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Wie der Lauda Air Absturz zwei funkelnde Sterne am österreichischen Musik-Himmel auslöschte

Albert Puff mit seiner Ehefrau Yu Sha Puff-Lung sowie der gemeinsamen 5-jährigen Tochter Valentine Bernadette (kl. Bild). Die gesamte Familie starb beim Absturz von Lauda Air NG 004 am 26. Mai 1991.

213 Passagiere und 10 Besatzungsmitglieder riss die Lauda Air Boeing "Mozart" bei ihrem nächtlichen Sturzflug am 26. Mai 1991 in Thailand in den Tod. Darunter waren auch zwei etablierte Sterne am österreichischen Musik-Himmel, zwei wahre "Spitzenkünstler", wie einstige Weggefährten zu berichten wissen. Um ein Haar wäre sogar das gesamte Opernball-Orchester ausgelöscht worden. Nur ein Zufall verhinderte das.

Es war der 15. Mai 1991 als das Wiener Opernball-Orchester von Niki Lauda persönlich an Bord einer Boeing 767-300ER von Wien nach Bangkok (Flug NG 001) pilotiert wurde. Dort stieg das 18-köpfige Musik-Ensemble dann auf den Thai Airways Flug 628 um, flog weiter nach Seoul. Zusätzlich zu den aktiven Musikern des Orchesters befand sich auch der Südtiroler Albert Puff (35) mit seiner Frau Yu Sha Puff-Lung (38) und der gemeinsamen Tochter Valentine Bernadette (5) an Bord. Albert Puff stammte aus Bozen und war Solo-Hornist im Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester. Außerdem war er auch Mitglied des Orchesters Wiener Strauss Solisten sowie in  weiteren renommierten Ensembles. Allerdings hatten sich Puff und seine Familie dem Orchester lediglich privat angeschlossen, denn die Puffs reisten zum Verwandtenbesuch nach Seoul.

Die Namensliste des Wiener Opernballorchesters, das um ein Haar am 26. Mai 1991 an Bord der "Mozart" gewesen wäre.

Nach der Ankunft in Seoul am 16. Mai 1991 akklimatisierte sich das Orchester und spielte schließlich am 18. Mai 1991 zunächst bei der Eröffnung des Lauda Air Büros in Seoul auf. Anschließend musizierte das Opernball-Orchester am "Wiener Opernball in Seoul", der im eleganten Shilla-Hotel stattfand. 

Auftritt bei der Eröffnung des Lauda Air Büros in Seoul.

Danach war noch ein weiteres Konzert geplant. Der Rückflug des Ensembles und der Familie Puff sollte am 26. Mai 1991 stattfinden - mit TG 629 von Seoul nach Hongkong und dann weiter mit NG 004 von Hongkong via Bangkok nach Wien. Es war der Unglücksflug.

Weil dieses zweite Konzert allerdings abgesagt wurde, buchte das gesamte Wiener Opernballorchester auf einen Rückflug am 19. Mai um - mit Cathay Pacific Flug 421 von Seoul nach Hongkong und dann mit Lauda NG 004 nach Wien. Ankunft in den frühen Morgenstunden des 21. Mai 1991. Nur Flötist Fritz Fahrnberger und Familie Puff entschieden sich - wie geplant - erst am 26. Mai nach Österreich zurückzukehren.

Die Unglücksmaschine: Boeing 767-3Z9ER, "Mozart", Kennzeichen OE-LAV, der Lauda Air. - Foto: Werner Fischdick
Professor Mayerhofer hat sein Flugticket mit dem original gebuchten Rückflug am 26. Mai 1991 bis heute aufgehoben. In Zeiten analoger Tickets wurden die neuen Flugdaten bei einer Umbuchung händisch eingetragen, der Sticker für den Rückflug am 19. Mai 1991 ist rechts unten zu sehen.

Fritz Fahrnberger (34) war Solo-Flötist im Orchester der Vereinigten Bühnen und substituierte auch regelmäßig im Orchester der Wiener Staatsoper / Philharmoniker. wo er als Aspirant für eine fixe Anstellung galt. In anderen erstklassigen Ensembles, wie z.B. dem Opernballorchester, war Fritz als Spitzenmusiker ebenso sehr gefragt. 

Das letzte Foto von Flötist Fritz Fahrnberger.

Während die 17 anderen Musiker des Opernballorchesters durch ihre Umbuchung auf den 19. Mai 1991 mit dem Leben davon kamen, starben Fritz Fahrnberger und die Familie Puff beim Absturz von Lauda Air Flug NG 004 am 26. Mai 1991. Besonders tragisch: Fritz Fahrnbergers Ehefrau war zum Zeitpunkt des Unglücks schwanger, die Tochter lernte ihren Vater niemals kennen - und von Albert Puff ist bekannt, dass er unter großer Flugangst litt. Normalerweise flog er daher stets getrennt von seiner Frau, damit im Falle eines Unglücks die Familie nicht ausgelöscht wird. Doch dieses eine Mal reiste er gemeinsam mit der ganzen Familie. Es war eine Reise ohne Wiederkehr.

Noch heute sind die Musiker Albert Puff und Fritz Fahrnberger bei vielen ehemaligen Kollegen unvergessen. Beide Männer galten als etablierte Sterne am österreichischen Musik-Himmel. Es waren frühere Wegbegleiter, die anregten, dass ich doch über die tragische Geschichte dieser beiden Männer und ihrer Familien einen Artikel schreiben solle. Besonders bedanken möchte ich mich für die Rechercheunterstützung bei Herrn Professor Peter Mayerhofer und Herrn Professor Laszlo Barki, denen die Erinnerung an ihre einstigen Kollegen ebenfalls ein besonderes Anliegen ist.

Text: Patrick Huber
Bildmaterial, sofern nicht anders angegeben: ZVg von Herrn Prof. Mayerhofer (vielen Dank)