Alle 213 Passagiere, die beiden 2 Piloten und die 8-köpfige Kabinenbesatzung starben als die Boeing 767-300ER, OE-LAV, "Mozart", der Lauda Air am 26. Mai 1991 15 Minuten nach dem Start in Bangkok abstürzte. Grund für den Absturz war, dass sich die linke Schubumkehr während des Steigfluges aufgrund eines Konstruktionsfehlers geöffnet hatte. Allerdings hätte die Maschine bereits seit Ende Jänner 1991 überhaupt nicht mehr fliegen dürfen, weil die Techniker die seit einem halben Jahr immer wieder aufgetretenen Fehlermeldungen zur Schubumkehr nicht in den Griff bekamen. So steht es schwarz auf weiß in einem Gutachten der Staatsanwaltschaft Wien.
Die Leichen der unglücklichen Insassen lagen weit verstreut im schier undurchdringbaren Dschungel bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und tropischen Temperaturen, was den Verwesungsprozess massiv beschleunigte. Zudem waren sie zum Teil auch durch thermische Einwirkungen bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die seit 1996/97 standardmäßig zur Identifizierung eingesetzte DNA-Analyse war damals noch nicht ausgereift genug. Deshalb musste auf konventionelle forensische Methoden - wie etwa den Zahnstatus - zurückgegriffen werden.
Österreich entsandte einige erfahrene Kriminalisten sowie den bekannten Gerichtsmediziner Professor Christian Reiter (für mein heuer erschienenes Sachbuch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" gab mir Professor Reiter ein ausführliches Interview, wofür ich ihm sehr dankbar bin) nach Thailand. Das Buch ist unter anderem direkt beim Verlag sowie beim Onlineshop von Manz und Freytag & Berndt erhältlich - außerdem kann es in jeder Buchhandlung unter Angabe der ISBN bestellt werden. Allerdings stand noch vor der Abreise der österreichischen Experten fest, dass Österreich alleine mit einem solchen Massenanfall von Opfern völlig überfordert sein würde.

Deshalb bat Österreich damals offiziell die Bundesrepublik Deutschland um Unterstützung, ein Umstand, der in der Öffentlichkeit bisher kaum bekannt ist. Das deutsche Bundeskriminalamt aus Wiesbaden entsandte daraufhin eine etwa 30-köpfige Identifizierungskommission nach Thailand, welche die österreichischen Experten unterstützte. Währenddessen nahmen Kriminalbeamte in Österreich in den Wohnungen der Opfer Fingerabdrücke, suchten nach medizinischen Unterlagen, die wichtige Informationen (Zahnstatus, Implantate, Prothesen, etc ...) enthielten und schickten das Material so rasch wie möglich nach Thailand, wo es die österreichisch-deutsche Kommission sichten und mit ihren eigenen Erkenntnissen abgleichen konnte.
In wochenlanger physisch und psychisch enorm belastender Arbeit konnten die österreichischen und deutschen Experten so den meisten Opfern ihre Namen zurückgeben. Trotzdem blieben 27 Tote unidentifiziert - sie ruhen in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Lauda Air Friedhof in Suphan Buri, darunter auch die Flugbegleiterin Christine Quehenberger aus Salzburg.

Wie Professor Reiter im Interview mit mir schilderte, arbeitete die österreichisch-deutsche Kommission nach höchsten wissenschaftlichen Standards, sicherte ihre Erkenntnisse durch forensische Beweise ab - jedes von diesen Experten auf diese Art und Weise zweifelsfrei identifizierte Opfer wurde anschließend in die Heimat zur Beerdigung überstellt.
Die Thailänder arbeiteten bei den "asiatisch aussehenden" Opfern dagegen primär nach dem Bekennerprinzip, wie mir Professor Reiter im Interview ausführlich darlegte.. Sie zeigten den Angehörigen einfach Bilder der schwerst entstellten Leichen und sobald jemand meinte, seinen Verwandten darauf erkannt zu haben, konnte er die Leiche mitnehmen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es dadurch zu einer großen Zahl von Fehlidentifizierungen kam. Wie viele nicht-österreichische Opfer dadurch den falschen Familien übergeben wurden, wird sich nie mehr klären lassen.
Text: Patrick Huber