Norbert Hofer ist luftfahrtbegeistert, leidenschaftlicher Pilot und begann seine Karriere in der Luftfahrt als Techniker bei Lauda Air. Am 12. September dieses Jahres veröffentlichte er auf Social Media ein Foto seines ehemaligen Dienstausweises und dazu ein paar Zeilen, darunter folgende Textpassage:"Für Niki Lauda zu arbeiten war für einen jungen Techniker das Größte (...) Genauigkeit war bei ihm Grundbedingung, in der Luftfahrt entscheidet sie über alles."
Mit dem letzten Satz, dass Genauigkeit in der Luftfahrt "über alles" entscheidet, hat Hofer recht. Mit dem Satz davor, dass bei Lauda Air in der Technik "Genauigkeit Grundbedingung" war, wohl kaum.
Wie durch Gerichtsdokumente, die im Zuge der Recherchen zum investigativen Aufdeckerbuch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" von Austrian Wings Stammautor und Buchautor Patrick Huber, belegt ist, herrschte in der Technik von Lauda Air enormer Druck und Flugzeuge wie die "Mozart", die gar nicht mehr hätten abheben dürfen, wurden auf Druck des Managements mitunter trotzdem in die Luft geschickt. Die "Mozart" zum Beispiel, die am 26. Mai 1991 mit 223 Passagieren und Lauda Air Mitarbeitern abstürzte, hätte seit Ende Jänner 1991 wegen Wartungsmängeln gar nicht mehr fliegen dürfen.
Ein technischer Leiter der Lauda Air, Hanns Pekarek, warnte Niki Lauda wiederholt davor, dass dieser Druck die Flugsicherheit gefährde und erteilte seiner eigenen Familie Flugverbot mit Lauda Air als er das Unternehmen verließ. Das war acht Monate vor dem Crash der "Mozart". Die Staatsanwaltschaft Wien verlautbarte Anfang der 1990er Jahre öffentlich, dass der Absturz der "Mozart" bei sorgfältigerer Wartung vermeidbar gewesen wäre.
Diese in Akten der Staatsanwaltschaft Wien dokumentierten Fakten lassen sich daher also so gar nicht mit Norbert Hofers "lobhudelnder" Behauptung, dass die bei Lauda Air "Genauigkeit Grundbedingung war" in Übereinstimmung bringen.
Zwar kam Hofer laut seinem Dienstausweis erst knapp fünf Wochen nach dem Absturz zu Lauda Air, die Bedingungen waren damals nach Berichten ehemaliger Techniker aber noch immer ziemlich gleich schlecht wie vor dem Absturz. Lauda Air vernichtete nach dem Absturz offensichtlich Akten und behinderte den staatsanwaltschaftlichen Gutachter, Professor DDipl. Ing. Dr. Ernst Zeibig, massiv bei der Arbeit. Auch das ist in behördlichen Dokumenten belegt, die von Angehörigen der Opfer eingesehen und kopiert werden dürfen, wie Rechtsanwalt Dr. Michael Dohr gegenüber Austrian Wings betont.
Jedem Technik-Mitarbeiter der genau hinsah, müssten diese Zustände aufgefallen sein. Die Frage ist also: Fiel es Norbert Hofer tatsächlich nicht auf? War er als junger Mann so absolut naiv und betriebsblind? Meint er sein Posting also wirklich ernst? Oder wusste er sehr genau was im Technikbetrieb der Lauda Air ablief und betreibt mit seinem Social Media Posting einfach romantische Schönfärberei? Die Antwort darauf kann nur Norbert Hofer geben. Wir unterstellen ihm weder das eine noch das andere. Aber wir sind genau so verwundert wie viele in der Fachwelt über sein Posting.
(red TT, CvD)