Patrick Huber, "Austrian Wings-Inventar" und Autor des Buches "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der Mozart - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe": "Das Jahr 1991 ging als das finsterste in die Annalen der österreichischen Luftfahrtgeschichte ein. Denn am 26. Mai des "Mozart-Jahres" (200. Todestag des großen Komponisten) stürzte der Lauda Air Flug NG 004 kurz nach dem Start in Bangkok auf dem Weg nach Wien ab - alle 213 Passagiere und 10 Besatzungsmitglieder fanden dabei den Tod. 27 von ihnen ruhen bis heute in einem Gemeinschaftsgrab in Thailand, weil sie nicht mehr identifiziert werden konnten Als unmittelbare Ursache des Absturzes stellten die Ermittler der thailändischen Untersuchungskommission einen Defekt an der Schubumkehr fest. Die Schubumkehr des linken Triebwerks hatte sich im Steigflug geöffnet und so die Boeing 767-300ER mit dem Kennzeichen OE-LAV zum Absturz gebracht. Die beiden erfahrenen Männer im Cockpit kämpften bis zuletzt, hatten aber keine Chance."
Die primäre Ursache für den Absturz war ein Konstruktionsfehler an der Schubumkehr der 767 für den Boeing die Verantwortung nahm. Juristisch traf die Lauda Air keine Schuld. Die thailändischen Unfallermittler konnten allerdings niemals feststellen, warum sich die Schubumkehr geöffnet hatte. Der österreichische Fachmann Prof. DDipl. Ing. Dr. tech. Ernst Zeibig führte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien eine eigene Untersuchung durch und gelangte zu dem Schluss, dass "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" beschädigte Leitungen im Bereich des "Strut" des linken Triebwerks die Fehlfunktion der Schubumkehr ausgelöst hatten. Weiters, so der Experte, hätte die "Mozart" schon seit Jänner 1991 überhaupt nicht mehr fliegen dürfen. Lauda Air habe außerdem teils schwere Wartungsmängel zu verantworten gehabt und bei der Wartung der OE-LAV gegen Vorschriften des Herstellers Boeing verstoßen.
Zwei Männer im Cockpit, acht Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter und alle 213 Passagiere starben deshalb am 26. Mai 1991 einen höchstwahrscheinlich vermeidbaren Tod.
Dass es nicht 214 Passagiere waren, das war reiner Zufall. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "NEWS" berichtet Peter Sichrovsky, ein Ur-Gestein des österreichischen Qualitätsjournalismus, dass er am 26. Mai 1991 auf Flug NG 004 gebucht war. Durch Zufall hatte er umgebucht und hörte am 27. Mai 1991 in Wien in den Nachrichten davon, dass "sein" Flug in der Nacht abgestürzt war. Ein lesenswerter Beitrag.
(red TT / Mitarbeit: Patrick Huber)