213 Passagiere, 2 Piloten, 7 Flugbegleiterinnen und 1 Flugbegleiter starben als die Boeing 767-300ER, OE-LAV, "Mozart", der Lauda Air am 26. Mai 1991 15 Minuten nach dem Start in Bangkok abstürzte. Grund für den Absturz war, dass sich die linke Schubumkehr während des Steigfluges aufgrund eines Konstruktionsfehlers geöffnet hatte. Allerdings hätte die Maschine bereits seit Ende Jänner 1991 überhaupt nicht mehr fliegen dürfen, weil die Techniker die seit einem halben Jahr immer wieder aufgetretenen Fehlermeldungen zur Schubumkehr nicht in den Griff bekamen. So steht es schwarz auf weiß in einem Gutachten der Staatsanwaltschaft Wien.
Trotz aller Bemühungen der Gerichtsmediziner und Kriminalisten konnten 27 der 223 Toten nicht identifiziert werden. Für sie wurde der Lauda Air Friedhof in Suphan Buri angelegt. Neben 26 Passagieren ist dort auch ein Besatzungsmitglied beerdigt: die Flugbegleiterin Christine Quehenberger.

Quehenberger war zum Zeitpunkt des Absturzes 26 Jahre alt und flog seit etwas über ein Jahr für die Lauda Air. Zuvor - gleich nach ihrer Matura - war die junge Salzburgerin für die damals noch eigenständige Tyrolean Airways geflogen. Weil sie jedoch die weite Welt sehen wollte, bewarb sie sich bei Lauda Air und wurde genommen. Das war im März 1990. Für ihren Traumberuf als Stewardess, wie man Flugbegleiterinnen damals noch nannte, zog die junge Frau sogar extra von Salzburg nach Wien. Dort lebte sie in einer Wohnung in der Fleischmanngasse im vierten Wiener Gemeindebezirk. Nach ihrem Tod ließ sogar ihr ehemaliger Arbeitgeber Tyrolean Airways in Innsbruck eine Totenmesse für Christine Quehenberger lesen.

Als Gesamtrechtsnachfolgerin der Lauda Air ist Austrian Airlines (AUA) laut Ansicht zahlreicher Juristen für den Erhalt des Lauda Air Friedhofes in Thailand und dafür, den Angehörigen der dort bestatteten Absturzopfer einmal im Jahr ein kostenloses Ticket nach Bangkok zur Verfügung zu stellen, verantwortlich. Bis 2020 tat die AUA dies auch, seither weigert sie sich jedoch. Der Friedhof verkam deshalb in den vergangenen Jahren und Angehörige von Christine Quehenberger sowie weiterer dort beerdigter Angehöriger erhielten von der AUA auf Anfrage die herzlose Auskunft, dass es für sie keine kostenlosen Tickets nach Bangkok mehr gebe. Nicht einmal zum 35. Jahrestag kommt die AUA ihrer Verpflichtung nach, den Angehörigen eine kostenlose Anreise zum Friedhof zu ermöglichen. Das sorgt bei Familie Quehenberger und weiteren Betroffenen für Unmut.
Darüber und über viele weitere Dinge sprach ihr Bruder, Manfred Quehenberger, mit mir ausführlich im Interview in meinem Buch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe".

Für seine freundliche Unterstützung bei meinen Recherchen und das Interview möchte ich mich bei Herrn Quehenberger sehr herzlich bedanken.
Text: Patrick Huber
Foto: ZVg / Familie Quehenberger