte von Lauda Air behindert und auch die Unterstützung durch die Behörden ließen laut dem Gutachter zu wünschen übrig. Mehr als 20 Einträge aus dem technischen Logbuch der „Mozart“ fehlten, als die Staatsanwaltschaft Wien die Unterlagen bei Lauda Air beschlagnahmte. Es gab Zeugenaussagen von Lauda Air Technikern, dass nach dem Absturz im großen Stil Akten vernichtet worden seien.

Österreichische Experte benennt mögliche Ursache für Öffnen der Schubumkehr
Während der thailändische Abschlussbericht die Ursache für das tödliche Auffahren der linken Schubumkehr in der Luft nicht ermitteln konnte, stellte der österreichische Experte als Ursache „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ einen Leitungsschaden fest ‒ und er deckte außerdem auf, dass die „Mozart“ deshalb schon seit Monaten technische Probleme hatte, die von den Warten nicht behoben werden konnten. Unterstützung bei Boeing suchte die Lauda Air trotzdem nicht ‒ obwohl der Hersteller sogar einen eigenen Repräsentanten in Wien hatte.

"Mozart" hätte nicht mehr starten dürfen
Und nicht nur das: Die Techniker der Lauda Air verstießen bei ihren Arbeiten nachweislich wiederholt gegen die Vorschriften von Boeing. Das vernichtende Urteil des Fachmannes: Die „Mozart“ hätte wegen der vorhandenen Mängel schon seit Jänner 1991 gar nicht mehr fliegen dürfen.  Der Technische Direktor der Lauda Air, ein hochqualifizierter Experte, hatte lange vor dem Unglück den enormen Druck den Niki Lauda laut ihm auf das Wartungspersonal ausübte beklagt. Der Mann konnte aus Sorge vor einem Unfall gar nicht mehr schlafen und verließ die Lauda Air deshalb freiwillig  ‒ acht Monate danach stürzte die „Mozart“ ab.

Die "Mozart" hätte laut Experten-Gutachten am 26. Mai 1991 gar nicht mehr starten dürfen. Diese nie zuvor veröffentlichte Aufnahme des Unglücksflugzeuges stellte die "Interessengemeinschaft Fischamend" dem Autor für sein Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" exklusiv zur Verfügung - Foto: www.ilf.or.at

Für sein Buch (das mittlerweile 25.!) "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" konnte der Autor dank Angehöriger der Opfer das unter Verschluss gehaltene Gutachten der Staatsanwaltschaft Wien einsehen und hat es mit Unterstützung von Piloten sowie Technikern penibel ausgewertet. Er zeichnet die Umstände des Todesfluges der „Mozart“ akribisch nach, hat zu einem großen Teil nie zuvor veröffentlichte Fakten recherchiert, belegt das Geschriebene  unter anderem mit Faksimilen von Akten und lässt 18 Zeitzeugen in Interviews zu Wort kommen ‒ einige von ihnen äußern sich zum ersten Mal überhaupt öffentlich zum Absturz der „Mozart“.  Darunter sind auch ehemalige Lauda Air Mitarbeiter, die zum Teil ein katastrophales Bild von der Sicherheitskultur bei der Fluglinie zeichnen und gefährliche Vorfälle schildern, bei denen einem die Haare zu Berge stehen. Wiederholt scheint das Management der Lauda Air augenscheinlich wirtschaftlichen Interessen Vorrang gegenüber der Flugsicherheit eingeräumt zu  haben ‒ Gesetzesverstöße inklusive, zum Beispiel durch gefälschte Protokolle bei Checkflügen von Piloten, deren Lizenzen gar nicht hätten verlängert werden dürfen.

Buchautor und Flugkapitän Gerhard Gruber, damals am Flughafen Wien in der Flugplatzbetriebsleitung, erzählt, wie er die dramatischen Stunden nach dem Absturz in der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 1991 erlebte.

Etliche der vom Autor intervieweten Zeitzeugen öffneten ihre privaten Fotoarchive für das Buch. Sogar mit jenem Ersten Offizier, der die „Mozart“ am Unglückstag kurz zuvor noch von Hongkong nach Bangkok geflogen hatte, einem ehemaligen Draken- und Karo As-Piloten des Bundesheres, konnte der Autor im Zuge seiner Buchrecherchen sprechen. Dieser Mann bestätigte, dass die beiden Männer im Cockpit der „Mozart“ nach dem Öffnen der Schubumkehr keine Chance mehr hatte, das Unglück zu verhindern und das sich die Piloten laut Handbuch vollkommen korrekt verhalten hatten.

Im Interview zu Wort kommt auch Österreichs wohl bekanntester Gerichtsmediziner, Doz. Dr. Christian Reiter, der 1991 in Thailand gemeinsam mit Experten des deutschen Bundeskriminalamtes aus Wiesbaden und österreichischen Kriminalpolizisten die traurige und herausfordernde Aufgabe hatte, die teils schrecklich verstümmelten Leichen der 223 Insassen der „Mozart“ zu identifizieren. Beim größten Teil gelang das (obwohl die DNA-Analyse damals noch nicht angewendet werden konnte), doch 26 Passagiere und 
1 Besatzungsmitglied waren so stark entstellt, dass es den Forensikern und Kriminalisten nicht möglich war, ihre Identität festzustellen.

ORF-Ikone Danielle Spera erinnert sich im Buch zurück, wie sie Niki Lauda die Meldung vom Unglück überbrachte und anschließend die Meldung vom Absturz in einer Sondersendung des ORF verkündete.

Hinterbliebene jener 27 Opfer, die 1991 nicht identifiziert werden konnten und deshalb in Thailand gemeinsam beerdigt wurden, berichten, dass ihnen bei der Beisetzung in Thailand am 7. September 1991 von Niki Lauda persönlich eine nachträgliche Identifizierung ihrer Lieben explizit versprochen wurde, sobald das mit neuen wissenschaftlichen Methoden möglich sein sollte ‒ doch weder das Unternehmen Lauda Air noch Airlineboss Niki Lauda haben sich jemals um eine DNA-Analyse gekümmert als diese ab etwa 1997 zur Verfügung stand, wie der Leiter des Gerichtsmedizinischen Instituts Wien im Buch ausführt. Der damals zuständige Staatsanwalt erläutert, warum er trotz erwiesener Wartungsmängel, Schlampereien und Regelverstößen bei Lauda Air keine Anklage gegen die Fluggesellschaft erhob ‒ sehr zum Unverständnis und Ärger mancher Hinterbliebener.

Die Gräber der Besatzung
Autor Patrick Huber ‒ er hat 15 Jahre lang an diesem Buch über die größte Katastrophe der heimischen Luftfahrtgeschichte gearbeitet - begab sich auf Bitten ehemaliger Lauda Air Mitarbeiter außerdem auf die Suche nach den letzten Ruhestätten der Besatzungsmitglieder der „Mozart“, von denen er einige nach mühevoller Recherche leider nur noch in teils baufälligem und verwahrlosten Zustand vorfand. Andere dagegen sind vorbildlich gepflegt. Eines der Gräber wurde zwischenzeitlich gar aufgelassen und neu belegt. Auf Wunsch einer ehemaligen Flugbegleiterin der Lauda Air entzündete Huber am Grab von Chefstewardess Birgit Wiesinger bei seinem Besuch eine Kerze. Den letzten Ruhestätten der Besatzung widmete der Autor ein eigenes bebildertes Kapitel in seinem Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe".

Das Grab der Purserin (Chef de Cabin) Birgit Wiesinger in der Steiermark - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Abgerundet wird dieses akkurat recherchierte investigative Standardwerk über den Absturz der Lauda Air mit circa 150 zu einem großen Teil niemals zuvor veröffentlichten Abbildungen und Fotos. Detailliert wie ein Lexikon und spannend wie ein Thriller geschrieben, richtet es sich an die Hinterbliebenen der Opfer, an Journalistinnen und Journalisten, die ehemaligen Mitarbeiter der Lauda Air sowie allgemein an alle luftfahrtinteressierten Personen. 

(red TH / PM )