Am 12. April dieses Jahre flog der AUA Embraer E195 OE-LWL zunächst von Wien nach Mailand, dann zurück nach Wien und von dort dann nach Innsbruck. All diese Flüge verliefen ereignislos. In Innsbruck wurde die Maschine am frühen Nachmittag schließlich für den Rückflug nach Wien vorbereitet (Flugnummer OS 106) und verließ um 14:34 Uhr ihre Parkposition, um zur Piste 08 zu rollen. An Bord befanden sich rund 100 Passagiere, 2 Piloten und 3 Flugbegleiter.

Die Piloten fuhren die Triebwerke auf die zuvor berechnete Startleistung hoch, doch beim "80-Knoten"-Check bei dem überprüft wird, ob beide Geschwindigkeitsmesser die gleichen Werte anzeigen, bemerkte die Crew, dass es abweichende Geschwindigkeitsdaten gab. Sofort wurde der Start abgebrochen und die Maschine rollte zur Parkposition zurück. Die AUA entsandte eine Ersatzmaschine, um die Passagiere nach Wien zu fliegen, während sich Techniker um den Embraer kümmerten.
Offenbar hatten Insekten eines der Pitot-Rohre verstopft. Diese kleinen Messsonden im vorderen Bereich des Rumpfes liefern wichtige Daten für die Geschwindigkeitsanzeigen. Sind sie beschädigt oder blockiert, stimmen die im Cockpit angezeigten Werte nicht. Tritt ein solches Problem am Boden auf, ist der Startabbruch das Standardverfahren.
Gleiches Problem führte 1996 bei türkischem Billigflieger zur Tragödie
Im Jahr 1996 entschieden sich die Piloten einer Boeing 757 der türkischen Chartergesellschaft Birgenair, den Start trotz abweichender Geschwindigkeitsanzeigen fortzusetzen. Diese Entscheidung führte - gemeinsam mit schwerem Fehlverhalten die Piloten, die gravierende Ausbildungsdefizite aufwiesen - schließlich zum Absturz der Boeing 757 und zum vermeidbaren Tod von 189 Menschen.

Der Absturz von Birgenair Flug 301 ist kurioserweise das größte "deutsche" Flugzeugunglück. Denn bei keinem anderen Flugunfall in der Geschichte starben mehr deutschen Staatsbürger.
Text & Fotos: Patrick Huber