Gegenwärtig läuft eine umfassende Modernisierung der AUA-Langstreckenflotte. Bis zu 12 Boeing 787-9 Dreamliner sollen bis zum Jahr 2028 sämtliche Boeing 767-300ER (aktuell noch zwei Exemplare im Einsatz, die OE-LAE und die OE-LAY) und Boeing 777-200ER (sechs Stück, OE-LPA, OE-LPB, OE-LPC, OE-LPD, OE-LPE und OE-LPF) ersetzen. Derzeit hat die AUA drei Boeing 787-9 Dreamliner im Flugdienst (OE-LPL, OE-LPM und OE-LPG), eine vierte Maschine (OE-LPI) wurde formal bereits an Austrian übergeben, wird derzeit aber noch technisch für den Regelbetrieb vorbereitet.
Während die beiden letzten Boeing 767-300ER noch heuer die Flotte verlassen werden (der finale Linienflug mit einer Boeing 767 findet am 1. Dezember statt, danach folgt noch ein Abschiedsflug), werden die Triple Seven sukzessive bis 2028 außer Dienst gestellt. Von den sechs Boeing 777-200ER der AUA tragen drei Exemplare (OE-LPA, OE-LPB und OE-LPC) die exakte Typenbezeichnung 777-2Z9ER, zwei weitere 777-2Q8ER. Und dann gibt es da noch ein Unikat - die OE-LPD. Sie (Seriennummer 35960, l/n 607) ist nämlich eine Boeing 777-2B8ER.

Um zu verstehen, was es damit auf sich hat, muss man zurück in die Vergangenheit blicken. Der US-Flugzeughersteller Boeing hatte - beginnend mit der Boeing 377 Stratocruiser in den 1940er Jahren - jedem Kunden, der eine Maschine direkt bei Boeing bestellte, einen sogenannten Customer Code zugeordnet und diese Vorgehensweise bis zum Jahr 2016 (da wurde das offizielle Ende dieser Praxis verkündet) beibehalten. Der Airline Customer Code war wie ein “Tattoo” für jedes Flugzeug. Einmal vergeben, blieb er ein “Flugzeugleben” lang erhalten, egal wie viele Betreiber eine Maschine später noch hatte. Boeing war der einzige Flugzeughersteller, der dieses System verwendete.
Lufthansa hatte beispielsweise den Customer Code 30. Das bedeutet, dass eine Boeing 707-300 der Lufthansa die Typenbezeichnung Boeing 707-330 trug. Und so konnte man auch Jahrzehnte später, als Air Zimbabwe gebrauchte Boeing 707-300 von Lufthansa erwarb, an der Bezeichnung 707-330 sofort erkennen, dass die Maschinen ursprünglich an Lufthansa ausgeliefert worden waren.
Die österreichische Lauda Air bekam von Boeing den Customer Code Z9 zugeteilt. Die Boeing 767-300ER der Lauda Air waren somit Boeing 767-3Z9ER. Dadurch lässt sich für den Insider dann auch bei dieser Aufnahme einer Boeing 767-300ER von Ryan International Airlines aus dem Jahr 2012 sofort anhand der Typenbezeichnung feststellen, dass diese Maschine einst von Lauda Air bei Boeing als Neuflugzeug bestellt worden war.


Austrian Airlines kauften nur ein einziges Flugzeug bei Boeing
Die AUA hatte von Haus aus nie Boeing-Flugzeuge neu bestellt und folglich auch keinen eigenen Customer Code. Zwar flog sie ab 1969 für kurze Zeit eine Boeing 707-300, doch diese Maschine war nur gemietet. Die Bezeichnung 707-329 verriet, dass sie von der belgischen Sabena stammte, denn der Boeing Customer Code für diese Airline war 29.
Als Austrian Airlines Anfang der 2000er-Jahre auf Wunsch ( oder besser gesagt Druck) der heimischen Politik die kurz vor der Insolvenz stehende Lauda Air übernehmen musste, waren (neben etlichen anderen Flugzeugen) die drei Boeing 777-2Z9ER OE-LPA, OE-LPB und OE-LPC beim Erwerb der Lauda Air mit inbegriffen.



Zur Erweiterung ihrer Langstreckenflotte beschaffte die AUA wenige Jahre später eine weitere Boeing 777-200ER - es war die einzige Direktbestellung, die Austrian Airlines in ihrer gesamten Geschichte jemals bei Boeing tätigte. Boeing wies der AUA dafür den Customer Code B8 zu. Dieses Flugzeug wurde im Jänner 2007 an Austrian Airlines ausgeliefert und erhielt die Kennung OE-LPD.

Es ist die weltweit einzige Boeing 777-2B8ER und überhaupt die einzige Boeing auf der Erde, die jemals den Customer Code B8 erhalten hat. Das macht die “Spirit of Austria”, so ihr Taufnahme, für viele Luftfahrtenthusiasten zu etwas ganz Besonderem.
Text & Fotos: Patrick Huber